[WestG] [LIT] Kohl, Wilhelm: Das Zisterzienserinnen-, spaeter Benediktinerinnenkloster St. Aegidii zu Muenster / Die Zisterzienserabtei Marienfeld
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Jul 7 11:07:27 CEST 2010
Von: "Nathalie Kruppa" <nkruppagwdg.de at lwlzzz2.itz.lwl.org>
Datum: 06.07.2010, 11:09
LITERATUR
Zwei neue Veröffentlichungen zur Klostergeschichte in der
Diözese Münster
Im Rahmen der bedeutenden kirchenhistorischen Reihe "Germania
Sacra" hat der renommierte Münsteraner Historiker Prof. Dr.
Wilhelm Kohl zwei neue Bände vorgelegt.
Im Jahre 2009 erschien bereits seine Untersuchung mit dem
Titel: "Das Zisterzienserinnen-, später
Benediktinerinnenkloster St. Aegidii zu Münster". Mit dieser
Studie über das städtische Frauenkloster St. Aegidii ergänzt
der Autor die bereits vorliegenden und zum größten Teil aus
seiner Feder stammenden Publikationen zu den städtischen
geistlichen Kommunitäten über das Domstift St. Paulus und das
Stift Alter Dom sowie über die Münster benachbart liegenden
Stifte St. Mauritz vor Münster und Nottuln.
Nach dem bewährten Schema der "Germania Sacra" wird die
Geschichte des um 1200 gegründeten Klosters St. Aegidii in
sieben Kapiteln ausführlich dargestellt. Nach einer Vorstellung
der Quellenüberlieferung geht Wilhelm Kohl ausführlich auf die
Gründungsgeschichte des Klosters und der daran beteiligten
Personen ein, von denen hier die erste Äbtissin Adelheid nur
genannt werden soll.
Auch die weitere Geschichte des Klosters bis zu seiner
Aufhebung 1803 wird dargestellt. Die institutionelle Verfassung
des Klosters, so beispielsweise die Funktion der Ämter
innerhalb des Konventes, werden ebenso vorgestellt wie das
religiöse Leben dieses in der Stadt Münster gelegenen
Frauenklosters. Der Besitz einer geistlichen Kommunität nimmt
stets einen großen Raum in der Publikationsreihe der "Germania
Sacra" ein, da der Besitz die Grundlage des geistlichen Lebens
bildete.
Ausführlich geht Wilhelm Kohl auf die einzelnen Besitzungen und
Rechte des Klosters St. Aegidii ein und stellt sie vor. Von den
bäuerlichen Gütern, über Zehnte und andere Einkünfte, Mühlen,
Häuser, Holzungen und Gärten bis hin zu den Fischereien werden
alle Güter und Einkünfte einzeln vorgestellt. Den Abschluss
bilden die Personallisten des Klosters, angefangen mit den
Biographien der Äbtissinnen. Weitere Angehörige des Konventes
werden in einzelnen Biogrammen ebenso vorgestellt wie die
Pröpste, Beichtväter Kapläne und weiteres geistliches und
weltliches Personal des Klosters sowie letztendlich auch dessen
Wohltäter.
Der zweite hier vorzustellende Band von Wilhelm Kohl befasst
sich mit der bedeutenden westfälischen Zisterzienserabtei
Marienfeld. Das Buch ist vor wenigen Wochen erschienen. Das
Kloster Marienfeld wurde 1185 durch eine Gruppe von
westfälischen Adligen unter der Federführung des Edelherren
Widukind von Rheda mit tatkräftiger Unterstützung des
Münsteraner Bischofs Hermann II. gegründet und erreichte sehr
bald eine hohe Blüte.
Auch in diesem Band geht Wilhelm Kohl nach dem Schema der
"Germania Sacra" die einzelnen Kapitel durch. Nach der
Quellenvorstellung - einschließlich eines bedeutsamen
Bibliotheksverzeichnisses des 12. Jahrhunderts - führt er die
Geschichte des Klosters bis zur seiner Aufhebung 1803 aus. Die
Verfassung der Zisterzienserabtei und ihr Verhältnis zum Orden,
Papst sowie zum Bistum Münster sind weitere Stichpunkte, auf
die in dem Buch ebenso eingegangen wird wie auf die dem Kloster
unterstellten Pfarreien.
Auch die Ämter innerhalb des Konventes und des Klosters werden
dargestellt sowie die Rolle der Abtei bei der Betreuung von
Zisterzienserinnenklöstern. Das religiöse Leben innerhalb des
Klosters und seine Bedeutung auf diesem Gebiet für die nähere
und weitere Umgebung werden im Kapitel 5 thematisiert. Die
Rolle der Zisterzienser für die Entwicklung der Landwirtschaft
ist nicht zu unterschätzen, so spielt selbstverständlich der
Besitz des Klosters - der ausführlich präsentiert wird - eine
große Rolle.
Detaillierte Güteruntersuchungen stellen den Besitz bis ins
kleinste vor; diese werden von den einzelnen Gütern über Zehnte,
Mühlen, Stadthäuser, Marken- und Jagdrechte, Fischerei,
Sondereinkünfte und Renten eingehend dargestellt. Zum Schluss
erfolgen auch in dem Buch über die Abtei Marienfeld die
Personallisten, in denen die Biographien der Äbte einen
Schwerpunkt bilden. In Biogrammen werden anschließend die
Konventualen, Konversen und Wohltäter vorgestellt.
Beide Bücher zeigen Klöster des Ordens der Zisterzienser, die
in der Diözese Münster gelegen waren. Gemeinsamkeiten und
Unterschiede lassen sich feststellen. Diese waren einerseits in
den verschiedenen Geschlechtern der Konventsangehörigen
begründet, aber auch durch ihre unterschiedliche Lage in der
Stadt- bzw. als ein Landkloster. Damit zeigen die beiden Bände
von Wilhelm Kohl zu St. Aegidii in Münster und Marienfeld die
große Bandbreite in der Geschichte der geistlichen
Institutionen der Diözese Münster im Mittelalter und der frühen
Neuzeit.
Wilhelm Kohl, Das Bistum Münster 10: Das Zisterzienserinnen-,
später Benediktinerinnenkloster St. Aegidii zu Münster
(Germania Sacra Dritte Folge 1: Die Bistümer der Kirchenprovinz
Köln), Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009. 562
Seiten, 129,95 €, ISBN 978-3-11-021254-9.
Wilhelm Kohl, Das Bistum Münster 11. Die Zisterzienserabtei
Marienfeld (Germania Sacra Dritte Folge 2: Die Bistümer der
Kirchenprovinz Köln), Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York
2010. 635 Seiten, 149,95 €, ISBN 978-3-11-023371-1.
INFO
Dr. Nathalie Kruppa
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Germania Sacra
Theaterstr. 7
37073 Göttingen
Tel.: +49 (0)551/39-4283
Fax: +49 (0)551/39-13784
E-Mail: germania-sacra at gwdg.de
URL: www.germania-sacra.de
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