[WestG] [AKT] Die Wiederauferstehung der Isenburg - Rekonstruktion der Hattinger Festung im LWL-Museum in Herne
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Feb 22 08:26:19 CET 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.02.2010, 12:00
AKTUELL
Strahlend weiß erhob sie sich auf dem Isenberg über dem
Ruhrtal. Die Hattinger Isenburg (Ennepe-Ruhr-Kreis) gehörte zu
den größten Burganlagen des Reiches im frühen 13. Jahrhundert.
Doch nur wenige Jahre nach ihrer Errichtung wurde sie wieder
zerstört. In der neuen Ausstellung "Aufruhr 1225!" zeigt das
LWL-Museum für Archäologie in Herne ab dem 27. Februar eine
realistische Rekonstruktion der Festung, die Arnold von Altena
für sich errichten ließ. Am Freitag (19.2.) traf das Modell im
Maßstab von 1:50 im Museum des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe (LWL) ein.
"Die rekonstruierte Isenburg soll den Besuchern
veranschaulichen, wie eine mittelalterliche Burg aufgebaut war",
sagte Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock. Eine Modellbaufirma
schuf aus Holz und Gips den Nachbau, der sechs Meter lang und
zwei Meter breit ist. Da heute nur noch die Ruine der Isenburg
steht, ist das Modell ein Vorschlag der Forscher. "Wir haben
uns an den Überresten orientiert und schlossen anhand anderer
Bauten aus dieser Zeit auf den Originalzustand", erklärte
Mühlenbrock. Beispielsweise sei der Hauptturm der Anlage
vermutlich 40 bis 50 Meter hoch gewesen. Sein heute noch
nachweisbarer Grundriss sei so breit wie die Türme anderer
Festungen hoch.
Ausdruck enormer Wirtschaftskraft
Etwa 20 Jahre nach Baubeginn müsse die Isenburg um 1216/17
bezugsfähig gewesen sein, schätzt der Experte. Sie war die
Stammburg des Grafen Friedrich von Isenberg, dessen Vater
Arnold (der Auftraggeber des Baus) im Jahr 1209 starb.
"Angesichts ihrer enormen Größe war die benötigte Bauzeit sehr
kurz", so Mühlenbrock. Die riesige Burg sei ein Spiegel des
großen wirtschaftlichen Potenzials ihres Bauherrn gewesen. Beim
Bau wurden überwiegend Materialien aus der direkten Umgebung,
zum Beispiel Ruhrsandstein, verwendet. Zum Teil wurden Steine
aus Lothringen und der Eifel importiert. Während Steinmetze die
komplexen Hochbauarbeiten erledigten, übernahmen unfreie Bauern
Transport- und Erdarbeiten.
Nachdem Friedrich von Isenberg im Jahr 1225 für den Mord am
Kölner Erzbischof beschuldigt wurde, war die Isenburg dem
Untergang geweiht. Der Nachfolger des Bischofs ließ die Burg
belagern und zerstören. Vermutlich wurde sie kampflos
übergeben. Die knappe Lebensdauer der Festung ist für die
Archäologen von Vorteil. "Wegen der kurzen Bestandszeit können
wir die Funde genau datieren", so Mühlenbrock. Wenige
Burganlagen seien heute so gut erforscht wie die Isenburg. Rund
15.000 Fundstücke wurden dort zwischen 1969 und 1989
ausgegraben; viele davon sind in der Mittelalterschau zu sehen.
Burg ist nicht gleich Burg
Anders als die gewaltige Isenburg waren zahlreiche Burgen des
Mittelalters keine großen Steinbauten. Mühlenbrock: "Als Burgen
bezeichnet man alle festen Adelssitze, sahen sie auch nur aus
wie ein Bauernhof oder größere Steinhäuser." Die Burgen des
Mittelalters seien meist hölzerne Türme, sogenannte Motten,
gewesen, die auf einem Erdhügel gebaut wurden. Eine solche
Motte lässt das LWL-Museum in Herne für die neue Ausstellung
nah an historischen Vorbildern errichten. Die Besucher erleben
darin unter anderem, wie beengt es im Leben eines Adeligen
zugehen konnte.
Burgenland Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet ist eine der Regionen mit der höchsten
Burgendichte in Deutschland. Informationen über mehr als 400
Burgen haben Forscher um Stefan Leenen im Vorfeld der Schau
zusammen getragen. Doch nur von höchstens 50 Prozent sind
zumindest Ruinen erhalten. Von anderen zeugen beispielsweise
noch Erdwälle und Mauerreste, sie sind in alten Karten oder auf
Plänen verzeichnet oder auf Abbildungen verewigt.
Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der
mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei
Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie
dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist
Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung,
die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter,
Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November
2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Die Schau ist
Bestandteil des Programms der Kulturhauptstadt Europas
Ruhr.2010.
Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein
Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten
die Ausstellung.
INFO
27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"
LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1
44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 2 und 6 Euro, Familienkarte 12 Euro,
Gruppenrabatte
URL: http://www.aufruhr1225.lwl.org
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte