[WestG] [AKT] Spaetgotischer Wandkamin wiederentdeckt: LWL zeichnet Hewenshof als Denkmal des Monats aus

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Dez 21 11:38:51 CET 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 17.12.2010, 11:45


AKTUELL

Spätgotischer Wandkamin wiederentdeckt
LWL zeichnet Hewenshof als Denkmal des Monats aus

Bei der zur Zeit laufenden Sanierung und Erweiterung des 
Hewenshofes zum Gemeindezentrum der evangelischen 
Kirchengemeinde in Burgsteinfurt ein spätgotischer Wandkamin 
aus der Bauzeit des Hauses gefunden, der bisher von einer Wand 
verdeckt war. Damit dieser Wandkamin erhalten bleibt, verlegt 
die Kirchengemeinde eine ursprünglich an dieser Stelle 
vorgesehene Tür. Die Sandsteinkonsolen des Wandkamins werden 
restauratorisch aufgearbeitet und bleiben offen sichtbar. Der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Hewenshof an 
der Kirchstraße jetzt als Denkmal des Monats Dezember 
ausgezeichnet.

"Der insgesamt dreizügige Kaminblock ist 1520 mit dem 
Steingebäude des Hewenshofes entstanden. Es ist schon etwas 
Besonders, wenn man nach so langer Zeit noch wesentliche Teile 
wie die seitliche Werksteinrahmung aus Sandstein, eine 
seitliche Wandnische und die rußgeschwärzte Rückwand des 
Rauchfanges von einem Wandkamin entdeckt. Ein zweiter Wandkamin 
befand sich im Obergeschoss, die dritte Feuerstelle war 
vermutlich ein Küchenkamin im Vorderhaus, das allerdings schon 
1780 einem Neubau weichen musste", erklärt LWL-Denkmalpflegerin 
Dr. Barbara Seifen.

Der Raum, in dem der spätgotische Wandkamin entdeckt wurde, 
soll künftig als Meditations- und Gruppenraum dienen. "Die 
Bauspur des Wandkamins wird hier sicherlich viel Anregung geben,
 über die Wandlungen im Laufe der Zeit und des Lebens von 
Häusern und Menschen nachzudenken. Er macht auf jeden Fall die 
Geschichte des Hauses besser begreifbar", so Seifen.

Hintergrund:
Schon vor den Untersuchungen war bekannt, dass sich an der 
östlichen Wand zum Vorder-haus ein Kaminblock befindet. Denn im 
Kellergeschoss ist der vier Meter breite Sockel des Kaminblocks 
sichtbar. Auch in den Geschossen darüber zeichnet er sich ab. 
Dass sich je-doch noch wesentliche Teile von diesem 
werksteingerahmten Wandkamin hinter einer jüngeren Abmauerung 
erhalten haben, war nicht bekannt.

Vor Beginn der Sanierungsarbeiten untersuchten Bauhistoriker 
und Restauratoren die Fassaden und die Innenräume des 
Hewenshofes, um detaillierte Kenntnisse über das Ge-bäude zu 
erhalten. Dabei haben sie auch festgestellt, dass im Dachstuhl 
des 1780 errichteten Neubaus Hölzer eines älteren Vorderhauses 
aus dem 15. Jahrhundert wiederverwendet wurden. Diese 
Untersuchungen haben die LWL-Denkmalpfleger begleitet, die 
Kosten der restauratorischen Arbeiten hat der LWL zu einem 
Drittel übernommen (1.700 Euro).

Der Hewenshof in Burgsteinfurt an der Kirchstraße gehört zu 
mehreren Burgmannshöfen, die im 13./14. Jahrhundert angelegt 
wurden, um die Herrschaft der sogenannten Edlen von Stein-furt 
zu sichern. Benannt ist das Haus nach der Besitzerfamilie von 
Hewen, die diesen Burgmannshof im Jahr 1522 gegen ihren 
bisherigen Hof auf der Vorburg der Burg Steinfurt eintauschte. 
Zuvor hatte der Hof einige Jahre dem Grafen von Steinfurt 
selbst gehört. Er ließ um 1519/1520 ein neues mehrgeschossiges 
hohes Bruchsteingebäude, auch Steinwerk genannt, an ein 
niedrigeres und schon bestehendes Fachwerkhaus bauen. 1780 
wurde dieses Vorderhaus durch einen massiven, zweigeschossigen 
Neubau ersetzt. Zum Vorplatz an der Kirchstraße erhielt der Hof 
eine Toranlage mit zwei Sandsteinpfeilern.

1983 kaufte die evangelische Kirchengemeinde Steinfurt den 
Hewenshof und richtete dort das Pfarrhaus und Räume der 
Familienbildungsstätte ein. Seit 1985 sind das Steingebäude aus 
dem 16. Jahrhundert, der Neubau von 1780, die Gartenfläche mit 
ihrer Mauer und die Toranlage zur Kirchstraße als Denkmal 
eingetragen. Im Jahr 2006 entschied die Kirchengemeinde, den 
Hewenshof zum Gemeindezentrum auszubauen. Dazu werden die Räume 
saniert und zum Teil umgebaut. Außerdem entsteht auf dem 
Gelände zur Flintenstraße ein ergänzender Neubau, in dem der 
Gemeindesaal, technische Räume, ein Treppenhaus mit Aufzug und 
Lagerräume untergebracht werden.


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