[WestG] [AKT] Die Aktualität des Mittelalters: Neu an der Universitaet Muenster: Der Germanist Prof. Bruno Quast

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mär 2 10:24:49 CET 2010


Von: "Pressestelle der WWU Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 01.03.2010, 09:01


AKTUELL

Die Aktualität des Mittelalters
Neu an der Universität Münster: Der Germanist Prof. Bruno Quast

Prof. Dr. Bruno Quast ist seit dem Wintersemester neuer 
Professor für Deutsche Philologie an der Westfälischen 
Wilhelms-Universität. Sein Schwerpunkt ist die Literatur des 
Mittelalters. In der Forschung beschäftigt er sich vor allem 
mit der Romanliteratur des 12., 13. und 14. Jahrhunderts, also 
unter anderem mit den Werken von Hartmann von Aue, Wolfram von 
Eschenbach und Gottfried von Straßburg. Sein Projekt "Die 
Religion des höfischen Romans" ist Teil des Exzellenz-Clusters 
"Religion und Politik".

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Literarisierung 
ritueller Texte. Rituale waren im allgemeinen Leben der 
Vormoderne viel stärker präsent, als das heute der Fall ist. 
Eidesformeln, Formeln in liturgischen Texten oder 
Beschwörungsformeln etwa zur Teufelsaustreibung wurden von der 
Literatur des Mittelalters spielerisch aufgegriffen. So wollte 
die literarische Gattung der Narrenbeschwörungen um 1500 den 
Menschen ihre "Narrheiten" austreiben, also ihr ungebührliches 
Verhalten ausmerzen, beispielsweise eine zu übermäßige Neugier.

Bruno Quast untersucht darüber hinaus Fragestellungen der 
Historischen Anthropologie. Er geht im Spiegel der Literatur 
den sich verändernden Ausdrucksgestalten von Emotionen nach, 
beobachtet, wie sich der Umgang mit Liebe und Sexualität, mit 
Tod und Sterben im Laufe der Zeit verändert.

Ein weiteres Arbeitsfeld stellt die historische Erzähltheorie 
dar. Dabei geht es um den Aufbau der Texte, um die Figur des 
Erzählers, um die Gestaltung von Raum und Zeit in literarischen 
Texten. Sein narratologisches Interesse schließt eine Analyse 
des Mittelalters im modernen Film, vom hollywoodesken 
"Excalibur" bis zum französischen Autorenkino eines Bertrand 
Tavernier ("La Passion Béatrice"), Robert Bresson ("Lancelot du 
Lac") oder des jüngst verstorbenen Eric Rohmer ("Perceval"), 
mit ein.

In der Lehre deckt Bruno Quast das gesamte Mittelalter ab und 
setzt auf einen besonders forschungsnahen Unterricht. Auch 
Interdisziplinarität ist ihm sehr wichtig. "Alte Texte werden 
einfach zu sehr unterschätzt. Man kann sie genau so gut nach 
modernen Fragestellungen interpretieren wie zeitgenössische 
Texte." Das fördere spannende Ergebnisse zutage, etwa wenn es 
um Geschlechterrollen und Raumstrukturen gehe.

Bruno Quast nahm den Ruf aus Münster gerne an, da die 
Mediävistik hier auf eine große Tradition zurückblicken könne. 
In den 1980er Jahren war Bruno Quast das letzte Mal in Münster, 
damals noch als Student. "Gerade die Germanistik hat sich 
strukturell verbessert durch die Zusammenziehung der lange 
getrennten Abteilungen im Stein-Haus am Hindenburgplatz."

In seiner Freizeit hört Quast am liebsten Barockmusik und Jazz. 
Der Filmliebhaber schätzt die Filme eines Woody Allen, 
Christian Petzold oder Michael Haneke. Auch die Literatur der 
amerikanischen Pulitzerpreisträgerin Jhumpa Lahiri, des 
Nobelpreisträgers J.M. Coetzee sowie die Ruhrgebiets- und 
Berliner Romane von Ralf Rothmann haben es ihm angetan.


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