[WestG] [AKT] Buchvorstellung: Gerd Dethlefs (Hg.), Das Cappenberger Chorgestuehl 1509 - 1520, Unna, 12.11.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Nov 4 08:14:23 CET 2009
Von: "Kreisstadt Unna" <info at presse-service.de>
Datum: 03.11.2009, 16:21
AKTUELL
Buchvorstellung im Hellweg-Museum Unna, 12. November 2009, 19.00 Uhr
Gerd Dethlefs (Hg.), Das Cappenberger Chorgestühl 1509 - 1520.
Meister Gerlachus und die Bildschnitzerwerkstatt der Brabender
in Unna. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte, 2009
Es ist bekannt, dass die Prämonstratenserstiftskirche
Cappenberg in Selm das schönste und besterhaltene Chorgestühl
Westfalens enthält. Begonnen wurde es 1509 von einem Schreiner
"Meister Gerlach", vollendet um 1520. Aber wussten Sie auch,
dass das Cappenberger Chorgestühl von Unnaer Künstlern
gefertigt wurde? Ein neu erschienenes Buch dokumentiert die
neuesten Forschungen, die auf die Bildhauerfamilie Brabender in
Unna verweisen.
Der Herausgeber des Bandes, Dr. Gerd Dethlefs vom
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, stellt
das Buch in einem Bildvortrag am 12. November um 19.00 Uhr im
Hellweg-Museum vor. Vor und nach dem Vortrag kann das Buch zum
Einführungspreis von 24,00 Euro (statt später 29,00 Euro)
erworben werden.
Zum Inhalt des Buches:
Die neuen Forschungen gelten der Funktion des Chorgestühls in
der Kirche, der Bedeutung der figürlichen Schnitzereien unter
den Klappsitzen, den 68 Wappen von Adelsfamilien zwischen
Waldeck und Gelderland - Ausdruck der Exklusivität des
"Adeligen Gotteshauses" - sowie den Bildvorlagen und verwandten
Gestühlen, vor allem in Dortmund. Die südliche Rückwand mit
rätselhaften Geheimfächern datiert schon von etwa 1290 - es ist
das älteste Möbel Westfalens. Nicht am Niederrhein, wie man
bisher meinte, lagen die Werkstätten der Schreiner und
Bildschnitzer, sondern in der Region. Die Schnitzer der Figuren
lassen sich nach Unna verorten und mit dem Namen der dortigen
Familie Brabender verbinden - die schon 1462 das Dortmunder
Reinoldigestühl lieferte.
Cappenberg galt bisher aus Sicht des Ordens als ein Ort lauer
Disziplin. Tatsächlich besaß das Stift jedoch eine erhebliche
geistliche Ausstrahlung nach Lünen, Werne, Ahlen und in die
ganze Region.
Wolfgang Bockhorst (LWL-Archivamt für Westfalen) zeichnet die
Geschichte des adeligen Prämonstratenserstiftes im 16.
Jahrhundert als eine Epoche drohender geistlicher Erschlaffung.
Der Neubau des Chorgestühls lässt sich als Versuch verstehen,
dem entgegenzuwirken: in einer Krisenzeit von Mord und
Totschlag vor Sittenlosigkeit zu warnen. Vor allem die
figürlichen Schnitzereien unter den Klappsitzen, neu gedeutet
von Wingolf Lehnemann, sind so zu verstehen. Die 68 Wappen von
Adelsfamilien zwischen Waldeck und Gelderland - Ausdruck der
Exklusivität des "Adeligen Gotteshauses" - werden von Gerd
Dethlefs aufgeschlüsselt und auf der älteren Nordseite von 1509
teils als 4-Ahnenproben, auf der Südseite als Abbild des 1520
bestehenden Konventes gedeutet.
Die Bildvorlagen und verwandten Gestühle, vor allem in Dortmund
und Marienheide, bespricht P. Philipp Reichling OPraem, während
Peter Barthold und David Gropp (LWL-Amt für Denkmalpflege) das
Gestühl als Möbel untersuchen: Die südliche Rückwand mit ihren
Geheimfächern stammt von etwa 1290 und ist damit das älteste
Möbel Westfalens. Bei einem Vergleich mit westfälischen
Gestühlen weist David Gropp die Sonderstellung nach; lediglich
Dortmunder Gestühle sind vergleichbar. Und nicht in Wesel oder
am Niederrhein, wie man bisher oft meinte, lagen die
Werkstätten der Schreiner und Bildschnitzer, sondern in der
Region - so Barbara Rommé: dieselbe Werkstatt schuf es in zwei
Perioden.
Reinhard Karrenbrock schließlich kann der
Bildschnitzerwerkstatt zahlreiche Werke im märkischen und
kölnischen Sauerland zuweisen, u.a. in dem mit Cappenberg
verbundenen Kloster Oelinghausen und im Stift Scheda. Seine
Versuch, die Werkstatt nach Unna zu verorten, ermöglicht es
schließlich, den Namen der dortigen Familie Brabender mit der
Werkstatt zu verbinden, die schon 1462 das Dortmunder
Reinoldigestühl lieferte, welches als Vorgängerwerk zu
betrachten ist.
Der Blick auf von Cappenberg aus betreute und mit Kunstwerken
ausgestatteten Kirchen zeigt, dass das Stift doch eine
erhebliche geistliche Ausstrahlung besaß, die etwa in Lünen,
Werne, Ahlen, Oelinghausen und weiteren Orten fassbar ist.
INFO
Hellweg - Museum
Burgstr. 8
59423 Unna
Tel.: 02303 / 103-388 und 256445
Fax: 02303 / 256569
Url: www.unna.de
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