[WestG] [AKT] Heiliges Meer steht als Naturwunder Deutschlands zur Wahl

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jun 30 10:34:30 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 29.06.2009, 14:40


AKTUELL

Heiliges Meer steht als Naturwunder Deutschlands zur Wahl 
Heinz Sielmann Stiftung startet Internet-Abstimmung

Das "Heilige Meer", die Erdfallseen bei Recke/Hopsten (Kreis 
Steinfurt), betreut vom LWL-Museum für Naturkunde, sind bei der 
Abstimmung zum Naturwunder Deutschlands dabei. Die Heinz 
Sielmann Stiftung hat das Heilige Meer in die Abstimmungsliste 
aufgenommen.

Auf der Internetseite der Heinz Sielmann Stiftung 
www.sielmann-stiftung.de stehen bis zum 14. September insgesamt 
42 bekannte und heimliche Naturwunder zur Wahl. Der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bittet um rege 
Beteiligung an der Abstimmung, um das Naturschutzgebiet zu 
würdigen.

Das "Heilige Meer" befindet sich an der Nordwestgrenze von 
Westfalen zu Niedersachsen, 30 Kilometer nordwestlich von 
Osnabrück, zwischen den Orten Obersteinbeck und Hopsten an der 
Landstraße L 504 und liegt auf den Gebieten der 
Nachbargemeinden Hopsten und Recke. Beim Heiligen Meer hat die 
geologische Besonderheit des Untergrundes zur Bildung von 
zahlreichen besonderen Seen, den sogenannten Erdfallseen, 
geführt.

Entlang einer geologischen Störungszone liegen ab einer Tiefe 
von etwa 100 Meter salzhaltige Gesteine. Durch Lösung und 
Auswaschung dieser wasserlöslichen Gesteine entstehen Hohlräume,
 in die Sande einsacken oder eingeschwemmt werden. Diese 
Sackungen können allmählich erfolgen, oder die Sande können 
plötzlich in die Hohlräume einbrechen. An der Oberfläche 
entstehen auf diese Weise flache Mulden oder Einbrüche mit 
steilen Rändern. Diese Erdfälle füllen sich bei genügend hohem 
Grundwasserstand mit Wasser, es entstehen neue Gewässer, die 
sich durch Nachsackungen noch vergrößern können.

Das LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes 
Westfalen-Lippe (LWL) unterhält am Rande des seit 1930 
geschützten Naturschutzgebietes "Heiliges Meer" eine 
Außenstelle. Dort werden für alle naturkundlich Interessierten 
ganzjährig ein- und mehrtägige Kurse angeboten. Das etwa 100 
Hektar große Naturschutzgebiet bietet auf Wanderwegen die 
Möglichkeit zu Naturbeobachtungen von natürlichen Ökosystemen 
wie Seen, Tümpeln und Wäldern sowie Elementen historischer 
Kulturlandschaft, etwa Heiden und Feuchtgrünland.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 965 n.Chr. 
und bezeichnet das heutige "Heilige Meer" als "Drevanameri", 
Dreigrenzenmeer. Hier stießen die Grenzen von drei sächsischen 
Gauen zusammen. Noch heute sind diese Grenzen teilweise 
vorhanden. So läuft die Grenze zwischen den Gemeinden Hopsten 
und Recke mitten durch das Große Heilige Meer.

Die Herleitung der Bezeichnung "Heiliges" Meer ist nicht klar. 
Es hat vermutlich nichts mit dem Wort "heilig" zu tun, sondern 
ist entweder von "hel" (Hölle) oder von "hil" (hillig = arg, 
schlimm) abzuleiten, oder möglicherweise auch auf "hola" (hol = 
Bruch, Tiefe, Loch) zurückzuführen. Man könnte dann das 
"Heilige Meer" als Bruch- bzw. Einsturzmeer deuten. Denkbar ist 
auch eine Deutung, die von einer langjährigen Nutzung der 
Gewässer ausgeht. So haben die "Heiligen" Frauen vom Kloster 
Gravenhorst nach urkundlichen Angaben im Mittelalter die 
Fischereirechte am Großen Heiligen Meer besessen.

Das Ergebnis der Internet-Abstimmung auf der Webseite 
http://www.sielmann-stiftung.de der Heinz Sielmann Stiftung 
steht am 14. September 2009 fest.


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