[WestG] [AKT] Festakt "500 Jahre Cappenberger Chorgestuehl", Cappenberg, 24.10.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Okt 21 09:34:16 CEST 2009
Von: "Gerd Dethlefs" <gerd-dethlefs at versanet.de>
Datum: 21.10.2009, 00:28
AKTUELL
Festakt "500 Jahre Cappenberger Chorgestühl" am 24.10.2009 um
15.30 Uhr in Cappenberg
Die Prämonstratenserstiftskirche Cappenberg in Selm enthält das
schönste und besterhaltene Chorgestühl Westfalens, begonnen von
einem Schreiner "Meister Gerlach" 1509, vollendet 1520. Ein
Festakt in der Stiftskirche Cappenberg wird am kommenden
Samstag, 24.Oktober ab 15.30 Uhr an die Entstehung des Möbels
erinnern; zugleich wird ein neu erscheinendes Buch vorgestellt,
das neue Forschungen dokumentiert:
Wolfgang Bockhorst (LWL-Archivamt für Westfalen) zeichnet die
Geschichte des adeligen Prämonstratenserstiftes im 16.
Jahrhundert als eine Epoche drohender geistlicher Erschlaffung.
Der Neubau des Chorgestühls lässt sich als Versuch verstehen,
dem entgegenzuwirken: in einer Krisenzeit von Mord und
Totschlag vor Sittenlosigkeit zu warnen. Vor allem die
figürlichen Schnitzereien unter den Klappsitzen, neu gedeutet
von Wingolf Lehnemann, sind so zu verstehen. Die 68 Wappen von
Adelsfamilien zwischen Waldeck und Gelderland - Ausdruck der
Exklusivität des "Adeligen Gotteshauses" - werden von Gerd
Dethlefs aufgeschlüsselt und auf der älteren Nordseite von 1509
als 4- und 2-Ahnenproben der Stiftsherren, auf der Südseite als
Abbild des 1520 bestehenden etwa 25köpfigen Konventes gedeutet.
Die Bildvorlagen und verwandten Gestühle, vor allem in Dortmund
und Marienheide, bespricht P. Philipp Reichling OPraem, während
Peter Barthold und David Gropp (LWL-Amt für Denkmalpflege) das
Gestühl als Möbel untersuchen: Die südliche Rückwand mit
rätselhaften Geheimfächern datiert schon von etwa 1290 - es ist
das älteste Möbel Westfalens. Bei einem Vergleich mit
westfälischen Gestühlen weist David Gropp die Sonderstellung
nach; lediglich Dortmunder Gestühle sind vergleichbar. Und
nicht in Wesel oder am Niederrhein, wie man bisher oft meinte,
lagen die Werkstätten der Schreiner und Bildschnitzer, sondern
in der Region - so Barbara Rommé: dieselbe Werkstatt schuf es
in zwei Perioden.
Reinhard Karrenbrock schließlich kann der
Bildschnitzerwerkstatt zahlreiche Werke im märkischen und
kölnischen Sauerland zuweisen, u.a. in dem mit Cappenberg
verbundenen Kloster Oelinghausen und im Stift Scheda. Seine
Versuch, die Werkstatt nach Unna zu verorten, ermöglicht es
schließlich, den Namen der dortigen Familie Brabender mit der
Werkstatt zu verbinden - die schon 1462 das Dortmunder
Reinoldigestühl lieferte, welches als Vorgängerwerk zu
betrachten ist.
Der Blick auf von Cappenberg aus betreute und mit Kunstwerken
ausgestatteten Kirchen zeigt, dass das Stift doch eine
erhebliche geistliche Ausstrahlung besaß, die etwa in Lünen,
Werne, Ahlen, Oelinghausen und weiteren Orten fassbar ist.
Vor und nach dem Festakt ist das Buch zum Einführungspreis von
24 Euro erhältlich:
INFO
Gerd Dethlefs (Hg.), Das Cappenberger Chorgestühl 1509 - 1520.
Meister Gerlachus und die Bildschnitzerwerkstatt der Brabender
in Unna. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte, 2009 (=
Dortmunder Mittelalter-Forschungen 13). 392 S. 500 Abb. ISBN
978-3-89534-873-0. Euro 29,--
Das Erscheinen des Buches ermöglichte vor allem die Stiftung
für Kulturpflege der Sparkasse Lünen und der Rotary Club Lünen.
Die musikalische Gestaltung des Festaktes erfolgt durch das
Ensemble Cantilena der Westfälischen Schule für Musik, Münster,
unter Leitung von Rita Stork-Herbst.
Am Sonntag, 25.10., wird um 15.30 eine Kirchenführung
stattfinden (p.P. 5 Euro), um 17 Uhr wird eine Choralschola
gregorianische Musik aufführen. An den drei folgenden Sonntagen,
1. 8. und 15. November, ist jeweils um 17 Uhr eine
Kirchenführung mit Akzent auf dem Chorgestühl angebotenm (p.P.
5 Euro). Dr. Gerd Dethlefs wird Vorträge zum Chorgestühl am
5.11.2009 um 19.00 Uhr im Haus der Stadtgeschichte inKamen und
am 12.11.2009 um 19.00 Uhr im Hellweg-Museum Unna halten.
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