[WestG] [AUS] Frauen im Aufbruch zu Amt und Wuerden, Dortmund, 27.06.-18.10.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jun 25 11:16:49 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 25.06.2009 11:00


AUSSTELLUNG

Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden
Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

"Sie sehen doch gut aus. Sie werden in ein, zwei Jahren 
verheiratet sein. Wozu wollen Sie denn einen Beruf haben?" 
Solche Kommentare hörte Annette Schücking-Homeyer oft, als Sie 
in den 1950er Jahren versuchte, als Juristin beruflich Fuß zu 
fassen. Die Geschichte der Detmolder Richterin und die 
Lebenswege von 25 weiteren Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden 
stehen im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im 
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern stehen.

Unter dem Titel "Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten " 
zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 27. 
Juni bis 18. Oktober 2009 in seinem Industriemuseum in Dortmund 
den hürdenreichen Weg von Frauen zu beruflichem Erfolg nach. 
Die Lebenswege zeigen modellhaft den langsamen Wandel von 
Mentalitäten und Möglichkeiten zeigen. Die Ausstellung entstand 
in Kooperation mit dem LWL-Institut für Regionalgeschichte und 
dem LWL-Museumsamt für Westfalen und wird in den kommenden zwei 
Jahren durch Westfalen touren (Termine s.u).

Anlass sind gleich drei Jubiläen: Im Wintersemester 1908/09 
durften Frauen erstmals in Preußen regulär studieren. Zehn 
Jahre später erhielten sie das aktive und passive Wahlrecht und 
übten es 1919 erstmals aus. 1949 schrieb das Grundgesetz die 
Gleichberechtigung beider Geschlechter fest. "Damit erfolgten 
bedeutsame Weichenstellungen im Verhältnis von Frauen und 
Männern. Doch tatsächlich war der Weg von Frauen in politische 
Ämter und akademische Positionen beschwerlich und hürdenreich", 
so Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus, die die Ausstellung 
konzipiert hat.

Hintergrund

Chancen. Hürden. Umwege
Preußen gehört in Europa zu den Schlusslichtern, als Frauen 
1908 das Recht zum akademischen Studium erhalten. Nun stehen 
ihnen theoretisch alle Laufbahnen offen. Unabhängig von Ehemann 
oder Familie können sie aus eigener Kraft gehobenen 
Lebensstandard und gesellschaftliche Anerkennung erreichen. 
Doch bis weit in die Nachkriegszeit ist der Weg von Frauen in 
öffentliche Ämter, Wirtschaft und freie Berufe beengt durch 
rechtliche Einschränkungen, gesellschaftliches Frauenbild und 
finanzielle Hürden. Ulrike Gilhaus: "Es brauchte drei 
Generationen, bis man um 1980 von annähernd gleichen Rechten 
für Frauen und Männer sprechen kann."

Not. Krise. Schicksalsschläge
Individuelle Schicksalsschläge können jederzeit eine 
akademische Ausbildung beenden. Die politischen Zäsuren der 
ersten Jahrhunderthälfte führten jedoch zum massenhaften 
Studienabbruch junger Frauen unabhängig von ihrer Befähigung. 
Hyperinflation (1923) und Weltwirtschaftskrise (1932) entzogen 
vielen Familien die finanzielle Grundlage. Vor allem junge 
Frauen mussten beruflich umsatteln. Im Mittelpunkt der 
familiären Förderung stand die Unterstützung des Ehemannes oder 
Sohnes. Ähnliche Entwicklungen brachte der Zweite Weltkrieg. 
Flucht und Vertreibung durchkreuzten die Lebenspläne zahlloser 
junger Frauen trotz erfolgreicher Studienverläufe. Beim 
Neuanfang hatten die Schaffung einer neuen Existenz und 
Familiengründung Vorrang.

Examen. Ehe. Ehrenamt
Das Frauenstudium stellte die traditionellen Leitbilder von 
Männern und Frauen in Frage. Konservative begegneten der 
akademisch gebildeten Frau zunächst mit Skepsis, schätzen sie 
aber bald als Partnerin auf Augenhöhe. Ehen zwischen der 
"studierten Tochter aus gutem Hause" und dem bereits 
etablierten Akademiker kommen in Mode. Die examinierte Ehefrau 
stützt die beruflichen Ziele des Mannes, -repräsentiert 
souverän, fördert die Bildung der Kinder und engagiert sich 
ehrenamtlich. Das neue Leitbild setzt sich im Bürgertum seit 
den späten 1920ern durch. Ehe und Mutterschaft sind für die 
meisten Studentinnen vorrangiges Lebensziel. Die akademische 
Qualifikation dient vielen nur als Faustpfand für Notlagen. Die 
Vereinbarkeit von Ehe und Beruf bleibt ein Zukunftsthema.

In Amt und Würden
Der Weg zum akademischem Beruf ist steinig. Finanzieller 
Rückhalt, hervorragende Leistungen und Netzwerke sind lange 
unabdingbare Voraussetzungen für den Einstieg. Die frühen 
Akademikerinnen entstammen gutsituierten Familien, fast immer 
ist der Vater selbst Akademiker. Oft gibt er den Impuls zum 
Studium. Aber auch Männermangel und wirtschaftlicher Druck 
führen zu neuen Rollenvorstellungen.

Leitbild wird nun die junge Frau, die »standesgemäß« für sich 
selbst sorgen kann. Dieser Weg steht seit Mitte der 1950er auch 
Frauen aus anderen Milieus offen. Langsam bessern sich 
Schulangebot und finanzielle Förderung. Die mentalen Hürden 
aber halten sich lange: Ein Studium der Tochter gilt als 
verlorene Investition. Besonders schwierig ist die Situation 
des »katholischen Mädchens vom Lande«. Viele junge Frauen 
müssen sich ihren Weg gegen ihre Familie freikämpfen.


INFO

Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten
Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden
27. Juni bis 18. Oktober 2009, 
Eröffnung: Sa, 27.6., 15 Uhr
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr
Ausstellungsführungen jeden Sonntag 14 Uhr (nur Eintritt)

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die weiteren Stationen:
Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo, 1.11. bis 6.12.2009
Haus der Kamener Stadtgeschichte, 10.12.2009 bis 31.1.2010
Museums Wilnsdorf, 7.2. bis 5.4.2010
Museum Burg Vischering Lüdinghausen, 11.4. bis 6.6.2010
Stadtmuseum Brakel, 13.6. bis 1.8.2010
Museum Forum der Völker Werl, 8.8. bis 26.9.2010
Gustav-Lübcke-Museum Hamm, 3.10. bis 28.11.2010
Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte, 5.12.2010 bis 30.1.2011
Volkshochschule Gelsenkirchen, 6.2. bis 20.3.2011
LWL-Gleichstellungsstelle Münster, 25.3. bis 21.4.2011


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