[WestG] [AKT] Stiftung soll Geburtshaus der Dichterin Droste-Huelshoff sichern

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Aug 9 11:16:20 CEST 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 05.08.2010, 12:12


AKTUELL

Stiftung soll Geburtshaus der Dichterin Droste-Hülshoff sichern

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) will gemeinsam mit 
weiteren Partnern die Burg Hülshoff bei Münster, das 
Geburtshaus einer der wichtigsten deutschen Dichterinnen, 
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848), erhalten. Das Land NRW 
hatte bereits im Mai signalisiert, dass man sich ein 
Literaturzentrum NRW auf Burg Hülshoff vorstellen könne.

Für Ende des Jahres sei die Gründung einer Stiftung geplant, an 
der sich neben dem Land NRW und dem LWL weitere Partner 
beteiligen wollen, kündigte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara 
Rüschoff-Thale am Donnerstag (5.8.) in Havixbeck (Kreis 
Coesfeld) an. Die gesamte Burganlage, die Ländereien sowie 
zahlreiche Exponate bildender und literarischer Kunst aus 
Familienbesitz würden in die Stiftung eingebracht. Ohne die 
Übernahme durch eine Stiftung drohe, "ein bedeutendes Stück 
westfälischer Kultur verloren zu gehen".

Stiftung bis zum Jahresende
"Bereits im Herbst werden wir zu einer Droste zu 
Hülshoff-Stiftung beim LWL einen Grundsatzbeschluss beraten", 
so der Vorsitzende des LWL-Kulturausschusses und 
Kuratoriumsvorsitzende der LWL-Kulturstiftung, Dieter Gebhard. 
Das Stiftungskapital solle mindestens zwölf Millionen Euro 
betragen. Das Land hatte eine Zusage für vier Millionen Euro in 
Aussicht gestellt, beim LWL erwartet Gebhard einen Beitrag in 
derselben Höhe. Dazu kämen die Erträge aus dem 
Wirtschaftsbetrieb Burg Hülshoff, um Unterhalt und Betrieb zu 
sichern. Weitere mögliche Partner für die Stiftung seien der 
Kreis Coesfeld, die Gemeinde Havixbeck, die Stadt Münster und 
private Geldgeber. Gebhard: "Die bisher geführten Gespräche 
verlaufen vielversprechend."

"Einzigartiger Erinnerungsort"
Gebhard und Rüschoff-Thale unterstrichen die Bedeutung des 
Baudenkmals für die Kulturlandschaft Westfalens, Prof Dr. Klaus 
Anderbrügge von der Westfalen-Initiative erkennt in dem 
Literaturprojekt Potenzial für "ein zweites Weimar". Allerdings 
habe man bisher die touristischen Chancen des Geburtshauses der 
weltberühmten Dichterin noch zu wenig genutzt, sagte die 
LWL-Kulturdezernentin. Nur in fünf Kilometer Entfernung zum 
Geburtshaus von Droste-Hülshoff läge außerdem mit dem Haus 
Rüschhaus am Rande Münsters der langjährige Wohnort der 
Schriftstellerin: "Zusammen mit der Burg Hülshoff ist das ein 
einzigartiger authentischer Erinnerungsort."

Studie: Droste-Literaturzentrum möglich
In einem zweiten Schritt ist nach Angaben von Gebhard und 
Rüschoff-Thale der Ausbau der Burg zu einem 
Droste-Literaturzentrum denkbar. Das international renommierte 
Atelier Brückner (Stuttgart) habe in einer Machbarkeitsstudie 
herausgearbeitet, dass die Dichterin zwar aufs engste mit 
Münster und Westfalen verbunden, allerdings im öffentlichen 
Raum kaum vertreten sei.

Geschäftsführerin Shirin Frangoul-Brückner: "Zwar sind zwei 
einmalige historische Wohnhäuser erhalten, aber bislang fehlt 
eine substanzielle Präsentation zum Leben und Werk der Annette 
von Droste-Hülshoff. Deshalb ist die Errichtung einer neuen 
musealen Präsentation in besonderer Weise sinnvoll und 
wünschenswert." Eine innovative Ausstellung zum Beispiel solle 
insbesondere Tagestouristen anziehen. Vorgesehen sei ein 
"Lyrikwanderweg", der die Burg mit Haus Rüschhaus verbinde.

Kurzfristig könne man sich nach Auskunft von Frangoul-Brückner 
auch den Sitz der Droste-Forschungsstelle (bisher Münster) an 
historischem Ort vorstellen. Langfristig eigneten sich Burg 
Hülshoff und Haus Rüschhaus aber auch als "Standort eines neuen 
Literaturzentrums mit Museum, Veranstaltungen, als Lern-, 
Arbeits- und Gesprächsstätte mit nationaler Ausstrahlung". Alle 
gewünschten Funktionen eines "Literarischen Zentrums NRW" 
könnten zunächst ohne Neubauten umgesetzt werden, es seien aber 
später Ausstellungspavillons im Park, weitere 
Veranstaltungsräume und Stipendiatenhäuser möglich.

Hintergrund
Die Wasserburg Hülshoff in der Gemeinde Havixbeck (Kreis 
Coesfeld) ist sowohl aus baudenkmalpflegerischer Sicht als auch 
als Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff von 
hohem Interesse. Bei der Burg Hülshoff handelt es sich um eine 
typische westfälische Wasserburg mit einer über 500jährigen 
Familientradition.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg bereits im 11. 
Jahrhundert. 1417 kam sie in den Besitz der Herren von 
Deckenbrock, die sich später "von Droste" nannten. Das 
Herrenhaus ließ Heinrich I. von Droste Hülshoff um 1540/1545 
erbauen. Das in Form einer geschlossenen Renaissanceanlage 
gebaute Haus ist bis heute erhalten. Angeschlossen an die Burg 
ist eine im späten 19. Jahrhundert im neugotischen Stil erbaute 
Kapelle. Die Anlage mit dem öffentlich zugänglichen Park, der 
Burg sowie einem Drostemuseum ist in Familienbesitz.

Burg Hülshoff ist der Geburtsort der Dichterin Annette von 
Droste-Hülshoff. Im Januar 1797 wurde die Dichterin auf der 
Wasserburg geboren und verbrachte dort sowie in dem unweit 
gelegenen Haus Rüschhaus Großteile ihres Lebens. Zu Lebzeiten 
weitgehend unbekannt, zählt Annette von Droste-Hülshoff längst 
zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Literatur 
und ist unbestritten die wichtigste Dichterin Westfalens. Ihr 
Werk hat einen anerkannt hohen Stellenwert in der deutschen 
Literatur, Teile daraus wie die Erzählung "Die Judenbuche" 
gehören zur Weltliteratur.


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