[WestG] [AKT] Wurde Sonntag vor 2000 Jahren die Varusschlacht geschlagen? Historiker Florus: Die Roemer gingen am 2. August unter

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jul 28 10:40:46 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 28.07.2009, 10:32


AKTUELL

Wurde Sonntag vor 2000 Jahren die Varusschlacht geschlagen?
Historiker Florus: Die Römer gingen am 2. August unter

Wenn man dem römischen Geschichtsschreiber Florus Glauben 
schenkt, dann hat am 2. August im Jahr 9 n. Chr. die 
Varusschlacht, auch bekannt als Schlacht im Teutoburger Wald, 
stattgefunden. "Demnach steht uns also der 2000. Jahrestag 
unmittelbar bevor", sagt Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des 
LWL-Römermuseums in Haltern, wo noch bis zum 11. Oktober die 
Ausstellung "Imperium" zur Varusschlacht zu sehen ist.

Untergang in den Wäldern Germaniens
Im Jahr 9 n. Chr. war Publius Quinctilius Varus römischer 
Statthalter in Germanien, wo er die Provinzverwaltung ausbauen, 
Recht sprechen und für Ordnung sorgen sollte. Doch beim 
Rückmarsch von der Weser in die Winterlager an Rhein und Lippe 
geriet Varus mit drei Legionen in eine tödliche Falle. Der 
Cheruskerfürst Arminius lockte Varus unter einem Vorwand in 
unwegsames Gelände. Dort warteten bereits germanische Krieger, 
die die langgezogene Marschreihe der Legionäre wieder und 
wieder aus dem Hinterhalt angriffen. Mindestens 15.000 römische 
Soldaten kamen ums Leben.

"Das Gemetzel soll drei bis vier Tage gedauert haben, was erste 
Zweifel an dem Datum aufkommen lässt, das uns Florus 
überliefert hat", so Aßkamp, wissenschaftlicher Referent im 
LWL-Römermuseum. Auch in anderen Details weiche dessen Werk 
deutlich von den Darstellungen anderer Chronisten ab. Sie 
berichteten von Regen, Sturm und Kälte während der Schlacht, 
also von typischem Herbstwetter, das auf den Verlauf großen 
Einfluss genommen hätte. Zudem hätten sich die Römer wohl kaum 
mitten im Sommer auf dem Weg ins Winterquartier befunden. Aber 
wie kam Florus auf den 2. August?

Untergangsszenarien
"Florus ging es weniger um das tatsächliche Datum der 
Varusschlacht, als vielmehr darum, das Geschehen in Germanien 
mit einer der schlimmsten Katastrophen Roms in Verbindung zu 
bringen", erläutert der Museumsleiter des LWL-Römermuseums. Bei 
Cannae (Unteritalien) konnte Hannibal aus Karthago den Römern 
am 2. August 216 v. Chr. eine vernichtende Niederlage zufügen. 
Etwa 60.000 Legionäre blieben auf dem Schlachtfeld zurück, in 
Italien stand kein römisches Heer mehr. Hannibal bedrohte Rom, 
das Ende der Stadt am Tiber schien nahe.

Ein solches Katastrophenszenario war auch nach der 
Varusschlacht nicht undenkbar. Die Germanen drohten, den Rhein 
zu überqueren und nach Italien vorzustoßen. Der römische Kaiser 
Augustus ließ die Hauptstadt durch Militärposten bewachen und 
eilig neue Truppen ausheben. Bereits entlassene Soldaten wurden 
wieder zu den Waffen gerufen. Letztlich blieb der befürchtete 
Angriff aus, doch die Varusschlacht leitete das Ende der 
römischen Eroberungspläne in Germanien ein. Im Jahr 16 n. Chr. 
zogen sich die Legionen entgültig hinter den Rhein zurück.

Als Florus Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. seinen Abriss der 
römischen Geschichte verfasste, deutete er die Varusschlacht 
als Hauptursache für das römische Scheitern östlich des Rheins. 
Um seinen Zeitgenossen Ausmaß und Dramatik der Ereignisse vor 
Augen zu führen, verknüpfte Florus die Niederlage in Germanien 
mit der von Cannae und datierte sie ebenfalls auf den 2. 
August. Aßkamps Fazit: "Der wahre Zeitpunkt der Varusschlacht 
bleibt weiter im Dunkeln."

Hintergrund:
Die Ausstellung "Imperium" in der Seestadthalle und im 
Römermuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in 
Haltern am See wendet sich dem historischen Geschehen aus der 
Perspektive des Verlierers, des Römischen Reiches, zu. In 
Haltern standen vor 2000 Jahren die bedeutendsten römischen 
Militäranlagen östlich des Rheins. Hier war mit der 19. Legion 
ein Teil der Truppen stationiert, die später in Germaniens 
Wäldern untergingen. Als ihr Befehlshaber hat sich auch Varus 
wahrscheinlich häufiger in Haltern aufgehalten.

Am Vorabend der Varusschlacht befand sich Rom auf dem 
vorläufigen Höhepunkt seiner Macht und erlebte eine Zeit 
wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Die Ausstellung 
"Imperium" lässt dieses "Goldene Zeitalter" vor den Augen der 
Besucher wiederauferstehen und beleuchtet die innen- und 
außenpolitischen Erfolge des Kaisers Augustus. Den Roten Faden 
durch die aufwändig inszenierte Ausstellung bildet die 
Biographie des Publius Quinctilius Varus, der als glückloser 
Statthalter in Germanien bis heute untrennbar mit der 
Varusschlacht verbunden ist.

Die Ausstellung "Imperium" ist Teil des überregionalen 
Kooperationsprojekts "Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre 
Varusschlacht" an den drei Standorten in Haltern am See, 
Kalkriese und Detmold.


INFO

Ausstellung IMPERIUM
Seestadthalle
Lippspieker 25
45721 Haltern am See

LWL-Römermuseum
Weseler Straße 100
45721 Haltern am See

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 20 Uhr
Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene: 9 Euro
Familien: 20 Euro
Schüler: 2 Euro
Ermäßigungsberechtigte: 6 Euro
Gruppen: 7 Euro pro Person (zzgl. Führungsgebühr)

URL: http://www.imperium-konflikt-mythos.de


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