[WestG] [AUS] "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen", Herne, 27.02.-28.11.2010

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Mi Nov 18 12:54:47 CET 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 18.11.2009, 11:01


AUSSTELLUNG

War Erzbischof Engelbert ein Heiliger?
LWL-Museum für Archäologie in Herne geht der Frage auf den Grund

Der Kölner Erzbischof Engelbert I. (1185 - 1225) von Berg machte eine
steile Karriere in der katholischen Kirche, bis er wegen der
Verteidigung kirchlicher Rechte den Tod gefunden haben soll.
Kirchengemeinden in Bochum, Essen oder Köln tragen noch heute seinen
Namen und zeugen damit von seiner Heiligkeit. Doch war Engelbert
wirklich ein Heiliger? Die neue Ausstellung „Aufruhr 1225!“ des
LWL-Museums für Archäologie in Herne geht unter anderem dieser Frage
nach. Die Schau des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
thematisiert vom 27. Februar 2010 an Ritter, Burgen und Intrigen.

Engelbert von Berg entstammte einer der einflussreichsten Familien im
heutigen Nordrhein-Westfalens, die bereits mehrere Erzbischöfe gestellt
hatte. Weil er einen älteren Bruder hatte, der das Erbe seines Vaters
antreten sollte, war Engelbert für ein geistliches Amt bestimmt. 1216
wurde er zum Erzbischof von Köln gewählt. In den frühen 1220er Jahren
war er nach dem Kaiser der einflussreichste Mann im Reich. Der zu dieser
Zeit in Italien weilende Herrscher vertraute Engelbert seinen Sohn
Heinrich zur Erziehung an. Eine Büste, die das Stift Essen um 1500
anfertigen ließ, zeigt den Erzbischof: Die mit Gold und Silber belegte
Holzarbeit ist ebenso in der Ausstellung in Herne zu sehen wie eine fast
800 Jahre alte Holzstatue aus dem Kloster Gevelsberg
(Ennepe-Ruhr-Kreis).

Zielstrebiger Machtpolitiker
„Wenn man die Lebensgeschichte des Erzbischofs betrachtet, dann fällt
auf, dass Engelbert aus heutiger Sicht eher wie ein weltlicher Fürst als
ein geistlicher Oberhirte handelte“, sagt der Projektleiter der
Ausstellung, Dr. Stefan Leenen. Engelbert war sowohl Kölner Erzbischof
als auch Herzog von Westfalen. Konsequent und zielstrebig habe er
ständig daran gearbeitet, seinen Machtbereich auszubauen. Leenen:
„Vor dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse
ist das Verhalten Engelberts allerdings durchaus standesgemäß
gewesen.“ Dabei habe er auf den Adel und zum Teil selbst auf die
eigene Familie wenig Rücksicht genommen. So riss er etwa die Grafschaft
Berg nach dem Tod seines Bruders an sich, obwohl dessen Tochter und ihr
Ehemann erbberechtigt waren.

Die weltliche Machtpolitik zu Lebzeiten Engelberts konnte jedoch kaum
eine Grundlage dafür sein, als Heiliger verehrt zu werden. „Es waren die
Umstände seines Todes, die seine Heiligkeit rechtfertigen sollten“,
erklärt der Mittelalterexperte. In Folge eines Rechtsstreits zwischen
dem Reichstift Essen und dem Grafen von Isenberg, in den sich der
Erzbischof eingeschaltet hatte, wurde er am 7. November 1225 in einem
Hohlweg überfallen und erschlagen. Der Zisterziensermönch Caesarius von
Heisterbach schrieb im Auftrag von Engelberts Nachfolger die
Lebensgeschichte des Ermordeten auf, um damit auf seine Heiligsprechung
hinzuwirken. Er betrachtete das gewaltsame Ende als Martyrium. Der
Bischof habe, so der Mönch, die Rechte des Stiftes Essen verteidigt und
sei letztendlich dafür in den Tod gegangen.

„Damit wog Caesarius die Sünden Engelberts und sein auf die weltlichen
Geschäfte fixiertes Handeln auf“, sagt Leenen. Wahrscheinlich habe der
Erzbischof aber selbst die großen Besitztümer des Stifts kontrollieren
wollen, um seine Einflussgebiete im Rheinland und in Westfalen
miteinander zu verbinden. 

Bis heute ein Regionalheiliger
In den Jahren nach dem Mord gab es viele Pilger, die an den Tatort bei
Gevelsberg oder nach Köln reisten, um den Verstorbenen zu verehren. In
Gevelsberg wurde dem Bischof zu Ehren ein Zisterzienserkloster
gegründet, in Köln wurden Engelberts Gebeine im Dom bestattet.
Leenen: „Der Wahlfahrtsboom ebbte aber nach kurzer Zeit wieder ab.“
Die Bemühungen des nachfolgenden Erzbischofs führten nicht zur
Heiligsprechung Engelberts, woran sich bis in die Gegenwart nichts
geändert hat. „Doch im 17. Jahrhundert sollte er als Heiliger noch
einmal in den Vordergrund gerückt werden.“ Der damalige Kölner
Erzbischof versuchte (vergebens), Engelbert im 30-Jährigen Krieg zum
Schutzpatron der katholischen Heere durchzusetzen. In den Bistümern
Essen, Köln und Paderborn ist Engelbert bis heute ein Regionalheiliger.

Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert während eines Überfalls bei
Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie dieser Mord
die ganze Ruhrregion veränderte - das ist  Ausgangspunkt und Leitmotiv
der größten Mittelalterausstellung, die bisher im Ruhrgebiet gezeigt
wurde: „Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen“, läuft vom 27.
Februar bis 28. November 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein
Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten die
Ausstellung.

INFO

27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" 

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 6 und 2 Euro, Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte

http://www.aufruhr1225.de (mit Videos)


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Redaktioneller Zusatz [MW]


Inhalte im Internet-Portal "Westfälische Geschichte":

Wolfgang Bockhorst
7. November 1225 - Tod auf dem Hohlweg
Die Ermordung des Erzbischofs Engelbert von Köln
URL: http://www.westfaelische-geschichte.de/web499 

Matthias Becher
Die Westfalen als Teil der Sachsen
Von den Ursprüngen bis zum Sturz Heinrichs des Löwen
URL: http://www.westfaelische-geschichte.de/web29





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