[WestG] [AKT] Von Bautzen, Stasi und Mauerbau: Zeitzeugen erklaeren Schuelern die DDR-Geschichte

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Jan 21 10:42:02 CET 2009


Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 20.01.2009, 14:39


AKTUELL

Von Bautzen, Stasi und Mauerbau
Zeitzeugen erklären Schülern die DDR-Geschichte

RUB-Projekt in Kooperation mit der VOS NRW zur Aufarbeitung 
einer Diktatur


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Mutmaßungen, Irrtümer und Achselzucken sind nicht selten, wenn 
man junge Menschen in Nordrhein-Westfalen zur DDR-Geschichte 
befragt. In einem neuen Projekt unter Federführung des Instituts 
für Deutschlandforschung (IDF) der Ruhr-Universität Bochum soll 
sich das ändern.

Gemeinsam mit der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V. 
(VOS) initiiert das IDF Zeitzeugengespräche an Schulen zur 
DDR-Geschichte. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren 
und startet am 27. Januar an der Bochumer Hildegardis-Schule; es 
wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in 
Berlin und der Landeszentrale für politische Bildung NRW 
gefördert.


Widerstand und Hafterfahrungen

Nach einer Vorphase mit Zeitzeugengesprächen in Düsseldorf 
beginnt das Projekt an der Bochumer Hildegardis-Schule 
(Klinikstr. 1, 44791 Bochum). Am Dienstag, 27.1., 13.15 Uhr 
berichtet Dieter Rother aus Essen in einem Geschichtskurs der 
Klasse 13 von seinen Erfahrungen in der DDR:

Es geht um jugendliche Resistenz und politischen Widerstand 
gegen die SED und sowjetische Besatzungsmacht, Verhaftung, 
Verurteilung vor einem sowjetischen Militärtribunal sowie 
Hafterfahrungen unter anderem in Bautzen und Halle. 
Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich willkommen;
 um Voranmeldung wird gebeten (Dr. Frank Hoffmann, IDF, Tel. 
0234/32-27863, idf at rub.de).


Ausweitung auf ganz NRW geplant

Bei einer empirischen Untersuchung zum DDR-Bild von Schülern 
schnitt unser Bundesland schlecht ab: Knapp 90 Prozent der 
befragten Schüler beklagten, über die DDR wenig oder gar nichts 
zu wissen. Doch über die Hälfte von ihnen bekundet Interesse an 
der zweiten deutschen Diktatur. "Ähnliches hören wir Dozenten 
des Instituts für Deutschlandforschung in unseren 
Ringvorlesungen und Seminaren seit langem", sagt Dr. Frank 
Hoffmann vom IDF.

Natürlich seien vor allem die Schulen gefordert, die 
Wissenslücken zu schließen, aber ihre Möglichkeiten sind 
beschränkt angesichts von Schulzeitverkürzung und 
Lehrplanstraffung. Das IDF unterstützt mit dem Projekt die 
Schulen, um ein lebendiges und unverklärtes Geschichtsbild der 
DDR zu vermitteln.

Langfristiges Ziel ist, die Zeitzeugengespräche bis Ende 2010 
auf Schulen aus dem gesamten Bundesland auszuweiten. Für die 
Schulen entstehen keine Kosten, sie können sich beim IDF zur 
Teilnahme an dem Projekt anmelden.


Kein "Weichspülen" der DDR

Die Gesprächspartner der Schülerinnen und Schüler sind vor allem 
ehemalige politische Häftlinge. Mit ihren Erfahrungsberichten 
setzen sie dem "Weichspülen" der DDR, manch "(n)ostalgischen" 
DDR-Bildern in Literatur, Medien und Politik etwas entgegen. 
Aktuelle Forschungsergebnisse und Quellen, die das IDF für die 
Schulen aufbereitet, ergänzen die Zeitzeugenberichte.


INFO

Dr. Frank Hoffmann
Institut für Deutschlandforschung der Ruhr-Universität Bochum
Tel. 0234/32-27863
E-Mail: idf at rub.de
URL: http://www.rub.de/deutschlandforschung/zeitzeugen 

Detlev von Dechend
Gemeinschaft ehem. Politischer Häftlinge - (VOS)
Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V.
Oberlinstraße 51
40625 Düsseldorf
Tel. 0211/2381025
E-Mail: dvdechend at web.de


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