[WestG] [KONF] Politische Partizipation von Frauen im 20. Jahrhundert: Parlamentarierinnen in Westfalen und im Rheinland, Muenster, 05.12.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Okt 10 10:56:49 CEST 2008
Von: "Julia Paulus" <Julia.Paulus at lwl.org>
Datum: 09.10.2008, 13:19
TAGUNG
Politische Partizipation von Frauen im 20. Jahrhundert:
Parlamentarierinnen in Westfalen und im Rheinland
Anlässlich der im Jahre 2008 stattfindenden Jubiläen zur Reform
des preußischen Vereinsrechts (1908) und der Einführung des
Frauenwahlrechts im Deutschen Reich (1918) möchte sich die
geplante Tagung des LWL-Instituts für westfälische
Regionalgeschichte mit der Frage beschäftigen, auf welche Weise
sich Politikkarrieren von Frauen in der Region Westfalen im 20.
Jahrhundert gestalteten.
Seit Anbeginn gehörte das Thema politische Partizipation zu der
bedeutsamsten Forderung der in konfessionellen, berufsbezogenen,
karitativen und Bildungs-Vereinen organisierten
Frauenbewegungen. Der Begriff "Partizipation" umfasste hierbei
stets alle Verhaltensweisen von Bürgerinnen, die allein oder in
einer Gruppe Einfluss auf allen Ebenen des
politisch-gesellschaftlichen Systems ausübten, sowohl innerhalb
des konventionell-politischen Bereichs der Parteien und
Parlamente wie auch in den sogenannten Vorfeldorganisationen des
bereits zu Ende des Kaiserreichs weit entfalteten Vereinswesens.
Allerdings wurde das Engagement von Politikerinnen in der
Öffentlichkeit häufig genug lediglich kritisch diskutiert, was
nicht zuletzt dazu führte, dass das 20. Jahrhundert als eine
Epoche erscheint, zu deren Charakteristika gerade die mangelnde
Präsenz von Frauen im politisch-öffentlichen Raum gehörte.
Bislang wurden diese Beobachtungen lediglich unter der
Fragestellung diskutiert, welche Schwierigkeiten und Probleme
für die auffällig niedrige Repräsentanz von Frauen in
politischen Gremien und in der politischen Öffentlichkeit
anzuführen seien. Gängige Partizipationskonzepte, die allgemein
mit dem Nachweis verbunden waren, dass die Defizite der Frauen
in ihrem jeweiligen Engagement bzw. ihrer politischen
Partizipation lägen, transportierten hierbei einen
Politikbegriff, der sich auf den klassischen Horizont
politischer Institutionen und Akteure bezog. Alles, was darüber
hinaus ging, galt als vor- und unpolitisch. Ein solcher
Politikbegriff jedoch vermittelt wiederum nur die gängige
fiktive Trennung von öffentlicher und privater Sphäre und
blendet somit häufig weitergehendes gesellschaftliches
Engagement als nicht politikrelevant aus.
Auf dieser Tagung soll deshalb der Versuch unternommen werden,
an regionalen Beispielen über biografiegeschichtliche
Zugriffsweisen politische Partizipation in einem weiteren Sinne
zu verstehen: als umfassendes Engagement der an
gesellschaftlichen Prozessen Beteiligten. Auf diese Weise möchte
die Tagung insbesondere dem Selbstverständnis, dem jeweiligen
Politisierungsprozess, den politischen Strategien und
(geschlechts-)spezifischen Zugangs- und Handlungsmöglichkeiten
sowie dem Umgang mit Macht von Frauen in vornehmlich männlich
strukturierten parlamentarischen Räumen nachgehen. Im Zentrum
der Tagung stehen somit Fragen nach den Karrieremöglichkeiten
sowohl von Parlamentarierinnen wie auch von Politikerinnen als
Lobbyistinnen.
