[WestG] [AKT] Ein Seliger im Originalton - Ansprache von Bischof Clemens August Graf von Galen aus dem Jahr 1934 entdeckt

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Mär 10 08:25:16 CET 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 09.03.2010, 12:01


AKTUELL

Ein Seliger im Originalton - Ansprache von Bischof Clemens 
August Graf von Galen aus dem Jahr 1934 entdeckt
LWL-Medienzentrum sucht weitere Tondokumente

Ein jahrzehntelang verschollenes Tondokument einer Ansprache 
des münsterischen Bischofs Clemens August Graf von Galen (1878 
- 1946) aus dem Jahr 1934 hat der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem Bistum Münster, der 
Galen-Forscherin Ingrid Lueb und Propst Hans-Bernd Serries aus 
Billerbeck am Dienstag (9. März) der Öffentlichkeit präsentiert.

Über Jahrzehnte galt ein kurzer Ausschnitt seiner 
Kardinalsansprache am 16. März 1946 auf dem Domplatz in Münster 
als das einzige erhaltene Tonzeugnis des 2005 selig 
gesprochenen Kardinals. Doch dann stieß die Historikerin Ingrid 
Lueb im Kalender Franz von Galens, des Bruders von Clemens 
August, unter dem 11. November 1960 auf eine bemerkenswerte 
Notiz: "Dr. Portmann mit Kaplan Risse (Hl. Kreuz) hier, welch 
Letzterer eine auf Tonband eingefangene Predigt von Clemens 
August 1934 im Exerzitienhaus, Schillerstraße in Münster, 
zweimal ablaufen ließ - herrlich. Wir sprachen zwei Stunden nur 
vom Kardinal." Gab es doch noch ein zweites Tondokument mit der 
Stimme von Galens? Luebs Fachkollegen reagierten skeptisch und 
verwiesen auf die intensiven Recherchen im Vorfeld des 
Seligsprechungsprozesses, die keinerlei Hinweise auf ein 
solches Dokument erbracht hätten.

Doch Ingrid Lueb ließ nicht locker. 2008 fand sie im Nachlass 
des langjährigen bischöflichen Kaplans und späteren 
Galen-Biographen Heinrich Portmann eine zweite heiße Spur. Aus 
einem Briefwechsel Portmanns mit dem Inhaber des Foto- und 
Phonofachgeschäftes Schumacher in Oer-Erkenschwick von März 
1960 ging hervor, dass der Geschäftsinhaber Portmann zwei 
Schallplatten mit einer Ansprache Galens geschickt hatte. 
Portmann ließ sie auf das damals moderne Medium Tonband 
umspielen und schickte die Platten dann zurück. Nachforschungen 
in Oer-Erkenschwick verliefen ernüchternd: Das Geschäft war 
nach dem Tod des Inhabers bereits vor 20 Jahren vollständig 
aufgelöst worden; es gab keine Spur mehr von den fraglichen 
Schallplatten.

Neue Hoffnung keimte auf, als die Familie Heinrich Portmanns im 
Nachlass ihres Onkels zwölf Tonbänder fand. Lueb brachte diese 
ins LWL-Medienzentrum für Westfalen. Dort verlief eine erste 
"Anhörung" der betagten Bänder zwar negativ, doch das 
Medienzentrum erklärte sich bereit, die Dokumente in seinem 
Tonarchiv zu archivieren und für Forschungszwecke zu 
digitalisieren. "Das war eine glückliche Entscheidung. Denn auf 
einer der auf diese Weise entstandenen Audio-CDs entdeckte 
Propst Serries, ebenfalls ein passionierter Galen-Forscher, vor 
einigen Wochen während einer Autofahrt schließlich das 
außergewöhnliche Tonzeugnis", berichtet Markus Köster, Leiter 
des LWL-Medienzentrums für Westfalen.

Hintergrund:
In der etwa achtminütigen geistlichen Ansprache ruft der 
Bischof seine "lieben Diözesanen" zur eifrigen Teilnahme an 
Exerzitien auf. Eine genaue Überprüfung der Tonsequenz lässt 
vermuten, dass von Galen während der Aufnahme keine Zuhörer 
hatte, sondern einen vorbereiteten Text allein für die 
Aufzeichnung auf Schellack-Schallplatten abgelesen hat. Serries 
dazu: "Das Exerzitienwesen war Bischof von Galen wie seinem 
Vorgänger Bischof Johannes Poggenburg ein wichtiges Anliegen.

Um dieses zu popularisieren, scheint er auch auf das damals 
moderne Medium Schallplatte gesetzt zu haben." Ob und wie die 
Ansprache tatsächlich verbreitet worden ist, wissen die 
Beteiligten aber noch nicht. Sie hoffen nun, dass sich 
Zeitzeugen an die Ansprache erinnern oder sogar weitere 
ähnliche Tondokumente auftauchen.

Alle Hinweise dazu werden dankbar aufgenommen, teilte der 
Landschaftsverband mit: "Aber auch wer andere originale 
Tonaufnahmen aus der Zeit vor 1950 besitzt, kann sich gern mit 
uns in Verbindung setzen", betont Ralf Springer, Archivreferent 
im Medienzentrum für Westfalen. Denn Audiodokumente aus jener 
Zeit besitzen wie Filme fast immer hohen alltagsgeschichtlichen 
Wert."


INFO

Kontakt:
ralf.springer at lwl.org


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