[WestG] [AKT] LWL zeichnet Blumenhaus im Schlosspark Schieder als Denkmal des Monats aus

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 19 08:51:46 CEST 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 18.10.2010, 12:34


AKTUELL

Vorbildlich instandgesetzt zum reizvollen Wohn- und Atelierhaus
LWL zeichnet Blumenhaus im Schlosspark Schieder als Denkmal des 
Monats aus

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeichnet das 
Blumenhaus im Schlosspark Schieder (Kreis Lippe) wegen seiner 
vorbildlichen Sanierung als Denkmal des Monats Oktober aus. 
"Die Instandsetzung des Blumenhauses verdeutlicht, wie durch 
enge und offene Zusammenarbeit zwischen engagierten Bauherrn, 
erfahrenen Planern und beteiligten Behörden ein Baudenkmal 
wieder seinem historischen Vorbild gerecht wird und dennoch den 
heutigen Nutzungsanforderungen entspricht", lobt die 
LWL-Denkmalpflegerin Saskia Schöfer.

Das Blumenhaus ist ein Zwillingsbau, der Anfang des 18. 
Jahrhunderts im Schlossgarten Schieder errichtet wurde. 
Ursprünglich als Gewächshaus genutzt, vermietete die Stadt 
Schieder-Schwalenberg das Gebäude zuletzt als Zweifamilienhaus.

Der Nutzungswandel führte dabei zu massiven Umbaumaßnahmen. Der 
Grundriss und die innere Architektur wurden durch den Einbau 
von Betondecken oder die Tieferlegung des Kellers völlig 
verändert. Als das Gebäude 2008 in den Besitz der heutigen 
Eigentümer überging, war von der historischen Substanz kaum 
noch etwas erkennbar.

Vor Beginn der Instandsetzungsarbeiten führten die Bauherren 
eine intensive Recherche in verschiedenen Archiven und 
Bibliotheken zur Baugeschichte des Gebäudes durch. Dabei waren 
nur wenige verlässliche Unterlagen auffindbar. "Die Bauakten 
waren wenig ergiebig, so dass erst nach vorsichtigen 
Freilegungsarbeiten Hinweise auf die historische Struktur sowie 
Material- und Farbgebung vorlagen", so Schöfer.

Durch die Rückführung einiger Baumaßnahmen im Inneren des 
Gebäudes konnte die alte Raumaufteilung wieder deutlich gemacht 
werden. Der dadurch neu entstandene Grundriss eignet sich 
hervorragend für eine Wohn- oder Ateliernutzung. Die hohen, 
offenen Räume im Mittelbereich beider Geschosse dienen der 
Eigentümerin als öffentliche Ausstellungsfläche für ihre 
Kunstgemälde.

Im Außenbereich wurden die schräg in die Mauer eingeschnittenen 
Umfassungen der Fenster, die sogenannten Sandsteingewände, 
wieder freigelegt, gereinigt und teilweise ergänzt. Die Fenster 
erhielten ihre ursprünglich vorhandene Sprossenteilung und die 
grau-grüne Farbe zurück. Wegen fehlender Hinweise auf die 
historische Farbgestaltung der Außenwände wurden diese in einem 
hellgelb-beige in Anlehnung an die Fassaden des Schlosses und 
der zugehörigen Nebengebäude gestrichen. Der Haupteingang wird 
wieder über eine Treppenanlage aus Sandstein erschlossen, wie 
es auf alten Fotos zu sehen ist.

Einzig bei der Dachgestaltung wurden Kompromisse eingegangen, 
weil die frühere Biberschwanzdeckung bereits in großen Teilen 
durch Tonpfannen ersetzt worden war und auch das Zwillingshaus 
entsprechend gedeckt ist. Ebenso wurden die bereits vorhandenen 
Dachflächenfenster beibehalten, um die Schlafräume im 
Obergeschoss zu belichten. "Die Stadt Schieder-Schwalenberg 
erhält durch die Privatinitiative der neuen Eigentümer eine 
weitere kulturelle Bereicherung, die zur Attraktivität des 
Kurortes beiträgt", freut sich Schöfer über das 
gemeinschaftliche Projekt.

Hintergrund

Das Schloss Schieder wurde in den Jahren 1700-06 von Rudolf 
Graf zu Lippe-Brake als schlichter Barockbau errichtet. Südlich 
des Schlossgebäudes entstand Anfang des 18. Jahrhunderts eine 
terrassierte Gartenanlage, die als Grundlage des heutigen 
Schlossparks zu sehen ist. Im Norden setzte eine 1704-05 
gepflanzte Allee mit 260 Linden, die über den Fluss Emmer 
hinausführte, einen deutlichen Akzent.

Von 1789-1918 war das Schloss mit dem rund 20 Hektar großen 
Park Sommersitz der lippischen Regenten und ging anschließend 
in den Besitz des Landes Lippe über. In den Jahren 1922-1968 
von der Reichs- beziehungsweise Bundesbahn als Kinderheim 
genutzt, ist das Schloss Schieder heute Sitz des 
Kurgastzentrums und wird für Veranstaltungen genutzt. Der 
Schlosspark wurde bereits 1914 für die Öffentlichkeit 
zugänglich gemacht und befindet sich seit 1963 im Besitz der 
Stadt Schieder-Schwalenberg.

Zur Gesamtanlage gehört weiterhin der 1832 entstandene Marstall,
wo Pferde, Kutschen, Wagen und Geschirr untergebracht wurden. 
Außerdem ist das zeitgleich errichtete Remise entlang der 
nördlichen Lindenallee noch erhalten, sowie das sogenannte 
Prinzen- oder Teehaus aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bereits um 1817 werden die zwei Kavaliershäuser an der 
Lindenallee erwähnt, zwischen denen sich das nördliche 
Eingangstor befand und die den Abschluss der von Leopold II. 
erweiterten Gartenanlage bildeten. Diese Zwillingsbauten wurden 
auch Gärtnerhaus und Gewächshaus genannt, wobei das westliche 
Gebäude im Sprachgebrauch als Blumenhaus überliefert ist.


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