[WestG] [AKT] Als Schloss Neuhaus noch eine Burg war: Stadtarchaeologie graebt in Schloss Neuhaus

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Okt 30 10:26:26 CET 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 30.10.2008, 10:00


AKTUELL

Als Schloss Neuhaus noch eine Burg war
Stadtarchäologie gräbt in Schloss Neuhaus

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben 
bei Ausgrabungen in Schloss Neuhaus Teile der mittelalterlichen 
Burg entdeckt, unter anderem ein im 14. Jahrhundert abgebranntes 
Fachwerkhaus. Ferner legte das Grabungsteam das Fundament eines 
Treppenturmes vom ältesten Teil des Renaissanceschlosses aus dem 
16. Jahrhundert frei. In einer ersten Bilanz der 
Grabungsergebnisse zeichnet sich nun ein neues Bild von der 
frühen Baugeschichte der bischöflichen Anlage ab.

Gut zwei Wochen lang erforschte das Ausgrabungsteam der 
Stadtarchäologie der LWL-Archäologie für Westfalen die 
Vorgeschichte des Renaissance-Schlosses in Neuhaus. Bisher war 
ein mächtiger Wohnturm von Bischof Heinrich von Spiegel 
(1361-1380) das einzige bekannte mittelalterliche Bauwerk, das 
im Schlossneubau des 16. Jahrhundert erhalten blieb. Nun 
gelangten die Archäologen in zwei kleinen Flächen im 
Schlossinnenhof in Schichten des späten 14. Jahrhunderts. In 80 
Zentimetern Tiefe stießen sie auf die Überreste eines 
verbrannten Fachwerkhauses. "Die Brandkatastrophe, der dieses 
Haus zum Opfer fiel, war möglicherweise der Anlass für den Bau 
des prächtigen Wohnturmes, der sich bis heute als Haus Spiegel 
im Schloss erhalten hat", vermutet Archäologe Dr. Sven Spiong.

Mithilfe von Bohrkernen steht nun auch der Grabenverlauf der 
älteren Burg zumindest in Teilen fest. Dieser verlief dort, wo 
im späten 16. Jahrhundert der Nordostteil des neuen Schlosses 
gebaut wurde. So erklären sich auch Schäden am Schlossgebäude, 
die noch heute durch Absenkung in die lockere Verfüllung des 
mittelalterlichen Grabens auftreten.

Eine weitere Überraschung kam unter den Schaufeln und Kratzern 
der Grabungsmitarbeiter vor dem südöstlichen Treppenturm zum 
Vorschein: Ein mächtiges Mauerfundament entpuppte sich als Teil 
eines älteren Treppenturmes. Dieser Turm erschloss den ältesten 
Teil des Renaissance-Schlosses von 1525 und wurde mit der 
Erweiterung des Schlosses bereits nach 23 Jahren durch den noch 
heute stehenden Treppenturm ersetzt.

Die archäologische Untersuchung in Schloss Neuhaus wurde nötig, 
weil die Stadt Paderborn im Schlossinnenhof neue 
Treppenfundamente und einen barrierefreien Zugang errichten 
möchte. Es wird deutlich, dass die Archäologen auch bei kleinen 
Bodeneingriffen im Schlossbereich sehr spannende neue Einblicke 
in die Geschichte von Schloss Neuhaus erhalten.