[WestG] [LIT] Brepohl, Wilm: Germanicus gegen Arminius
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mai 13 11:21:08 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.05.2008, 12:43
LITERATUR
"Arminius gegen Germanicus"
Neuerscheinung über Römer-Feldzug sieben Jahre nach
der Varusschlacht
Ein neues Buch beschäftigt sich mit dem Feldzug der Römer in
Germanien 16 n. Chr., sieben Jahre nach der Niederlage des
römischen Stadthalters Varus in der "Schlacht im Teutoburger
Wald". In seinem Werk "Germanicus gegen Arminius" untersucht
Wilm Brepohl Voraussetzungen und Umstände des
Germanicus-Feldzuges gegen den germanischen Feldherrn Arminius
und dessen Verbündete.
In der einzigen überlieferten Darstellung schildert der
Geschichtsschreiber Tacticus, dass Germanicus in kürzerster Zeit
"tausend Schiffe" bauen ließ, auf denen er mit dem gesamten Heer,
schwerem Kriegsgerät und einer großen Menge an Proviant vom
Rhein zur linken Emsmündung gefahren sein soll.
These: Neubau unmöglich
"Aus zeitlichen Gründen, wegen fehlender Werftkapazitäten und
aus Mangel an abgelagertem Holz war es nicht möglich, in wenigen
Monaten tausend Schiffe neu zu bauen", so der Autor bei der
Vorstellung des Buches am Donnerstag (8.5.) im LWL-Römermuseum
in Haltern.
Brepohl weiter: "Um tausend neue Schiffe in Dienst zu stellen,
bedarf es zahlreicher zusätzlicher Schiffsbesatzungen. Aufgrund
der Transportmenge und der langen Fahrtdauer zwischen Rhein und
Weser werden viele Prahme, begleitet von einigen Kriegsschiffen,
im Dauereinsatz gewesen sein."
Die Vorstellung, dass eine riesige Invasionsflotte gleichzeitig
80.000 Mann sowie Pferde, Kriegsgerät und ungeheure Mengen an
Proviant anlanden kann, ist für den Autor abwegig. So würde
allein beim Anlegen von tausend Schiffen - bei einer
durchschnittlichen Schiffslänge von 20 Meter - eine Anlegerlänge
von 20 Kilometer benötigt. Außerdem wäre allein für die Soldaten
und Pferde auf See ein täglicher Trinkwasserbedarf von etwa
550.000 Litern erforderlich gewesen.
Vermutung: Mit zivilen Lastschiffen zur Weser
Zum zivilen Lastentransport gab es auf dem Rhein genügend
Lastschiffe, die auch zum Transport von Massengütern eingesetzt
wurden. Brepohl geht davon aus, dass in kürzester Zeit die
römische Rheinflotte durch die Anwerbung von zivil genutzten
flachbodigen Lastschiffen (so genannte Prahme) erheblich
aufgestockt wurde, möglicherweise auf insgesamt 1.000 Schiffe.
Die bis dahin auf Binnengewässern eingesetzten Lastschiffe
mussten allerdings durch Verstärkung der Außenwände erst
"küstenfahrtauglich" gemacht werden, um sicher die Wesermündung
zu erreichen, so die Vermutung des früheren stellvertretenden
Kulturdezernenten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Obwohl Germanicus zwei große siegreiche Schlachten gegen
Arminius geführt haben soll, gelang es ihm nicht, die
feindlichen germanischen Stämme dauerhaft zu besiegen. Die
verlustreiche und erfolglose Gesamtbilanz seines Einsatzes
führte zu seiner Abberufung durch Kaiser Tiberius. Damit war das
Ende der römischen Versuche, das freie Germanien zu erobern,
besiegelt.
INFO
Wilm Brepohl, Germanicus gegen Arminius.
Münster 2008,
Aschendorff Paperbacks,
ISBN 978-3-402-11787-3,
Preis: 9,80 Euro.