[WestG] [AKT] Bocholter Stadtarchiv praesentiert das historische Foto des Monats Januar 2010

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jan 21 11:15:32 CET 2010


Von: "Stadt Bocholt" <info at presse-service.de>
Datum: 30.12.2009, 09:02


AKTUELL

Fotografisches Atelier Joseph Bigge
Bocholter Stadtarchiv präsentiert das historische Foto des 
Monats Januar 2010

In der Reihe "Foto des Monats" zeigt das Stadtarchiv Bocholt 
eine 1904 entstandene Aufnahme des in der Nordstraße 8 
gelegenen früheren Fotogeschäftes Bigge. Im Jahre 1894 siedelte 
der junge Fotograf Joseph Bigge mit seiner Ehefrau Katharina 
von Recklinghausen nach Bocholt über und eröffnete in der 
Königstraße 110/1 sein Atelier. Er verstarb aber schon zwei 
Jahre darauf, und seine Witwe übernahm das Geschäft. Sie kaufte 
schließlich dieses 1897 in der Nordstraße erbaute Haus und 
richtete im hinteren Hofraum ihr Fotoatelier ein.

Der Eingang des im Februar 1904 eröffneten Geschäftshauses lag 
an der linken Seite. Von dort aus ging man einen Flur entlang, 
der zum Atelier führte. An der Straßenfront befanden sich zwei 
Ausstellungsräume, über deren Fenster große Lampen angebracht 
waren. Das linke Schaufenster war an Louis Vallée vermietet, 
der im Nebenhaus Hüte verkaufte. Rechts daneben präsentierte 
die Witwe Bigge selbst ihre eigenen fotografischen Erzeugnisse.

Im Vordergrund ist der Straßenzustand zu erkennen. Seinerzeit 
war die Nordstraße noch mit einem Kopfsteinpflaster versehen. 
Auch der leicht erhöhte Bürgersteig bestand aus bunt 
nebeneinander gesetzten Legesteinen. Die vor dem Haus 
befindliche Pumpe ließ die Witwe Bigge 1905 entfernen, weil sie 
kaum mehr benutzt wurde und die umliegenden Häuser mittlerweile 
eigene Hauspumpen besaßen. Ist es die Witwe Bigge, die aus dem 
Fenster ihrer oben gelegenen Wohnung blickt?

Im dem Haus arbeitete zeitweise der Fotograf August Elsner, der 
sich später in Bocholt und Borken selbstständig machte. Auch 
wurden dort Lehrlinge für den Beruf des Fotografen ausgebildet. 
Spezialitäten des Ateliers waren Kinder-, Gruppen- und 
Momentaufnahmen. Auch gab es dort Bilderrahmen aller Art zu 
kaufen. Ferner lieferte die Firma Bigge zahlreiche Fotovorlagen 
mit Bocholter Stadtansichten zur Herstellung von 
Ansichtspostkarten. Bei der Handwerksausstellung in Coesfeld 
1909 wurde das Unternehmen für "hervorragende Leistungen" mit 
einer Silbermedaille ausgezeichnet.

1919 heiratete Katharina Bigge in zweiter Ehe den Fotografen 
Julius Pohl, mit dem sie das Fotohaus noch bis zu ihrem Tod 
1939 betrieb. Es wurde 1945 beim Bombenangriff auf die Stadt 
zerstört. Dadurch gingen ebenso zahllose aufbewahrte 
Fotoplatten vorausgegangener Jahre unwiederbringlich verloren. 
Vielleicht findet sich aber in manchen Familienalben noch ein 
altes Kabinettfoto mit der Aufschrift "Joseph Bigge - Atelier 
für Photographie & Portraitmalerei, Bocholt in Westfalen."


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Ist es vielleicht die Witwe Bigge, die aus dem Fenster des 
Ateliers schaut? (Fotocopyright: Stadtarchiv Bocholt)
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