[WestG] [AKT] Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis 2009 an Rita Gudermann

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Nov 2 09:18:59 CET 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 30.10.2009, 14:11


AKTUELL

Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis 2009 an Rita Gudermann

Die in Lippstadt (Kreis Soest) geborene Dr. Rita Gudermann hat 
am Freitag (30.10.) aus den Händen von LWL-Direktor Dr. 
Wolfgang Kirsch den Karl-Zuhorn-Preis für westfälische 
Landesforschung entgegen genommen. Die 
Nachwuchswissenschaftlerin, die heute in Berlin lebt, erhält 
den alle drei Jahre verliehenen Preis für ihre Arbeiten über 
die westfälische Agrargeschichte. "Gemeinsame wissenschaftliche 
Forschung, Organisation von wissenschaftlichen Konferenzen 
sowie Kontakte zu anderen Forschungseinrichtungen innerhalb und 
außerhalb Westfalens - kurzum und in der heutigen Sprache: die 
Vernetzung - machten auf die Preisträgerin aufmerksam", lobte 
Kirsch, bevor er Gudermann den Preis im münsterschen 
Erbdrostenhof überreichte. Seinen mit 5.000 Euro dotierten 
Wissenschaftspreis verleiht der LWL seit 1979 alle drei Jahre.

"Gudermanns Forschungen haben eine hohe landeskundliche 
Bedeutung, weil sie mit neuen, anregenden und innovativen 
Fragestellungen neue Forschungsperspektiven für die 
westfälische Agrargeschichte erschlossen haben. Indem sie 
ökonomische und ökologische Aspekte verknüpft hat, ist es ihr 
gelungen, die Agrargeschichte stärker an die allgemeinen 
Forschungstrends der Geschichtswissenschaft heranzuführen", 
heißt es in der Begründung des Rates für westfälische 
Landeskunde. Gudermanns Veröffentlichungen stünden für eine 
moderne Agrarumweltgeschichte, die nicht eine naturverbundene 
Vergangenheit und eine aus ökologischer Sicht destruktive 
Gegenwart gegenüberstelle. Sie arbeite stattdessen die 
vielschichtigen Konfliktebenen zwischen Ökologie und Ökonomie 
heraus, um anschließend die Kostenseite, die sozialen Folgen 
und die langfristige Wirkung auf die Kulturlandschaft in den 
Blick zu nehmen, so der Rat weiter.

"Gudermann bezieht die staatliche Wirtschaftspolitik nicht - 
wie für das 19. Jahrhundert üblich - auf Gewerbe und Industrie, 
sondern auf die Landwirtschaft. Ihre Dissertation bleibt nicht 
bei der Behandlung der technischen Prozesse und ökonomischen 
Ergebnisse stehen, sondern geht auch näher auf die jeweilige 
Eigenlogik der staatlichen Wirtschaftsförderung einerseits 
sowie die naturale Ökonomie und Innovationsbereitschaft der 
Bauern andererseits ein und schildert deren Konflikte", so 
Prof. Dr. Bernd Walter, Leiter des LWL-Instituts für 
westfälische Regionalgeschichte, in seiner Laudatio. Bei ihrer 
"Technikfolgenabschätzung" und ökologischen Perspektive mache 
sie die Folgen des kapitalistischen Umgangs mit der 
Landwirtschaft für Mensch und Natur deutlich, ohne die 
vorkapitalistische agrarische Wirtschaftsweise zu idyllisieren. 
Damit sei sie innerhalb des Aufschwungs der Naturschutz- und 
Umweltgeschichte, der international in den 1980er, in der 
Bundesrepublik in den 1990er Jahren eingesetzt habe, innovativ 
gewesen, sagte Walter weiter. "Die Verleihung des 
Karl-Zuhorn-Preises durch den LWL ist eine kleine Anerkennung 
für ihre innovativen Arbeiten zur westfälischen Argar- und 
Umweltgeschichte".

Zur Person:
Gudermann, die 1964 in Lippstadt (Kreis Soest) geboren wurde 
und in Rüthen das Gymnasium besuchte, hat in Berlin Geschichte, 
Germanistik und Biologie studiert. 1998 promovierte sie über 
"Wassersachen. Landwirtschaftliche Meliorationen 
(Bodenverbesserungen) zwischen ländlichen Interessen und 
staatlicher Landeskulturpolitik in Westfalen und Brandburg 
(1830 – 1880)". Dabei machte sie die Modernisierung nicht als 
lineare Erfolgsgeschichte sondern auch ihre Schattenseiten 
sichtbar und verdeutlicht, wie auf diese Weise die 
"Kulturlandschaft" als Produkt menschlichen Handelns entstanden 
ist.


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