[WestG] [AKT] Bilanz: 26 Tonnen Archivgut aus Koeln eingefroren und getrocknet: Nothilfe des LWL
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mär 2 11:10:39 CET 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 01.03.2010, 13:32
AKTUELL
Bilanz: 26 Tonnen Archivgut aus Köln eingefroren und getrocknet
Nothilfe des LWL
Insgesamt 26 Tonnen Archivgut aus dem Kölner Stadtarchiv hat
der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster seit
dem Einsturz im März 2009 vor dem Verfall gerettet. 109
Gitterboxen mit feuchten Akten, Handschriften und anderen
Dokumente wurden in ein Kühlhaus im Münsterland gebracht, von
dort Stück für Stück ins LWL-Archivamt nach Münster
transportiert, wo die Restauratoren des LWL die Archivalien in
Gefriertrocknungsschränken schonend getrocknet haben. Bis Mitte
März sei die Nothilfemaßnahme abgeschlossen, zog
LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Montag
(1.3.) in Münster Bilanz.
Im LWL-Archivamt in Münster steht die Gefriertrocknungsanlage,
die seit einem Jahr für Köln im Einsatz ist. "Nasse oder
feuchte Akten werden am besten in Stretchfolie gepackt und wie
Gemüse eingefroren, um sie vor Schimmel zu schützen",
erläuterte Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamtes.
In der Gefriertrocknungsanlage des LWL, die Ähnlichkeit mit
einem normalen Gefrierschrank hat, werden die Akten dann einem
Vakuum ausgesetzt. Das Eis wird dadurch sofort gasförmig und
kann abgesaugt werden.
Schwere Schäden
In Köln seien bis zum Spätsommer 2009 rund 85 Prozent des
Archivguts geborgen worden, so Stumpf. Nach einer groben
Reinigung im Erstversorgungszentrum in Köln-Lind wurde das
Material auf 19 Asylarchive im Bundesgebiet verteilt , zum LWL
nach Münster kamen zirka 500 "laufende Meter" an Akten. Stumpf:
"Bei aller Erleichterung über die große Menge der geborgenen
Archivalien muss man sich klar machen, dass nur rund 20 Prozent
des Archivguts leicht geschädigt sind, bis zu 50 Prozent
dagegen schwere und mittlere Schäden und über 30 Prozent
schwerste Schäden erlitten haben."
Die Fachleute werden in Münster die getrockneten Kölner
Archivalien noch reinigen. Dies ist nötig, weil in praktisch
alle Archivalien beim Einsturz stark alkalischer Betonstaub
eingedrungen ist, der weitere Schäden nach sich ziehen könnte.
Inzwischen habe in Köln die virtuelle Zusammenführung der
Bestände begonnen: Teams schwärmen in die Asylarchive aus, um
dort Karton für Karton die Archivalien zu identifizieren, sie
den Beständen zuzuordnen und nach ihren Schäden zu
klassifizieren. Die Erfassung soll in drei Jahren abgeschlossen
sein.
Lehren aus Köln
Zu den wichtigsten "Lehren aus Köln" gehöre eine vernünftige
Schadensprävention, sagte Rüschoff-Thale: "Gebäudebezogenes
Risikomanagement ist der beste und preiswerteste Schutz.
Anforderungen an sachgerechte Archivgebäude dürfen nicht dem
Rotstift zum Opfer fallen." Wenn es doch zu einem Schadensfall
komme, müssten sich Archive gegenseitig in "regionalen
Notfallverbünden" helfen. "Und das müssen sie vorher planen und
üben", erläuterte LWL-Experte Stumpf.
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