[WestG] [AUS] Hellenistische Muenzen aus dem Osten, Bochum, bis 25.01.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Nov 4 11:13:55 CET 2008
Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 03.11.2008, 16:08
AUSSTELLUNG
Was Münzen über religiöse Dynamik verraten
Ausstellung: Hellenistische Münzen aus dem Osten
Antikes Zeugnis von Globalisierung weit vor unserer Zeit
Seltene, überraschende und sensationelle Stücke zeigen die
Kunstsammlungen der RUB in einer Ausstellung antiker Münzen: Sie
zeugen vom frühen religiösen und kulturellen Austausch zwischen
Orient und Okzident und davon, dass es die "Globalisierung"
schon weit vor unserer Zeit gab. Die Münzen und Siegel stammen
zum größten Teil aus den Beständen einer Bochumer
Privatsammlung. Die Sonderausstellung "Hellenistische Münzen aus
dem Osten: Spiegel religiöser Dynamiken im kulturellen Austausch
zwischen Ost und West" ist im Münzkeller der Kunstsammlungen
noch bis zum 25. Januar 2009 zu sehen (Öffnungszeiten: Dienstag
bis Freitag 11 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11
bis 18 Uhr; vom 24.12. bis 4.1. geschlossen). Der Eintritt ist
frei.
Abbildungen im Internet
Zwei Abbildungen zu dieser Presseinformation finden Sie im
Internet unter
http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2008/msg00356.htm
Eine der frühesten Buddha-Darstellungen überhaupt
Anlass für die Ausstellung war internationale Eröffnungstagung
des geisteswissenschaftlichen Kollegs "Dynamiken der
Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa" vor zwei Wochen
an der RUB. Gezeigt werden außerordentlich spannende Exponate:
So ist auf einer Goldmünze eine der frühesten
Buddha-Darstellungen überhaupt zu sehen. Obwohl Buddha mit einer
griechischen Inschrift bezeichnet ist und das Gold
wahrscheinlich aus dem Handel mit Rom stammt, wurde die Münze
irgendwo im indisch-pakistanisch-afghanischen Raum geprägt. Auch
ein "Porträt" von König Caspar, einem der Heiligen-Drei-Könige,
ist zu sehen, genauer: vom indischen König Gondophares, der
durch Legendenbildungen zu Caspar geworden ist.
Von Randregionen zu Zentren
Auf den Münzen tritt die hellenistische Götterwelt in einen
lebhaften Dialog mit persisch-parthischen Gottheiten, dem
Zoroastrismus, dem Hinduismus und dem Buddhismus. Dadurch machen
sie die Grundlinien der großen religiös-kulturellen
Transferbewegungen zwischen Europa und Asien zwischen dem
vierten Jahrhundert v. Chr. und dem dritten Jahrhundert n. Chr.
sichtbar. "Regionen, die wir üblicherweise als Randgebiete
zwischen den Welten der Griechen, Römer, Inder und Chinesen
bezeichnen, werden auf den Münzen plötzlich zum Zentrum der
antiken Welt und zum Sammelbecken vieler Religionen", sagt Prof.
Dr. Peter Wick (Evangelische Theologie), der die Ausstellung
zusammen mit Klaus Grigo (Bochum), Prof. Dr. Linda-Marie Günther
(RUB), Prof. Dr. Peter Mittag (Köln) und Dr. Cornelia
Weber-Lehmann (RUB) konzipiert hat.
Phallus neben Askese: Fragen tauchen auf
Vor allem die religiösen Kombinationen auf den Münzen
überraschen: So steht auf einer Münze der indische Gott Shiva
mit aufgerichtetem Phallus. Gleich daneben ist das buddhistische
Drei-Juwelen-Symbol abgebildet. "Diese Verbindung von
Fruchtbarkeit und männlicher Sexualität mit dem Symbol für
Askese können wir noch nicht hinreichend erklären", so Prof.
Wick. Bisher unveröffentlichte Siegel aus dem Persien
frühchristlicher Zeit zeigen zudem einen Mann, der einen
störrischen Esel zieht, auf dem eine schwangere Frau sitzt.
Dabei könnte es sich um die älteste erhaltene Darstellung von
Maria und Joseph auf dem Weg nach Bethlehem handeln.
Globalisierte Welt von Rom bis China
Die Besucher können noch viele weitere Entdeckungen in der
Ausstellung machen. Sie zeigt, wie zwischen dem dritten
Jahrhundert v. Chr. und dem dritten Jahrhundert n. Chr.
innerhalb der Staatsgrenzen des heutigen Indiens, Pakistans,
Afghanistans, Turkmenistans, Irans, Iraks, Syriens, der Türkei
und Griechenlands die Oberschichten bereits durch eine
globalisierte Welt verbunden waren, die bis nach Rom und China
ausstrahlte. Die Münzen stammen aus einem Raum, der sich von
Griechenland bis weit nach Indien hinein, von Ägypten bis zum
Hindukusch, bis zur Seidenstrasse und bis an die Grenzen Chinas
erstreckt. Die Machthaber, die in diesen ganz unterschiedlichen
Regionen die Münzen prägen ließen, bezeichneten sich einheitlich
in griechischer Schrift und Sprache als Basileus, als
König.
INFO
Prof. Dr. Peter Wick
Evangelisch-Theologische Fakultät der RUB
Tel.: 0234/32-23103
E-Mail: peter.wick at rub.de
Dr. Cornelia Weber-Lehmann
Kunstsammlungen der RUB
Tel.: 0234/32-24738
E-Mail: cornelia.weber-lehmann at ruhr-uni-bochum.de