[WestG] [AKT] Kunstwerk des Monats Februar: Zwei Buchumschlaege werden im LWL-Landesmuseum praesentiert

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Feb 11 10:45:13 CET 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.02.2010, 09:14


AKTUELL

Kunstwerk des Monats
Zwei Buchumschläge werden im LWL-Landesmuseum präsentiert

Als Kunstwerk des Monats Februar präsentiert der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zwei Buchumschläge von 
Georg Salter und Hans Baluschek für den Roman "Der Tunnel" von 
Bernhard Kellermann im LWL-Landesmuseum für Kunst und 
Kulturgeschichte in Münster .

In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des gedruckten 
Buches werden von Buchliebhabern zunehmend die ästhetischen 
Qualitäten traditioneller Buchkunst angeführt. Dabei geraten 
insbesondere die Spitzenleistungen der werbenden, 
plakatähnlichen Buchumschläge aus den ersten Jahrzehnten nach 
1900 in den Blick. So haben für den Zukunftsroman "Der Tunnel" 
Hans Baluschek und fast zwanzig Jahre später Georg Salter 
spektakuläre Bild-Einkleidungen gefunden.

Während der ältere Künstler für die Erstausgabe 1913 noch den 
New Yorker Wolkenkratzer eines transatlantischen 
Tunnelbau-Trusts als Blickfang auswählte, liefert Salters 
jüngere Version aus den Schlussjahren der Weimarer Republik ein 
scheinbar rasant wirkendes Plakatmotiv. "Fast wie in heutigen 
Werbefilmen für den ICE oder den Eurostar-Tunnelexpress rast 
bei Salters Zukunftsvision von 1931 ein Schienenmonster mit 300 
Stundenkilometern unter dem Atlantik von New York nach Europa. 
Blitzschnell hervorbrechend aus der Tunneltiefe des hinteren 
Buchumschlags und über Rücken und Vorderseite näher kommend, 
sollte der Expresszug gleichsam erst in den Händen des 
neugierigen Bücherkäufers sein Ziel erreichen", so Dr. Jürgen 
Krause, der die Publikation zum Kunstwerk des Monats 
geschrieben hat.

Für den Fischer Verlag und seinen Starautor Kellermann machten 
sich beide Umschlag-Visionen enorm bezahlt: In den ersten drei 
Jahrzehnten seit dem Erscheinen 1913 wurden 373.000 Exemplare 
verkauft, von denen bis heute nicht wenige in den 
Verkaufslisten der Antiquare überlebt haben. Nur die 
hochempfindlichen, dünnen Papierumschläge mussten fast alle das 
Schicksal ihrer größeren, an Mauerwänden klebenden 
Plakat-Verwandten teilen. Denn nachdem sie einmal betrachtet 
und den Kaufentschluss des Kunden bestärkt hatten, landeten sie 
eingerissen oder zerknittert fast ausnahmslos im Papierkorb. 
Deshalb gehören heute gut erhaltene, originale Buchumschläge 
aus dem frühen 20. Jahrhundert - ebenso wie die Plakate - zu 
den rar gewordenen Zeitzeugen für die Sehnsüchte ihrer Epoche.

Die Publikation zum Kunstwerk des Monats kann an der 
Museumskasse erworben werden.


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