[WestG] [AUS] Frisch erforscht!: Neues im LWL-Museum fuer Archaeologie in Herne

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 6 11:32:22 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 01.10.2009, 11:41


AUSSTELLUNG

Frisch erforscht!
Neues im LWL-Museum für Archäologie in Herne

Das LWL-Museum für Archäologie in Herne ist um einen 
Ausstellungsbereich reicher: Die Vitrine "Frisch erforscht!" 
präsentiert ab sofort aktuelle Forschungsergebnisse aus der 
westfälischen Archäologie. Als erstes Projekt wird die Analyse 
von Skeletten aus der Zeit der Varusschlacht von 9 nach 
Christus vorgestellt. Moderne Untersuchungsmethoden konnten 
klären, dass es sich bei diesen Toten eines Kampfes vor dem 
Römerlager von Haltern am See um Germanen und nicht um römische 
Besatzer handelt.

"Das Archäologie-Museum des Landschaftsverbandes 
Westfalen-Lippe - kurz LWL - dient als Schaufenster der 
westfälischen Geschichte," erklärt Prof. Dr. Michael M. Rind, 
Chefarchäologe des LWL. "Ab sofort präsentieren wir neben den 
wichtigsten und schönsten archäologischen Funden und 
Fundkomplexen aus Westfalen auch ganz aktuelle 
Forschungsergebnisse. Wir möchten die Menschen in Westfalen auf 
diese Weise zeitnah an unseren Arbeitsergebnissen über die 
Geschichte der Region teilhaben lassen."

Durch die "Frisch erforscht!"-Vitrine erleben die Besucher 
hautnah die archäologische Forschung hinter den Kulissen mit. 
Sie können nachvollziehen, welche Arbeitsschritte ein Objekt 
durchlaufen hat, bevor es im Museum präsentiert wird. Das 
frisch Erforschte zeigt somit auch, dass Archäologie keine 
"staubtrockene" Wissenschaft ist. Denn sie fördert als einzige 
historische Wissenschaft täglich neue Quellen zutage. Diese 
stets wachsende Fundmenge kann mit immer ausgefeilteren 
Methoden untersucht werden. Mit modernen 
naturwissenschaftlichen Techniken können aber auch altbekannte 
Objekte neu analysiert werden und so ganz neue und 
weiterführende Erkenntnisse liefern.

Römische Besatzer oder Germanen?
Als erstes Projekt für die neue Vitrine hat das Museum die 
Knochen aus einem Töpferofen in Haltern am See neu untersuchen 
lassen. Der Ofen gehörte zu einem Töpferviertel, das 
Archäologen vor dem Römerlager in Haltern am See Anfang der 
1990er Jahre entdeckt hatten. In großer Unordnung lagen in ihm 
die Skelette von 24 Menschen und einem Hund. Bisher hatte man 
nicht klären können, ob es sich bei den Toten um römische 
Besatzer oder um Germanen handelte.

Wissenschaftler in München stellten nun mit der so genannten 
Sauerstoff-Strontium-Isotopenanalyse an den Zähnen der Toten 
fest, dass man hier Germanen im Ofen verscharrt hatte. Die 
Analysen ergaben, dass sechs der Männer zwischen 20 und 50 
Jahren sicher und zwei weitere wahrscheinlich aus der näheren 
Region stammten. Vier Personen dagegen waren von weit her nach 
Westfalen gekommen: Alle vier sind in derselben Region im 
Schwarzwald oder in Böhmen aufgewachsen. Dieses Ergebnis 
schafft Raum für Spekulationen: Waren doch mehr Germanenstämme 
in den Kampf gegen die römischen Besatzer eingebunden, als es 
die schriftliche Überlieferung beschreibt?

Angriff auf römische Rumpfbesatzung?
Die zeitliche Einordnung des Fundes ist nicht ganz sicher. Die 
Indizien deuten auf einen erfolglosen Überraschungsangriff von 
Germanen hin, deren Gefallene von den Römern anschließend 
hastig in den Ofen geworfen wurden. Dies wiederum weist auf 
eine Zeitstellung nach der Varusschlacht im Jahre 9 nach 
Christus hin. Denn keine Germanengruppe hätte zuvor die mit 
mehreren tausend römischen Berufssoldaten besetzte 
Militäranlage in Haltern am See angegriffen. Dies würde aber 
auch beweisen, dass das Halterner Lager auch nach der römischen 
Niederlage in der Varusschlacht mit einer römischen 
Rumpfbesatzung bestückt war.

Hintergrund
Sauerstoff-Strontium-Isotopenanalyse macht sich die Tatsache 
zunutze, dass in Gesteinen verschiedene Isotope des 
Spurenelements Strontium vorkommen. Das Verhältnis dieser 
Isotopen zueinander hängt von der Art und dem Alter der 
Gesteine ab und variiert dadurch von Region zu Region. Aus dem 
Boden und dem Grundwasser wird das Strontium von Pflanzen 
aufgenommen. Über die Nahrungskette gelangt es dann in den 
menschlichen Organismus, wo es in Knochen und Zähne eingelagert 
wird. Weil sich der Zahnschmelz bis zum 4. Lebensjahr fertig 
ausbildet, bleibt das Isotopenverhältnis in ihm identisch mit 
dem der Region, in der ein Mensch seine ersten vier Lebensjahre 
verbracht hat.


INFO

LWL-Museum für Archäologie, 
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel. 02323 94628-0
URL: http://www.lwl-landesmuseum-herne.de

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr, 
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, 
Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
Geschlossen am 24., 25., 31.12. und am 1.1. 


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