[WestG] [AKT] Erste Ergebnisse der archaeologischen Arbeiten im "Pesthaus", Paderborn, 21.03.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mär 17 10:24:30 CET 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 17.03.2009, 09:17
AKTUELL
Erste Ergebnisse der archäologischen Arbeiten im "Pesthaus"
Öffentliche Führung am Samstag
Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
stellen in einer Führung am 21. März die Ergebnisse ihrer
Untersuchungen im Keller des sogenannten Pesthauses an der
Spitalmauer 12 in Paderborn vor. Dort hat die Stadtarchäologie
Paderborn des LWL auf einer ungefähr 70 Quadratmeter großen
Fläche den originalen Kellerboden aus der Bauzeit des Hauses am
Ende des 17. Jahrhunderts freigelegt.
Im Keller tragen drei massive Pfeiler ein Kreuzgewölbe, das noch
aus der Barockzeit stammt. "Der Raumeindruck ist überwältigend"
sagt Ralf Mahytka, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum in
der Kaiserpfalz: "Der jetzt freigelegte originale Boden aus
Kalkbruchsteinen fügt sich perfekt ein und ergänzt das Baudenkmal
auf bemerkenswerte Weise. Und er ist einer der wenigen erhaltenen
Fußböden aus dieser Zeit in Paderborn."
Drei Kanäle zeichnen sich deutlich vom sorgfältig verlegten
Kellerpflaster ab. Sie laufen an zwei Entsorgungsschächten vorbei
und führten einst das Abwasser in einem ausgeklügeltem
Entsorgungssystem durch die nördliche Kellerwand in die Pader.
Als Teil der Paderborner Stadtgeschichte sind noch viele Fragen
zum Haus an der Spitalmauer 12 offen. Auch die ursprüngliche
Funktion des um 1683/84 erbauten Gebäudes ist noch strittig.
Sicher ist, dass es zu dem am 1. Juli 1629 bezogenen
Kapuzinessenkloster gehörte. Aufgrund der Größe des Kellers und
des Zugangs vom Hof vermuten die LWL-Archäologen, dass es sich
um ein Wirtschafts- und Lagerhaus für das Kloster handelte.
Der Name "Pesthaus" taucht in der schriftlichen Überlieferung
erstmals um 1700 auf. Allerdings gibt es keine Nachrichten über
Menschen mit hochansteckenden Krankheiten, die an der
Spitalmauer 12 Unterkunft gefunden hätten. Lediglich die
abseitige Lage, nämlich am Rand des Klostergeländes und damit
nah an der Stadtmauer und direkt an der Dammpader, sprechen
für eine Funktion des Gebäudes als Isolierstation.
Eine handschriftliche Notiz auf einer Urkunde aus dem Jahr 1788
belegt eine Teilfunktion für Wohnzwecke: Eine Sophia Francisca
Feldmann wurde als Novizin des Klosters "... auf dem Pesthause
7 Wochen unterhalten,..." Ab 1825 diente das Gebäude als
Militärlazarett, seit 1905 ist es in Privatbesitz. Im Zweiten
Weltkrieg fanden Nachbarn und Bewohner im Keller Schutz vor
Luftangriffen.
INFO
Termin und Kosten:
Führung: Samstag, 21. März 2009, 15 Uhr
Treffpunkt: Spitalmauer 12, vor dem Hauseingang
Die Führung ist kostenfrei
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