[WestG] [AUS] "Zeit ist Geld": Geschichte der Arbeitszeitkontrolle, Dortmund, bis 01.03.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 12 11:52:42 CET 2009


Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 18.12.2008, 12:47


AUSSTELLUNG

"Zeit ist Geld" auf Zeche Zollern
Ausstellung zur Geschichte der Arbeitszeitkontrolle im
LWL-Industriemuseum

Zeit ist Geld - erst die Industrialisierung hat dieses 
Sprichwort zur ökonomischen Wahrheit und zur allgemein 
verbreiteten Einstellung im Umgang mit der Zeit werden lassen. 
Pünktlichkeit und Schnelligkeit werden damit angesprochen, 
beides Eigenschaften, die mit der Uhr messbar und von Uhren 
kontrollierbar wurden.

In der neuen Ausstellung "Zeit ist Geld. Industrielle 
Arbeitszeit und Zeiterfassung" auf der Zeche Zollern in Dortmund 
lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag, 
21. Dezember, zu einem Gang durch die Welt der 
Arbeitszeitkontrolle ein. Er beginnt mit den Wächtern in der 
Nacht, zeigt die Bedeutung der Fassaden- und Turmuhren, führt 
ein in die komplizierte Technik und Funktion der 
Kontrollapparate und endet in einer Installation, in der auch 
die aktuelle Diskussion um die Verlängerung der 
Lebensarbeitszeit visualisiert wird. Zu sehen sind rund 80 
Exponate aus zwei Jahrhunderten, darunter viele 
Zeiterfassungsgeräte aus dem Uhrenindustriemuseum 
Villingen-Schwenningen.

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?"

Über Jahrhunderte bestimmten die Rhythmen der Natur den 
Arbeitstag. Er begann mit dem ersten Hahnenschrei und endete mit 
dem Einbruch der Nacht. Bei Eis und Schnee standen Mühlen und 
Hammerwerke still, und das Handwerk musste ruhen, wenn die Zeit 
zur Ernte gekommen war. Mit der Industrialisierung endete diese 
Ära.

"Die Arbeitsteilung in der Fabrik erforderte einheitliche 
Arbeitszeiten und unterwarf die Menschen dem Rhythmus der teuren 
Maschinen. Nachdrücklich forderten Fabrikanten pünktlichen 
Arbeitsbeginn, striktes Einhalten von Pausen und regelmäßige 
Schichten", erklärte Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus bei der 
Vorstellung der Schau. Der Wert der Arbeit bemaß sich jetzt nach 
der geleisteten Arbeitszeit: Zeit wurde Geld. Die Idee der 
Kontrolluhr war geboren.

Doch noch bevor die "Stechuhr" als Kontrollinstrument in den 
Fabriken und Kontoren Einzug hielt, konstruierten 
Uhrenfabrikanten aus dem Schwarzwald 1805 eine Kontrolluhr für 
Nachtwächter: Im Interesse der öffentlichen Sicherheit sollten 
die Nachtwächter nun nicht mehr nur durch regelmäßiges lautes 
Singen zeigen, dass sie selbst wach und wachsam waren, sondern 
zu festgelegten Zeiten diese Kontrolluhren bedienen, um 
nachzuweisen, dass sie ihre Rundgänge ordnungsgemäß 
absolvierten.

Im Takt der Maschine

Kontrolluhren, Arbeitszeitmessgeräte und Fabrikuhren belegen 
eindrücklich, dass die Industrialisierung Arbeiter und 
Angestellte in den Betrieben einer "fremdbestimmten" und immer 
gleichen Arbeitszeit unterwarf. Sie verdrängten vorindustrielles 
Brauchtum, etwa das Gebet vor der Arbeit. Stechuhr und Fabrikuhr 
wurden zu Symbolen einer anonymisierten Herrschaft des 
Unternehmens, die die bisherige Freiheit des Kommens und Gehens 
beendete.

Heute prägen diese Rhythmen und Strukturen nicht nur die 
Arbeitswelt, sondern unsere gesamte Kultur: Pendlerströme, 
Ferientermine, Freizeitindustrie und "after work-parties" 
bezeugen, dass wir nicht mehr Herr unserer eigenen Zeit sind, 
sondern im Strom gesellschaftlicher Gezeiten schwimmen.

Technische Neuerungen ermöglichten die immer genauere Erfassung 
von Zeitabläufen, die Dokumentation von Arbeitsabläufen bis hin 
zur Kontrolle von Online-Arbeitsplätzen zu Hause. Die 
Darstellung der technischen Geschichte der Kontrolluhren 
reflektiert damit auch die aktuellen Diskussionen über Risiken 
und Folgen von Flexibilisierung, Bereitschaftszeiten oder die 
Anforderung, jederzeit "auf Abruf" zu arbeiten. "Es geht hier 
also auch um eine der wichtigsten Fragen der aktuellen 
Industriegesellschaft - das Verhältnis von Arbeit und Freizeit, 
oder anders ausgedrückt die Frage: Wie wollen wir leben?", so 
Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus.

Begleitprogramm

Sonntag, 25.Januar, 15 Uhr 
Metropolis. Deutscher Stummfilm von Fritz Lang aus dem 
Jahre 1927 (139Min.) über soziale Konflikte in einer von 
Maschinen gesteuerten Welt

Dienstag, 17.Februar, 19.30 Uhr 
Arbeitszeit und Freizeit am Beispiel der Hüttenindustrie. 
Bildvortrag von Prof. Dr. Wessel

Sonntag, 1.März, 15 Uhr 
Momo. Verfilmung des Märchenromans von Michael Ende 
über Zeitdiebe von Johannes Schaaf (1986). 
Für Kinder ab sechs Jahren


INFO

Zeit ist Geld.
Industrielle Arbeitszeit und Zeiterfassung

21. Dezember 2008 bis 1. März 2009
Eröffnung: So, 21.12., 11 Uhr

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund

Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte