[WestG] [AUS] Erinnerung an Emigration, Flucht und Ermordung, Muenster, 23.11.-09.12.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Nov 17 10:57:07 CET 2009


Von: "Pressestelle der WWU Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 16.11.2009, 11:00


AUSSTELLUNG

Erinnerung an Emigration, Flucht und Ermordung
Wanderausstellung "Jüdische Mathematiker" macht Station an der 
WWU

An der WWU ist ab Montag, 23. November, bis zum 9. Dezember 
2009 die Wanderausstellung "Jüdische Mathematiker in der 
deutschsprachigen akademischen Kultur" zu Gast. Sie zeigt die 
Tätigkeit jüdischer Mathematiker von der rechtlichen und 
politischen Gleichstellung jüdischer Bürger im 19. Jahrhundert 
bis zur Verfolgung und Vertreibung im nationalsozialistischen 
Deutschland. Sie stellt dar, wie im deutschen Kaiserreich und 
in der Weimarer Republik jüdische Mathematiker in allen 
Bereichen der mathematischen Kultur zunehmend eine tragende 
Rolle spielten, und sie erinnert an Emigration, Flucht und 
Ermordung nach 1933.

Die Ausstellung ist im Jahr der Mathematik 2008 zu einer Tour 
durch Deutschland gestartet. Nach Stationen unter anderem in 
Frankfurt am Main, Hamburg, Magdeburg und Berlin ist sie nun 
auf Betreiben des Fachbereichs Mathematik und Informatik sowie 
der Arbeitsstelle Forschungstransfer an der Universität Münster 
zu sehen.

Konzipiert wurde die Ausstellung von Wissenschaftlern der 
Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte an der Johann Wolfgang 
Goethe-Universität Frankfurt am Main, der 
Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, den 
Universitäten Mainz und Wuppertal sowie dem Max-Planck-Institut 
für Wissenschaftsgeschichte in Berlin in Zusammenarbeit mit dem 
Jüdischen Museum Frankfurt am Main.

Eine erste Fassung wurde bereits anlässlich der Jahrestagungen 
der Deutschen Mathematiker-Vereinigung im Herbst 2006 in Bonn 
und im Frühjahr 2007 in Berlin gezeigt. Mit finanzieller 
Unterstützung der Deutschen Telekom Stiftung wurde die frühere 
Ausstellung anlässlich des Jahrs der Mathematik 2008 in eine 
neu gestaltete Wanderausstellung überführt. Diese 
Wanderausstellung gehört zu den Preisträgern im Wettbewerb 
"Kopf und Zahl" des Bundesministeriums für Bildung und 
Forschung.

In den Jahren nach 1933 (und vereinzelt auch schon davor) 
setzte eine durch den Nationalsozialismus erzwungene 
Emigrationsbewegung ein, die nicht nur Deutschland, sondern 
ganz Europa umfasste. Sie betraf neben politischen Gegnern vor 
allem die jüdischen Bürger Deutschlands und der besetzten 
Staaten. Für die Wissenschaftsgeschichte waren ihre Folgen ohne 
Beispiel.

Eine der besonders stark betroffenen Disziplinen war die 
Mathematik. In Deutschland verloren viele jüdische Mathematiker 
schon 1933 oder kurz danach ihre Arbeitsmöglichkeiten. Wenige 
Jahre später war auch ihr Leben bedroht. Aber auch in anderen 
Staaten Europas waren sie nicht lange sicher. Misslang die 
Flucht oder kam es - aus welchen Gründen auch immer - nicht zur 
Emigration, drohte in Deutschland und den besetzten Staaten 
Verhaftung und Tod. In den Aufnahmeländern gelang manchen 
Geflohenen eine bemerkenswerte neue Karriere, andere dagegen 
litten ihr Leben lang unter den Verlusten der Vertreibung.

In den Jahrzehnten vor ihrer Vertreibung waren diese 
Mathematiker dagegen ebenso wie jüdische Mathematiker der 
vorhergehenden Generationen ein bedeutender Teil der Welt der 
Mathematik geworden. Der "Aufstieg durch Bildung", der 
jüdisches Leben im 19. und frühen 20. Jahrhundert im 
deutschsprachigen Raum maßgeblich charakterisierte, gelang auch 
- und in erheblichem Maße - in der Mathematik.


INFO

Die Ausstellung "Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen 
akademischen Kultur" ist vom 23. November bis zum 9. Dezember 
2009 im Foyer des Hörsaalgebäudes am Hindenburgplatz 10-12 zu 
sehen. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. 
Der Eintritt ist frei.


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