[WestG] [AKT] Zeitzeuge Joop Levy berichtete ueber die schlimmen Lebensumstaende juedischer Maedchen und Jungen waehrend der deutschen Besatzungszeit in den Niederlanden
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Nov 10 11:28:41 CET 2008
Von: "Kreis Borken" <info at presse-service.de>
Datum: 10.11.2008, 09:53
AKTUELL
Zeitzeuge Joop Levy berichtete über die schlimmen Lebensumstände
jüdischer Mädchen und Jungen während der deutschen
Besatzungszeit in den Niederlanden
200 Kinder und Jugendliche bei der Eröffnung der Ausstellung
"Kein Kinderspiel" im Borkener Kreishaus
"Das Leben während der deutschen Besatzungszeit in den
Niederlanden war für niemanden ein Kinderspiel, schon gar nicht
für uns Menschen jüdischen Glaubens!" - Mit dieser Anspielung
auf den Titel der jetzt im Borkener Kreishaus zu sehenden
Ausstellung "Kein Kinderspiel" begann Joop Levy seine ganz
persönliche Rückschau auf die Zeit grausamer Nazi-Verbrechen.
Als kleiner Junge gelang es ihm dank selbstloser Hilfe einer
holländischen Bauernfamilie glücklicherweise mit seinen Eltern,
sich über zwei Jahre lang vor SS und Polizei zu verstecken und
so der Verhaftung zu entgehen. Wie es dazu kam, dass er zum
"Untertaucher" wurde, und was er in dieser schlimmen Phase
seiner Kindheit erlebte, das schilderte der Zeitzeuge nun 200
Kindern und Jugendlichen im Großen Sitzungssaal des Kreishauses.
Auf bewegende Weise vermittelte er den jungen Zuhörern aus
Borken und Velen sowie aus Vreden - diese waren sogar mit ihrer
niederländischen Partnerklasse gekommen - die beklemmende, von
Angst geprägte Atmosphäre jener Jahre, in denen der braune
Ungeist herrschte. "Eine Zeit, in der es bei aller Furcht aber
auch große Solidarität unter den Menschen gab", betonte Levy.
Ihm liege heute sehr viel daran, die Erinnerung an die Schrecken
des Dritten Reiches wachzuhalten, das so viel Leid über Europa
gebracht habe. Daher zeigte sich Levy sehr erfreut darüber, dass
in Borken nun bis zum 27. November 2008 die Ausstellung "Kein
Kinderspiel" präsentiert wird.
Sixtina Harris und Ben Westerveld von der "Stichting Vrienden
von Kolle Kaal" haben sie dorthin vermittelt. Die Ausstellung
wurde von der "Stichting Vrienden van Yad Vashem Nederland" und
Joop Levy zusammengestellt. Auf 15 Tafeln dokumentiert sie die
trostlose Lebensgeschichte jüdischer Kinder vor dem und während
des Zweiten Weltkrieges. Auch sie wurden von den Nazis als
minderwertig diffamiert, vom Leben in ihren Wohnorten
abgeschnitten, öffentlich beschimpft und verstoßen und zum
Schluss sogar, wie fast alle ihre Verwandten, deportiert. Viele
kamen dann in den Konzentrationslagern um, andere wiederum
überlebten die Verfolgung in Verstecken.
Nur ganz wenige ihrer kümmerlichen Spielzeuge sind erhalten
geblieben. Aber gerade die in der Ausstellung gezeigten Exponate
aus verschiedenen Ländern Europas - versehen mit "Erzähltexten"
der Besitzer und ergänzt um Fotos - vermitteln eindringliche
Geschichten: Von dem jüdischen Puppenfabrikanten, der plötzlich
nur noch Puppen für jüdische Kinder machen durfte und an die
Kleider dieser Puppen einen gelben Stern nähen musste; vom
"Ghettopoly" (einem Monopolyspiel über das Ghetto Theresienstadt)
und von einem Knuffelbären, der auch eine Lagerkleidung tragen
musste. Oft war dies das einzige Spielzeug der Kinder und Trost
in einsamen Stunden.
Landrat Gerd Wiesmann sowie Sixtina Harris und Ben Westerveld
dankten Joop Levy, dessen selbstgebasteltes Holzflugzeug
ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, herzlich für sein
Kommen und die Bereitschaft, jungen Menschen über die Zeit des
Naziterrors aufzuklären.
INFO
Geöffnet hat die Ausstellung im Borkener Kreishaus montags bis
donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 16 Uhr. Der
Eintritt ist frei. Für Schulklassen und Jugendgruppen werden
Führungen angeboten. Anmeldungen sind zu richten an Sixtina
Harris unter der Telefonnummer 02861/61523 und der
E-Mail-Adresse sixtina.harris at arcor.de.