[WestG] [AUS] Otmar-Alt-Ausstellung: Moderne trifft Steinzeit, Herne, 29.08.-29.11.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Aug 31 11:03:00 CEST 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 28.08.2009, 12:30
AUSSTELLUNG
Jetzt wird's bunt - Moderne trifft Steinzeit
Otmar-Alt-Ausstellung eröffnet im LWL-Museum für Archäologie in
Herne
Wie sieht die Wohnung eines Archäologen aus? Eine Antwort
präsentiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab 29.
August (bis 29.11.) in seinem LWL-Museum für Archäologie in
Herne. Die Ausstellung "Otmar Alt - Die verzauberte Welt des
unbekannten Archäologen" zeigt ein Zuhause, das vom
Eingangsflur bis zum Schlafzimmer angefüllt ist mit
archäologischen Objekten und deren farbenfroher Interpretation
durch den Maler und Bildhauer Otmar Alt. In sieben Zimmern
laden gut 20 Bilder und Skulpturen des Hammer Künstlers die
Besucher zum Ent-rätseln von Steinzeit und Moderne ein.
"Die Besucher können sich in der Ausstellung von der kreativen
Auseinandersetzung zwischen Kunst und Archäologie überraschen
lassen", so Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock. "Dabei stellen
sich unerwartete Rätsel - was etwa hat ein Dinosaurier-Ei in
der Küche zu suchen?"
Eine Dinosaurierplastik im Foyer, ein Dackel auf Rädern neben
den Knochen eines Höhlenbären und viele Frauen im Schlafzimmer
- auf 350 Quadratmetern stehen sich moderne Kunstwerke und
archäologische Funde gegenüber. So schufen Menschen vor über
20.000 Jahren Höhlenmalereien und vor über 30.000 Jahren
Statuetten aus Geweih, Elfenbein, Stein und Ton. Der Betrachter
darf selbst spekulieren, ob sie einem spirituellen Zweck
dienten oder reine Kunstwerke waren. Für den Künstler Otmar Alt
jedenfalls waren sie Ideengeber für seine eigenen Gemälde: "Ich
habe die Rolle eines Archäologen übernommen - mit Pinsel und
Farben. Mit meinen Mitteln wollte ich diesen Jahrtausende alten
Werken auf den Grund gehen und sie neu betrachten."
Kultige Tier-Mensch-Gestalten So begegnen sich in dem Bild "Die
Beschwörung" ein auf den Hinterhufen tänzelndes Bison und ein
löwenköpfiger Mensch. "Während ich im linken Bildteil den Fels,
also die Wirklichkeit andeuten will, kommt im rechten Drittel
etwas ganz Handschriftliches von mir ins Bild", erklärt Otmar
Alt sein Werk. "So verbinde ich nicht nur zwei steinzeitliche
Werke unterschiedlicher Herkunft miteinander, sondern versetze
sie mit meiner Sichtweise auch in die Moderne." Denn während
der sogenannte Bisonmann auf eine Felsgravierung in der Höhle
im französischen Le Gabillou zurückgeht, ist der Löwenmensch
eine elfenbeinerne Figur von der Schwäbischen Alb. Die
Umzeichnung beziehungsweise die Nachbildung der
Steinzeitobjekte vervollständigen mit anderen Kultgegenständen
und dem Alt-Werk die Kultecke in der Wohnung des unbekannten
Archäologen.
Vollschlank als Schönheitsideal? Die Einrichtung des
Schlafzimmers besteht aus einem kargen Felllager. Im Gegensatz
zum spartanischen Mobiliar hat der unbekannte Archäologe den
Raum jedoch mit seinen Funden und bunten Gemälden
ausgeschmückt. "Frauen" sind das vorherrschende Thema der
Werke. So hängen über dem Bett "Die Schönen von Kostienki" von
Otmar Alt. Das farbenfrohe Werk zeigt drei nackte weibliche
Gestalten, von denen zwei opulente Körperrundungen, jedoch
keinen Kopf haben. Vor den beiden kniet eine dritte Frau mit
deutlich strafferen Formen.
Während die vordere Dame der Gegenwart entsprungen scheint,
stimmen die beiden hinteren in ihrer abstrakten Formensprache
mit steinzeitlichen Frauenstatuetten überein. Daher sind eine
30.000 Jahre alte Figur aus dem russischen Kostienki und die
gleich alte "Venus von Willendorf" als Nachbildungen ebenfalls
im Schlafzimmer zu sehen. Die Besucher dürfen wie die
Wissenschaftler darüber nachsinnen, ob die Figuren wohl als
"Muttergottheiten" verehrt oder Sexsymbole waren.
Im Esszimmer schwebt über dem rustikalen Tisch eine
Lichtskulptur von Uli Haller. Der junge Künstler beschäftigt
sich unter anderem mit Lichtarchitektur und interaktiven
Lichtinstallationen.
Hintergrund: Der als "Bürger des Ruhrgebietes" ausgezeichnete
Künstler Otmar Alt wurde 1940 in Wernigerode im Harz geboren.
Neben Grafiken und Gemälden gestaltet er unter anderem
Keramiken und Glasplastiken und baut Skulpturen aus Polyester,
Bronze oder Eisen. Von 1964 bis 1966 war er Meisterschüler bei
Hermann Bachmann an der Berliner Kunstakademie. Der heute in
Hamm lebende Künstler gründete 1991 die Otmar-Alt-Stiftung, die
junge Talente fördert und ihnen ein Präsentationsforum bietet.
In über 500 Ausstellungen wurde das Werk Otmar Alts bisher im
In- und Ausland gezeigt.
Uli Haller wurde 1976 in Karlsruhe geboren. Er studierte
Fotodesign an der Fachhochschule in Dortmund und realisierte in
seiner Abschlussarbeit "iluist" erstmals sein Lichtkonzept mit
inszenierter Langzeitbelichtung. 2007 erhielt er ein Stipendium
der Otmar-Alt-Stiftung. Er verwirklichte bisher mehr als 20
Projekte und Ausstellungen, die sich mit Lichtarchitektur,
Lichtchoreographie und Lichtinstallation beschäftigten. Eines
seiner jüngsten Projekte war die Ausstellung "Lichtmalerei" in
der Hammer Sparkasse (2008).
INFO
Termin:
29.8. - 29.11.2009:
Kunstausstellung
"Otmar Alt - Die verzauberte Welt des unbekannten Archäologen"
Begleitbuch:
Das Begleitbuch ist im Museumsshop oder über jede Buchhandlung
erhältlich. "Wie bunt war die Vergangenheit wirklich? GANZ ALT
- die Archäologie des Eiszeitalters, umgesetzt von Otmar Alt"
- Sabine Gaudzinski-Windheuser, Regina Höfer, Olaf Jöris (Hrsg.),
Mainz 2007, 103 Seiten mit 71 meist farbige Abbildungen,
ISBN 978-3-88467-107-8, 18,50 €
Eintrittspreise:
Erwachsene 2,50 Euro, Ermäßigungsberechtigte 1,50 Euro,
Familien 5 Euro
Kombiticket Dauer- und Kunstausstellung:
Erwachsene 5 Euro, Ermäßigungsberechtigte 2,50 Euro,
Familien 10 Euro
Adresse:
LWL-Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: 02323 94628-0 oder -24,
URL: http://www.lwl-landesmuseum-herne.de
Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr,
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr,
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
Geschlossen am 24., 25., 31.12. und am 1.1.
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