[WestG] [AKT] Vortrag: Elisabet Ney, Luedinghausen, 23.04.2009

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Do Apr 16 12:13:46 CEST 2009


Von: "König-Heuer, Ursula" <ursula.koenig-heuer at kreis-coesfeld.de>
Datum: 16.04.2009, 12:12 


AKTUELL

Im Rahmen der Ausstellung "Der Bildhauer Wilhelm Haverkamp - vom
Münsterland nach Berlin" referiert Dr. Barbara Rommé aus Münster auf
Burg Vischering in Lüdinghausen über die Bildhauerin Elisabet Ney.
Elisabet Ney war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt
des 19. Jh. und in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Geboren
1833 in Münster, setzte sie für sich als eine der ersten Frauen in
Deutschland den Zugang zu einer Akademieausbildung durch. In einer Zeit,
in der berufliche Karrieren äußerst selten waren, gelang es ihr - als
eine der weltweit wenigen Bildhauerinnen - von ihrer Kunst zu leben,
obwohl Kreativität als rein männliche Eigenschaft galt. 

Zahlreiche berühmte Persönlichkeiten ließen sich von ihr - einer Frau -
porträtieren: der Philosoph Arthur Schopenhauer, Wissenschafter wie
Alexander von Humboldt und Justus von Liebig, aber auch Staatsmänner wie
Otto von Bismarck oder auch der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe
Garibaldi. Sogar die regierenden Könige Georg V. von Hannover und Ludwig
II. von Bayern saßen Elisabet Ney Modell. 

Mit großer Intensität setzte sie sich in stundenlangen Sitzungen mit
den Charaktereigenschaften der Poträtierten auseinander und hielt diese
auf einzigartige Weise in lebendigen Poträts fest. Durch eine für Frauen
außergewöhnliche Kurzhaarfrisur und selbst entworfene, später auch weit
fallende Kleidung ohne Korsett inszenierte sie sich zu einer
auffallenden Künstlerpersönlichkeit. Sie verzichtete bewusst auf das "h"
in ihrem damals sehr häufig vorkommenden Vornamen Elisabeth, um sich
auch auf diese Weise abzuheben. Ihre Heirat mit dem Arzt und Forscher
Edmund Montgomery hielt sie bis an ihr Lebensende geheim, da sie ihre
Unabhängigkeit nicht beeinträchtigen wollte und als "Fräulein" im
damaligen Rechtssystem mehr Freiheiten besaß. 1871 ging sie mit ihrem
Ehemann in die USA und eroberte sich auch dort einen festen Platz in der
Kunstszene. Sogar im amerikanischen Parlamentsgebäude, dem Kapitol in
Washington D.C., sind noch heute zwei Statuen zu sehen.

Frau Dr. Barbara Rommé ist seit 1998 Direktorin des Stadtmuseums
Münster; sie forscht insbesondere zur deutschen Skulptur des
Mittelalters und der Frühen Neuzeit sowie zu Themen der münsterischen
Stadtgeschichte und Museologie. 2008 hat sie im Stadtmuseum Münster die
erste Retrospektive zur Bildhauerin Elisabet Ney ausgerichtet und mit
einem interdisziplinären Autorenteam einen umfangreichen Katalog zu
Leben und Werk vorgelegt.


INFO

Veranstaltungsdaten:
Vortrag: "Sie ist weder Frau noch Mädchen, sondern eine Künstlerin, und
damit ist alles gesagt." ,
Die Bildhauerin Elisabet Ney (1833-1907) in Europa und Amerika. Ein
Portrait in Bildern und Briefen.
Datum: 23.04.2009, 19.30 Uhr
Burg Vischering (Kulturabteilung Kreis Coesfeld)
Berenbrock 1
59348 Lüdinghausen
Tel.: 02591/7990 11
E-Mail: kultur at kreis-coesfeld.de 


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