Da bislang nur wenige kollektivbiografische Untersuchungen zu
Politikerinnen der Regionen Westfalen und Rheinland vorliegen,
besteht das Ziel dieser Tagung zunächst darin, beispielhaft -
für noch vorzunehmende Forschungen in Westfalen/NRW - bereits
durchgeführte Biografieprojekte zu Parlamentarierinnen anderer
Landesteile vorzustellen. Hierbei soll es in erster Linie darum
gehen, den besonderen Stellenwert von biografischen
Herangehensweisen, deren Fragestellungen und Zugriffsweisen zu
Politikerinnen-Karrieren zu diskutieren.
Darüber hinaus möchte diese Tagung, die in Kooperation mit dem
LWL-Industriemuseum, Zeche Zollern II/IV, auch als Vorbereitung
für ein gleichlautendes Ausstellungsprojekt stattfindet, durch
Koordinationsinitiativen eine stärkere Vernetzung von
entsprechenden Forschungsverbünden in der Region bewirken.
Programm
ab 9.30 Uhr Anmeldung
10.00 Uhr Begrüßung
(Maria Seifert, Vorsitzende der
Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe)
10.15 Uhr Einführung
(Dr. Julia Paulus, Münster)
Biografische Projekte I: Die Mühsalen des Anfangs...
10.45 Uhr (Stadt-)Politikerinnen ohne Legitimation?
Politisches Handeln von bürgerlichen Frauen
im Kaiserreich
(Dr. Kerstin Wolff, Kassel)
11.30 Uhr "Newcomerinnen" in den Parlamenten.
Politikerinnen in der Weimarer Republik
(Dr. Elke Stolze, Halle a. d. Saale)
12.15 Uhr Mittagspause
Biografische Projekte II: Die (institutionellen) Ebenen
politischer Arbeit
13.30 Uhr Politik- und Karriereverläufe von
Kommunalpolitikerinnen - eine
kollektive Biographie der Frankfurter
Nachkriegspolitikerinnen
(Dr. Elke Schüller, Frankfurt)
14.15 Uhr Landtagspolitikerinnen in der Bundesrepublik
(Dr. Susanne Sander, Hamburg)
15.00 Uhr Kaffeepause
Biografisches Projekt III: Parteipolitische Handlungsfelder
15.30 Uhr Frauenpolitik im Dienst der Partei.
Sozialdemokratinnen im Parlamentarischen
Rat und Deutschen Bundestag
(Dr. Gisela Notz, Berlin)
16.15 Uhr Zwischen Tradition und Emanzipation.
CDU- und FDP-Politikerinnen in
bundesrepublikanischen Parlamenten
(Dr. Petra Holz, Bad Münstereifel)
17.00 Uhr Erfahrungen in und mit der Politik.
Politikerinnen der Fraktion Bündnis90/
Die Grünen im Niedersächsischen Landtag
(Dr. des. Amalia Sdroulia, Hannover)
17.45 Uhr Schlussdiskussion
"Politikerinnen zwischen Partei und Parlament"
Ende der Tagung ca. 18.30 Uhr
Tagungsleitung:
Dr. Julia Paulus
Tagungsort:
Landeshaus
- Sitzungssaal der Landschaftsversammlung -
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48147 Münster
Anmeldungen:
werden bis zum 14. November 2008 an das LWL-Institut für
westfälische Regionalgeschichte per Email oder Fax erbeten unter:
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Karlstraße 33
48147 Münster
Tel.: (0251) 591-5880
Fax: (0251) 591-3282
E-Mail: julia.paulus at lwl.org
Anfahrtskizze:
www.lwl.org/LWL/Der_LWL/Anfahrt/Anfahrt/
INFO
Veranstaltungsdaten:
Tagung: Politische Partizipation von Frauen im 20. Jahrhundert.
Parlamentarierinnen in Westfalen und im Rheinland
Datum: 05.12.2008
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Karlstrasse 33
48147 Münster
Tel.: 0251 / 591-5880
Fax: 0251 7 591-3282
E-Mail: wir at lwl.org
URL: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WIR/
Kontakt:
Dr. Julia Paulus
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Karlstrasse 33
48147 Münster
Tel.: 0251 / 591-5880
Fax: 0251 / 591-3282
E-Mail: Julia.Paulus at lwl.org
URL: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WIR/institut/Referate/Paulus/