[WestG] [AKT] Roemische Goldmuenzen in Hiddenhausen gefunden

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 27 10:56:38 CET 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.10.2009, 10:20


AKTUELL

Römische Goldmünzen in Hiddenhausen gefunden

In Hiddenhausen (Kreis Herford) haben Archäologen des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und ein Sammler aus 
dem Rheinland neun römische Goldmünzen aus der 1. Hälfte des 4. 
Jahrhunderts gefunden.

Die neun Münzen bestehen aus reinem Gold; jede wiegt etwas über 
eineinhalb Gramm und hat einen Durchmesser von rund zwei 
Zentimetern. Geprägt wurden die Münzen unter den römischen 
Kaisern Constantinus I. (Konstantin der Große, 306 bis 337 n. 
Chr.) sowie seinen Nachfolgern Constantinus II. (317 bis 340 n. 
Chr.) und Constantius II. (317 bis 361 n. Chr.) in der ersten 
Hälfte des 4. Jahrhunderts. Acht der Münzen sind in Trier, eine 
in Konstantinopel hergestellt worden. Beide Städte waren zu 
dieser Zeit Regierungssitze des Römischen Reiches.

Auf der Vorderseite jeder Münze ist das Porträt des jeweiligen 
römischen Herrschers abgebildet und benannt, unter dem sie 
geprägt wurde. Die Rückseiten zeigen die römische Siegesgöttin 
Victoria beziehungsweise Personifkationen römischer 
Wertbegriffe.

Die ersten beiden Münzen hatte ein Geophysiker mit Hilfe eines 
Metalldetektors gefunden. Er untersuchte mit Erlaubnis der 
Oberen Denkmalbehörde eine Ackerfläche in der Nähe von 
Hiddenhausen, weil er dort ein Römerlager aus dem 1. 
Jahrhundert vermutete. Stattdessen fand er die Goldmünzen und 
meldete dies umgehend der LWL-Archäologie für Westfalen als 
zuständigem Fachamt.

Bei der Nachuntersuchung der 450 Quadratmeter großen Fläche 
entdeckten die LWL-Archäologen sieben weitere Goldmünzen aus 
der selben Zeit. Sie lagen wie die ersten Münzen alle im 
Pflughorizont, also in der vom Pflügen stark zerwühlten 
obersten Bodenschicht.

"Der ursprüngliche Zusammenhang der Münzen ist deshalb verloren 
und nicht mehr zu ermitteln. Wahrscheinlich sind sie aber mit 
einer Siedlung in Verbindung zu bringen, die in der Nähe lag 
und in der vom 2. bis 6. Jahrhundert Menschen gelebt haben", 
interpretiert der LWL-Chefarchäologe, Prof. Dr. Michael M. Rind,
den Fund vorläufig.

Hintergrund
Die Siedlung hatten die LWL-Archäologen 1990 ausgegraben. Neben 
Hausgrundrissen, Speicher, Gruben und einem von einem Graben 
umwehrten Gehöft untersuchten sie auch ein Dutzend Gräber eines 
dazugehörigen Gräberfeldes aus dem 4. Jahrhundert.

"Der Fund ist kulturhistorisch sehr bedeutsam, nicht nur weil 
die Münzen sehr gut erhalten, ja prägefrisch sind, sondern auch 
weil sich daraus vielleicht neue Blickwinkel auf das Verhältnis 
zwischen Römern und Germanen in Westfalen in der Spätantike 
ergeben", erläutert Münzexperte Dr. Peter Ilisch vom 
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

"Nun ist die genaue Expertise der Münzen abzuwarten, die auch 
den materiellen Wert der Geldstücke enthält", so Rind. Erst 
danach könne seine Bedeutung genauer untersucht werden und auch 
geklärt werden, was mit den Münzen weiter geschehe. Rind: 
"Natürlich würden wir diesen für Westfalen einmaligen Fund 
gerne in unserem LWL-Landesmuseum in Herne allen Menschen 
präsentieren", so Rind. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind 
Finder und Grundstückseigentümer je zur Hälfte Eigentümer der 
Münzen.


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