[WestG] [AUS] Wer ist Franz Boas?, Minden, 17.05.-17.08.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mai 29 11:07:26 CEST 2008
Von: "Petra Brinkmann" <p.brinkmann at minden.de>
Datum: 28.05.2008, 16:05
AUSSTELLUNG
Wer ist Franz Boas?
Ausstellung in Minden erinnert an den Kulturwissenschaftler und
Humanisten und seine Kindheit und Jugend in Minden.
"Ich bin immer der Auffassung gewesen, dass wir kein Recht haben,
unsere Ideale anderen Nationen aufzuzwingen, wie fremd es uns
auch immer erscheinen mag, dass sie die Art von Leben genießen,
das sie führen, dass sie die Ressourcen ihres Landes nur langsam
nutzen, oder wie sehr ihre Ideale unseren entgegenstehen. (...)
Zu behaupten, wie wir es oft tun, dass unsere Lösung die einzig
demokratische und ideale ist, ist eine einseitige Übertreibung
des Amerikanismus."
Ein Kommentar zum Irakkrieg? Keineswegs. Wir befinden uns im
Jahre 1916: Hier kritisiert ein Anthropologe die amerikanischen
Interventionen in Mexiko und in Europa. Er bereitet dem
Kulturrelativismus den Weg, demontiert den wissenschaftlichen
Rassismus, gilt als "Vater" der amerikanischen
Kulturanthropologie und wird vor 150 Jahren im westfälischen
Minden geboren: Franz Boas. Am 17. Mai hat das Mindener Museum
die Sonderausstellung "Zwischen den Welten. Franz Boas und die
Wissenschaft vom Menschen", die an den einflussreichen
Kulturwissenschaftler, Humanisten, Demokraten und Pazifisten
erinnert, eröffnet.
Franz Boas wurde am 9. Juli 1858 als Sohn eines Kaufmanns in der
preußischen Festung Minden geboren. In einem
assimiliert-jüdischen Elternhaus, das dem liberalen Geist der
1848er Revolution verpflichtet war, und in einem vom
humanistischen Bildungsideal geprägten Umfeld wurden die
Grundlagen seiner außergewöhnlichen Karriere gelegt. Nach einem
naturwissenschaftlichen Studium und einer Expedition in die
kanadische Arktis sah sich Boas mit dem Antisemitismus der
wilhelminischen Ära konfrontiert.
Der junge Privatdozent emigrierte 1887 in die USA, wo er als
Ethnologe die Indianerkulturen der Nordwestküste erforschte, als
Professor an der New Yorker Columbia University die
amerikanische Kulturanthropologie begründete und eine ganze
Generation bedeutender amerikanischer Anthropologen und
Anthropologinnen ausbildete - unter ihnen Edward Sapir, Margaret
Mead, Alfred L. Kroeber, Robert Lowie und Ruth Benedict.
Sein Vermächtnis an die moderne Wissenschaft ist die Erkenntnis,
dass Kultur relativ ist. Als Deutscher jüdischer Herkunft,
Einwanderer in den USA und Feldforscher in der Begegnung mit
fremden Kulturen führte Franz Boas in vielerlei Hinsicht ein
Leben "zwischen den Welten". Es ließ ihn die Diskriminierung von
Indianern, Afroamerikanern und Einwanderern wahrnehmen und
sensibilisierte ihn für die Vielfalt, Einzigartigkeit und
Gleichwertigkeit menschlicher Kulturen.
Die Überzeugung, dass Völker und Nationen von einer gemeinsamen
Kultur - und nicht von der Rasse - zusammengehalten werden,
machte Franz Boas zu einem kompromisslosen Gegner des Rassismus
in jeder Form. Seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus, den
er sowohl auf Kongressen als auch in den Medien führte, verstand
der Wissenschaftler immer auch als Engagement für Deutschland.
Doch während Franz Boas in den USA als zentrale Gestalt der
Wissenschaftsgeschichte gilt, fand sein Werk in Deutschland auch
nach dem Zweiten Weltkrieg wenig Beachtung. Erst in den letzten
Jahren wird auch hier sein wissenschaftlicher Beitrag neu
bewertet.
Die Ausstellung nähert sich der Biografie des bedeutenden
Anthropologen, den Milieus und Einflüssen, die ihn im
westfälischen Minden prägten, aber auch seinem Kampf gegen den
Nationalsozialismus über exemplarische Objekte, Dokumente, Fotos
und Stimmen der Zeit.
Sein wissenschaftliches Werk und die Bandbreite seiner Arbeit zu
Sprache, Rasse und Kultur als Physischer Anthropologe,
Ethnograph, Linguist, Archäologe und Museologe sowie als
Wissenschaftsorganisator werden unter anderem durch Leihgaben
aus der Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin
veranschaulicht. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen
Rahmenprogramm begleitet und ist im Mindener Museum bis zum 17.
August 2008 zu sehen. Weitere Informationen bietet die Website
www.franz-boas.de.
INFO
Veranstaltungsdaten:
Ausstellung: Zwischen den Welten.
Franz Boas und die Wissenschaft vom Menschen
Datum: 17. 05. - 17. 08. 2008
Mindener Museum für Geschichte, Landes- und Volkskunde
Ritterstraße 23-33
32423 Minden
Tel.: 0571 97240-10 oder -20
Fax: 0571 9724040
E-Mail: museum at minden.de
URL: www.franz-boas.de
Kontakt:
Petra Brinkmann
Mindener Museum für Geschichte, Landes- und Volkskunde
Ritterstraße 23-33
32423 Minden
Tel.: 0571 89288
Fax: 0571 89680
E-Mail: p.brinkmann at minden.de
URL: www.franz-boas.de