[WestG] [LIT] Neue Publikationsreihe "Archaeologie in Westfalen-Lippe" geht an den Start

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Dez 14 11:12:13 CET 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 14.12.2010, 10:04


LITERATUR

Neue Publikationsreihe "Archäologie in Westfalen-Lippe" geht an 
den Start

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den ersten 
Band seiner neuen Reihe "Archäologie in Westfalen-Lippe" 
vorgelegt. Zukünftig werden die LWL-Archäologie für Westfalen 
und die Altertumskommission für Westfalen mit der Publikation 
einmal im Jahr über aktuelle Forschungsergebnisse informieren. 
Im Mittelpunkt stehen die interessantesten Grabungen, die 
wichtigsten Erkenntnisse aus der Forschungs- und Projektarbeit 
und die größten Ausstellungen des vergangenen Jahres. Der erste 
292-seitige Band "Archäologie in Westfalen-Lippe 2009" umfasst 
77 Beiträge von 81 Autoren.

"Diese ansprechend gestaltete und reich illustrierte Reihe soll 
die interessanten Ergebnisse archäologischer und 
paläontologischer Forschung zeitgemäß und zeitnah präsentieren",
 erläutert LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch die Bedeutung der 
neuen Publikationsreihe. Die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara 
Rüschoff-Thale ergänzt: "Die wichtigen Aufgabenfelder und die 
vielen sehenswerten Funde der Archäologie in Westfalen sollen 
hier vor allem auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich 
gemacht werden."

Allgemein verständlich, aber auch fachlich fundiert wird in den 
drei Rubriken "Ausgrabungen", "Forschungen und Projekte" und 
"Ausstellungen" von den archäologischen und paläontologischen 
Tätigkeiten des vergangenen Jahres berichtet. Autoren sind die 
Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 
sowie verschiedene Mitarbeiterinnen der westfälischen 
Stadtarchäologien und Universitäten.

"Die neue Reihe tritt damit die Nachfolge des 'Neujahrsgrußes', 
des bisherigen Jahresberichtes der LWL-Archäologie für 
Westfalen und der Altertumskommission für Westfalen, an. Mit 
ihrem modernen Layout reiht sie sich in die zeitgemäßen 
Publikationsstandards anderer Landesarchäologien ein und 
schafft so eine bundesweite Kommunikationsebene für die 
Forschungsergebnisse der westfälischen Archäologie", meint 
Prof. Dr. Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für 
Westfalen.

In der neuen Reihe äußern sich nicht nur Archäologen und 
Paläontologen, sondern auch Archäobotaniker, Archäozoologen, 
Historiker und Restauratoren. Deren Forschungen werden zudem 
durch Materialanalysen und CT-Scans bereichert. 
"Interdisziplinäre Zusammenarbeit und institutionelle 
Vernetzung werden in der gegenwärtigen Wissenschaft und 
Forschung immer wichtiger. Ich freue mich sehr, dass die neue 
Reihe diesem Bestreben in so beeindruckender Weise nachkommt", 
bilanziert Prof. Dr. Torsten Capelle, Vorsitzender der 
Altertumskommission für Westfalen.

Hintergrund
Im ersten, jetzt vorliegenden Band decken die Artikel den 
großen Zeitraum von der frühen Erdgeschichte bis zur Neuzeit 
ab. Das Fundspektrum reicht von Fossilien aus der Zeit vor 296 
bis 251 Millionen Jahren bis zu dem bisher ältesten erhaltenen 
Reisigbesen Westfalens aus dem 17. Jahrhundert.

Nieheim: Schwimmsaurier in einer Ziegelei-Tongrube entdeckt

Im Osten Westfalens wurde im Juni 2007 in einer 
Ziegelei-Tongrube bei Nieheim (Kreis Höxter) das etwa vier 
Meter lange Skelett eines Schwimmsauriers entdeckt, durch 
Mitarbeiter des LWL-Museums für Naturkunde geborgen und 
anschließend präpariert.

Im September 2009 begann an der Universität Bonn die 
wissenschaftliche Bearbeitung. Aufgrund der 76 relativ gut 
erhaltenen Wirbel konnte eine Rekonstruktion des gesamten 
Skeletts vorgenommen werden. Der Saurier gehörte zur Gruppe der 
langhalsigen Plesiosauroidea aus dem mittleren Abschnitt des 
Unterjuras (vor circa 188 Millionen Jahren).


