[WestG] [AKT] LWL kuert einzige erhaltene Roestofenanlage Westfalens zum Denkmal des Monats
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Feb 6 11:19:56 CET 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 06.02.2009, 09:01
AKTUELL
LWL kürt einzige erhaltene Röstofenanlage Westfalens zum
Denkmal des Monats
Hinter Bruchsteinwand verbirgt sich technisches Kleinod
Auf den ersten Blick sieht die alte Bruchsteinwand an der
Straßengabelung Gosenbacher Hütte/Am Honigsmund im Siegener
Ortsteil Gosenbach wie eine gewöhnliche Stützmauer aus.
Tatsächlich ist sie aber Teil einer in den Hang gebauten
ehemaligen Röstofenanlage der Spateisengrube Storch &
Schöneberg. Die Anlage diente in der Zeit von 1862 bis 1911 zur
Aufbereitung von Roherzen. Der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) hat jetzt das seltene Dokument der
Technikgeschichte als Denkmal des Monats Februar ausgezeichnet.
"Das Teilstück der Röstofenbatterie ist die einzige bekannte
Anlage in Westfalen. Da sich seine herausragende Bedeutung nicht
unmittelbar erschließt, ist dieses technische Kulturdenkmal,
dessen Verfall immer weiter fortschreitet, nur wenig im
öffentlichen Bewusstsein verankert", so LWL-Denkmalpflegerin
Imme Wittkamp.
Die in der Zeit von 1862 bis 1895 gebaute Anlage bestand
ursprünglich aus 14 nebeneinander aufgereihten Öfen. Sichtbar
geblieben ist ein Teil der Anlage mit vier Öfen, wahrscheinlich
befinden sich hinter einem Erdkegel zwei weitere Öfen. In der
Außenwand fallen vor allem die Öffnungen unter niedrigen
Flachbögen auf, aus denen das Röstgut entnommen wurde. Heute
sind die Öffnungen zugemauert, der rechte Teil der Ofenwand wird
aus statischen Gründen von zwei Betonpfeilern gestützt.
Hinter der Bruchsteinwand verborgen befinden sich noch die
verfüllten Ofenschächte, die aus Schamottesteinen kreisrund
gemauert sind. Diese Schächte wurden von oben beschickt. Auf
dieser oberen Ebene standen die Betriebsgebäude und die
Fördergerüste des Alten und Neuen Schachtes. So ergaben sich
kurze Wege von den Schächten zu den Öfen.
Hintergrund
Nach dem Bau der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke stiegen die Erzausfuhren
aus dem Siegerland ins Rheinisch-Westfälische Industriegebiet
stark an. Damit gewann auch das Erzrösten an Bedeutung, denn
dabei verliert das Erz 30 Prozent an Gewicht und lässt sich
günstiger transportieren. Deshalb entstanden auf allen wichtigen
Gruben des Siegerlandes Röstofenanlagen.
Die Grube Storch & Schöneberg besaß um 1900 etwa 50 Öfen. Die
meisten von ihnen lagen auf beiden Seiten der Straße von
Niederschelden nach Gosenbach in der Nähe der Förderschächte.
Als die Grube 1911 ausgebaut wurde, entstand am Rothenberg eine
mechanische Aufbereitung und eine neue Röstanlage mit 26 Öfen.
Bis auf das lange Zeit unbeachtete Teilstück der Ofenanlage am
Honigsmund sind mittlerweile alle Ofenanlagen im Siegerland
verschwunden.
Eisenerz muss vor der Verhüttung aufbereitet werden, dazu gehört
das Rösten. Dabei wird der Anteil an Kohlenstoff, der die
Zähigkeit der Eisenschmelze beeinträchtigt, ausgetrieben.
Außerdem wird das Erz beim Rösten von Schwefel gereinigt und mit
Sauerstoff angereichert. Bei diesem Vorgang verliert das Erz 30
Prozent an Gewicht.
Die Ofenhöhe betrug zunächst vier bis fünf Meter. Zunächst
wurden die meisten Öfen aus Bruchstein oder Ziegelstein
rechteckig gemauert und mit feuerfestem Material ausgekleidet.
Ab 1898 wurden sie allmählich von hohen, runden und mit
Eisenblech umkleideten Öfen abgelöst.
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