[WestG] [AKT] Das LWL-Freilichtmuseum Detmold eroeffnet das 1708 erbaute Haus Schwenger

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jun 14 11:01:35 CEST 2010


Von: "Gefion Apel" <gefion.apel at lwl.org>
Datum: 14.06.2010, 10:31 


AKTUELL

Das LWL-Freilichtmuseum eröffnet das 1708 erbaute Haus 
Schwenger aus Rheda mit dem angebauten Fotoatelier Kuper 
aus Rietberg

Es ist immer wieder ein Ereignis für Stammgäste des 
LWL-Freilichtmuseums Detmold ebenso wie für Neulinge: Die 
Eröffnung eines "frischen" historischen Gebäudes, das für neue 
Erlebnisse im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe 
( LWL) sorgt. Diesmal gelingt es den aktuellen "Stars" unter den 
Objekten im Freilichtmuseum, geradezu städtisches Gepräge ins 
so genannte "Paderborner Dorf" zu bringen: ein weiß leuchtendes 
Bürgerhaus mit Tageslicht-Fotoatelier wird ab Dienstag, 15. 
Juni 2010 für eine besondere Bereicherung sorgen.

Grundsätzlich verfügen zwar alle historischen Gebäude im 
LWL-Freilichtmuseum Detmold über eine lebhafte Geschichte, die 
sich in der Regel über etliche Jahrhunderte erstreckt. Seit der 
Übernahme des repräsentativen Bürgerhauses Schwenger aus dem 
heutigen Rheda-Wiedenbrück (Kreis Rietberg) sind inzwischen 
etwa vier Jahrzehnte vergangen, in denen das 
LWL-Freilichtmuseum bei Verwahrung, Planungs- und 
Restaurierungsarbeiten einen geeigneten Standort und eine 
besucherorientierte Nutzung gefunden hat. "Wirkt dies zunächst 
wie ein langer Zeitraum, schrumpft dieser angesichts der mehr 
als 300 Jahre währenden Historie des Hauses zur Randnotiz. 1708 
vom Rhedaer Kaufmann Daniel Schwenger erworben, befand sich um 
1900 in dem Haus nicht nur ein Ladenlokal, sondern 
möglicherweise sogar die allererste Filiale der Rhedaer 
Sparkasse", so Museumsleiter Dr. Jan Carstensen.

Seit vielen Jahrzehnten besitzt das LWL-Freilichtmuseum eine 
umfangreiche Sammlung historischer Läden. Zahlreiche originale 
Gegenstände und Handelswaren aus dem Laden Samson aus Atteln 
(Kreis Paderborn) der 1990 in den Besitz des Museums überging, 
sind gleich in Eingangsnähe im Bürgerhaus aus Rheda zu 
besichtigen. Die Einrichtung des Ladens befand sich bei der 
Übernahme durch das Freilichtmuseum noch im ursprünglichen 
Zustand von 1898. Die Epoche um 1900 ist eine Zeit, an der sich 
die gesamte Darstellung der Gebäude im Paderborner Dorf 
orientiert.

Als einzigartiger Glücksfall für das Freilichtmuseum erwies 
sich die Entdeckung eines historischen Fotoateliers aus 
Rietberg (Kreis Gütersloh). 1891 vom Fotografen Josef Kuper 
erbaut, entstammt das Gebäude einer Ära, in der Fotografen ihre 
Ateliers noch mit weitläufigen Glasflächen ausstatten mussten, 
um die Arbeitsräume mit den notwendigen Lichtverhältnissen zu 
versorgen. Im Jahr 2000 hat der LWL das Fotoatelier aus 
Rietberg nach Detmold überführt.

Seit 2009 wurde es im Freilichtmuseum an die Rückseite des 
Rhedaer Bürgerhauses angebaut. Am ursprünglichen Standort 
diente es als hofseitige Ergänzung eines Wohn- und 
Geschäftshauses aus dem 17. Jahrhundert. Vom Erbauer des 
Rietberger Ateliers, der dort bis 1903 tätig war, und seinen 
Nachfolgern, die bis etwa 1960 in dem Atelier arbeiteten, 
besitzt das Museum außerdem ein umfangreiches Archiv an 
historischen Glasnegativen. Sowohl die Grundstrukturen als auch 
die Bewohnergeschichten der beiden Gebäude ähneln einander 
sehr. Als gemeinsamer Schauplatz zur Geschichte der Fotografie 
in Westfalen bieten sie einen reizvollen, weiteren 
Anziehungspunkt im "Paderborner Dorf."

Fotografie in Westfalen

Die Anfänge der Fotografie liegen im 19. Jahrhundert. Seit 1839 
stand mit der Daguerreotypie erstmals ein technisches Verfahren 
zur Verfügung, mit Hilfe des Lichts exakte Abbilder von 
Menschen, Gebäuden und Landschaften herzustellen. Wenige Jahre 
später entstanden erste fotografische Ateliers in größeren 
Städten. Bereits 1842 gründete Friedrich Hundt das erste 
Fotoatelier Westfalens in Münster.

Oft waren es technisch interessierte Handwerker, die sich für 
das neue Medium Fotografie interessierten. Sie zogen als 
Wanderfotografen durch die Lande; nach etwa 1870 ließen sich 
auch in Kleinstädten die ersten Fotografen nieder. Um vor der 
Witterung geschützt arbeiten zu können, ließ man sich im 19. 
Jahrhundert verglaste Tageslichtateliers bauen. Heute, im 
Zeitalter der digitalen Fotografie, hat sich das Handwerk des 
Fotografen grundlegend gewandelt. Analoge Fotografie mit 
Glasplatten- oder Filmnegativen und chemischen 
Entwicklungsverfahren gehören inzwischen der Vergangenheit an. 
Diese Techniken können künftig interessierte Besucher im 
Freilichtmuseum in Workshops im Haus Schwenger erproben.


INFO

LWL-Freilichtmuseum Detmold
Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde
Krummes Haus
32760 Detmold
Tel.: 05231/706-0
Fax: 05231/706-106
E-Mail: freilichtmuseum-detmold at lwl.org 
URL: www.lwl-freilichtmuseum-detmold.de


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