Olfen-Kökelsum: Das größte Haus Westfalens aus der Bronzezeit

Auf dem Areal eines geplanten Freizeitbades in Olfen-Kökelsum 
(Kreis Coesfeld) entdeckten LWL-Archäologen einen Siedlungs- 
und Bestattungsplatz. Die teilweise außergewöhnlichen Funde 
(schlüssellochförmige Grabanlagen, Glas, Fibeln) sprechen dafür,
 dass der Ort auffallend lange von der mittleren Bronzezeit 
(1600 bis 1200 v. Chr.) bis in die späte vorrömische Eisenzeit 
(450 v. Chr. bis Christi Geburt) besiedelt war.

Besonders bemerkenswert sind die drei dort entdeckten 
bronzezeitlichen Gebäudebefunde, die in Westfalen ausgesprochen 
selten sind und mithilfe entsprechenden Funden in den 
Niederlanden rekonstruiert wurden. Das Langhaus ist knapp sechs 
Meter breit sowie 32,5 Meter lang und stellt somit das größte 
bronzezeitliche Gebäude dar, das bislang in Westfalen bekannt 
ist.


Halver: Schatzfund aus 236 silbernen Pfennigen geborgen

Im Sommer 2009 fanden LWL-Archäologen der Außenstelle Olpe in 
Halver (Märkischer Kreis) einen sogenannten Kugeltopf mit 236 
Silbermünzen. Die für das hohe Mittelalter charakteristische 
Gefäßform datiert in das späte 11. Jahrhundert.

Auch die Zusammensetzung des Schatzfundes - der Großteil der 
Münzen zeigt den Kölner Erzbischof Hermann III., Kaiser 
Heinrich IV. und die Werler Grafen Konrad II. und Friedrich I. 
- weist auf das Ende des 11. Jahrhunderts hin, das heißt in 
salische Zeit. Dieser so genannte Hortfund - der Besitzer 
wollte die Münzen horten und verstecken - besaß immerhin einen 
Wert von etwa 14 Schweinen.


Detmold-Berlebeck, Falkenburg: Raqqa Ware und Wolfsangeln

Auf der Falkenburg (Kreis Lippe) sind im Jahr 2009 im Zuge der 
Sanierung der Ringmauer gleich zwei außergewöhnliche Funde in 
einem Keller aus dem 13. Jahrhundert geborgen worden. Eine 
kleine Scherbe der so genannten Raqqa-Ware kam zum Vorschein. 
Das ist ein bisher in Westfalen einmaliger und auch in Nord- 
und Westeuropa äußerst seltener Fund der Luxuskeramik aus dem 
Nahen Osten. Vermutlich gelangte ein solches Gefäß im Gepäck 
eines Kreuzzugteilnehmers nach Westfalen.

Außerdem fanden die LWL-Archäologen 24 Wolfsangeln in der Form 
eines doppelten Angelhakens. Sie gehörten zu den Jagdfallen auf 
den beliebten und auch für die Falkenburg belegten Treibjagden 
auf Wölfe.


Von Höxter nach Dortmund: der mittelalterliche Hellweg als 
moderner Pilgerweg

2008 und 2009 erforschte die Altertumskommission für Westfalen 
im Zuge des Projektes "Wege der Jakobspilger in Westfalen" eine 
wichtige Fernhandelsstraße: Den mittelalterlichen Hellweg 
zwischen Bochum und Höxter nutzten die Pilger besonders des 12. 
bis 16. Jahrhunderts auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela.

Bei der Rekonstruktion des alten Hellwegs halfen zum einen 
archäologische, historische, namenkundliche und geografische 
Quellen, zum anderen direkte, noch sichtbare Belege wie zum 
Beispiel Hohlwege. Auf diese Weise wurde ein Pilger-, Kultur- 
und Wanderweg ausgearbeitet, der Forschung buchstäblich 
begehbar macht.


Selm-Cappenberg: Großabformung einer Grabplatte

Für die erfolgreiche Mittelalter-Ausstellung "Aufruhr 1225" im 
LWL-Museum für Archäologie in Herne fertigten Restauratoren des 
LWL in einem aufwendigen Verfahren eine Kopie der Grabplatte 
des Klostergründers Gottfried von Cappenberg an. Das Original 
aus dem 13. Jahrhundert besteht aus Sandstein, wiegt circa 1,2 
Tonnen und ist fest in die Klosterkirche in Selm-Cappenberg 
(Kreis Unna) eingebaut. Deshalb musste zuerst vor Ort eine 
Silikonform von dem Original abgenommen werden, um dann eine 
Kopie aus Epoxidharz herzustellen. Der Aufwand belief sich auf 
etwa 400 Arbeitsstunden, 60 Kilogramm Silikon und 150 Kilogramm 
Gips.


