[WestG] [AKT] Suedelefanten und Flusspferde waren in Westfalen zuhause: Neue Funde in Muenster vorgestellt

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Feb 10 09:28:44 CET 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.02.2010, 09:01


AKTUELL

Südelefanten und Flusspferde waren in Westfalen zuhause
Neue Funde in Münster vorgestellt

In einem Steinbruch im Bereich des Haarstrangs (Kreis Soest) 
entdeckten Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe 
(LWL) im Sommer 2006 fossile Knochen, darunter über 200 
Elefantenbackenzähne, 15 Eck- und Backenzähne von Flusspferden, 
fünf Backenzähne von Rindern und vier Zähne eines Nashorns 
sowie ein Zahn eines großen Hirsches. Es ist der bisher größte 
Fund dieser Art in NRW. Ein Teil der 1,8 bis 2,2 Millionen 
Jahre alten Fossilien ist jetzt im LWL-Museum für Naturkunde in 
Münster zu sehen.

Am Haarstrang, dem 75 Kilometer langen Höhenzug, hatte sich an 
der Oberfläche einer 20 Meter hohen Wand eine mit tonigen 
Sanden verfüllte Rinne eingegraben. Hier lagen an der 
Oberfläche die Knochenfragmente und Zahnbruchstücke von 
Südelefanten (benannt nach ihren ersten Fundorten in Südeuropa) 
und Flusspferden.

Ein Team des LWL entdeckte im Sommer 2007 bei Grabungen weitere 
Fossilien. Knochen und Zähne, überwiegend von Elefanten, waren 
ungewöhnlich dicht zusammen gelagert. Dr. Klaus Peter Lanser, 
Paläontologe im LWL-Museum für Naturkunde erklärt die 
Anhäufung: "Offensichtlich ist hier eine Herde von Elefanten 
und auch einige Flusspferde bei einer plötzlichen Überflutung 
in einem Bachlauf umgekommen. Die Tierkörper wurden durch das 
reißende Wasser an einer verengten Stelle angetrieben. Bei 
fortschreitender Verwesung werden sich die nachsackenden 
Kadaver ineinander verschoben haben, bis der Bach im Laufe der 
Zeit das Ganze mit seinen Sanden überdeckte."

"Wir haben fast ausschließlich Reste von erwachsenen Elefanten 
gefunden. Vermutlich wurden die jüngeren Elefanten und die 
meisten übrigen Tiere durch das strömende Wasser an anderer 
Stelle abgelagert", so Lanser.

Die Knochen und Stoßzähne sind in einem schlechten Zustand. Sie 
sind durchsetzt von zahlreichen Rissen und im frischen Zustand 
von fast cremiger Konsistenz. Dagegen sind die Backenzähne, 
insbesondere die Kronen der Elefantenzähne, erstaunlich gut 
erhalten.

Die Auswertung des Paläontologen ergab, dass es sich bei den 
Elefantenzähnen um Reste von Tieren handelt, die am Anfang der 
Entwicklung dieser Tiergruppe in Europa gestanden haben. 
Deutlich wird dies an verschiedenen Merkmalen, wie der geringen 
Anzahl der Lamellen, aus denen der Elefantenzahn aufgebaut ist, 
dem großen Abstand dieser Lamellen, den hohen Werten der 
Schmelzstärken und Kronenbreiten.

Nach den wissenschaftlichen Ergebnissen wurde eine 
Rekonstruktion des Lebensbildes von Janine Bertet 
(Fachhochschule Münster, Fachbereich Design, unter Leitung von 
Frau Prof. Cordula Hesselbarth) erstellt. Das Bild ist im 
Hintergrund der Objekte zu sehen.


INFO

Die Südelefantenfunde sind dienstags bis sonntags von 9 bis 18 
Uhr im LWL-Museum für Naturkunde an der Sentruper Straße 285 zu 
besichtigen. Eintritt: Erwachsene 3,50 €, Kinder 2,00 €, 
Familien 8,00 €.


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