Museen

An dem großen Ausstellungs- und Kooperationsprojekt "Imperium 
Konflikt Mythos" über 2000 Jahre Varusschlacht im Jahr 2009 
hatten das LWL-Römermuseum in Haltern am See (Kreis 
Recklinhausen) und das Lippische Landesmuseum in Detmold (Kreis 
Lippe) mit den äußerst efolgreichen Sonderausstellungen 
"Imperium" und "Mythos" ganz wesentlichen Anteil. Das 
LWL-Römermuseum mit über 165.000 Besuchern im vergangenen Jahr 
hat sich hierbei durch ein aßergewöhnliches Marketing 
(Römerschiff "Victoria") und besonderes museumspädagogisches 
Konzept ("gerappte" Audioguides, Medienstationen, animierter 
Tonfilm) hervorgetan.

2009 endeten im LWL-Museum für Archäologie in Herne die 
Wanderausstellung "Schuhtick. Von kalten Füßen und heißen 
Sohlen" mit über 40.000 Besucher und im Museum in der 
Kaiserpfalz in Paderborn die Sonderausstellung "Für Königtum 
und Himmelreich. 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn".

Interessierte können die Publikation "Archäologie in 
Westfalen-Lippe 2009" über jede Buchhanlung und im Internet 
unter http://www.archaeologie-und-buecher.de erwerben.

Archäologie in Westfalen-Lippe 2009
Herausgegeben von der LWL-Archäologie für Westfalen und 
der Altertumskommission für Westfalen
292 Seiten, durchgehend farbig bebildert, 1 Beilage
Langenweißbach 2010
ISSN 2191-1207
ISBN 978-3-941171-42-8
19,50 Euro

Register der erwähnten Fundorte:

Altenbeken-Buke/Füllenberg (Kreis Paderborn)
Bad Wünnenberg-Fürstenberg (Kreis Paderborn)
Bad Wünnenberg-Leiberg (Kreis Paderborn)
Beckum (Kreis Warendorf)
Bielefeld 
Bochum 
Borchen-Etteln (Kreis Paderborn)
Borken-Südwest (Kreis Borken)
Castrop-Rauxel-Ickern (Kreis Recklinghausen)
Detmold (Kreis Lippe)
Detmold-Berlebeck/Falkenburg (Kreis Lippe)
Dorsten/Marler Heide (Kreis Recklinghausen)
Dortmund 
Erwitte-Stirpe (Kreis Soest)
Haarstrang (Kreis Soest)
Haltern am See (Kreis Recklinghausen)
Halver (Märkischer Kreis)
Hamm 
Hamm-Herringen (Kreisfreie Stadt Hamm)
Havixbrock (Kreis Soest)
Hemer (Märkischer Kreis)
Herne 
Herten/Im Emscherbruch (Kreis Recklinghausen)
Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh)
Hiddenhausen (Kreis Herford)
Hille-Unterlübbe (Kreis Minden-Lübbecke)
Hochsauerland/Schmalenberg (Hochsauerlandkreis)
Hörstel-Bevergern (Kreis Steinfurt)
Höxter (Kreis Höxter)
Ibbenbüren-Uffeln (Kreis Steinfurt)
Kalletal-Bentorf (Kreis Lippe)
Kamen (Kreis Unna)
Ladbergen (Kreis Steinfurt)
Lemgo (Kreis Lippe)
Lennestadt-Oedingen (Kreis Olpe)
Lichtenau-Dalheim (Kreis Paderborn)
Lippstadt (Kreis Soest)
Lüdinghausen (Kreis Coesfeld)
Lüdinghausen-Tetekum (Kreis Coesfeld)
Münster (Kreisfreie Stadt Münster)
Netphen-Dreis-Tiefenbach (Kreis Siegen-Wittgenstein)
Nieheim (Kreis Höxter)
Nottuln-Uphoven (Kreis Coesfeld)
Olfen-Kökelsum (Kreis Coesfeld)
Paderborn (Kreis Paderborn)
Porta Westfalica-Barkhausen (Kreis Minden-Lübbecke)
Recklinghausen (Kreis Recklinghausen)
Schlangen-Oesterholz-Haustenbeck (Kreis Lippe)
Selm-Cappenberg (Kreis Unna)
Soest (Kreis Soest)
Spenge (Kreis Herford)
Steinfurt-Burgsteinfurt (Kreis Steinfurt)
Unna (Kreis Unna)
Vreden (Kreis Borken)
Warendorf (Kreis Warendorf)
Westerkappeln (Kreis Steinfurt)


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