[WestG] [AKT] LWL: Friedhof in Bocholt ist Denkmal des Monats Mai

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mai 8 10:18:54 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 05.05.2008, 09:34


AKTUELL

Friedhof in Bocholt ist Denkmal des Monats Mai

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Städtischen 
Friedhof in Bocholt zum Denkmal des Monats gewählt. Seit Mitte 
des 19. Jahrhunderts wuchs durch die Industrialisierung der 
Textilfabrikation die Einwohnerzahl der Stadt Bocholt und damit 
der Bedarf nach einem neuen Friedhof.

Hermann Kraatz, der damalige Stadtbaumeister, legte 1904 einen 
Plan für einen neuen Friedhof an der Blücherstraße in Bocholt 
vor. "Sein ausgeführter Entwurf einer nahezu quadratischen 
Friedhofsanlage mit Mittelrondell und Wegestern hat seine 
unverwechselbare Gestalt bis heute bewahrt", so 
LWL-Denkmalpfleger Uwe Siekmann.

Der von Hermann Kraatz konzipierte Friedhof sei ein 
herausragendes und frühes Beispiel für die 
geometrisch-architektonischen Gestaltungsprinzipien, die Anfang 
des 20. Jahrhunderts durch die sogenannte "Reformgartenbewegung" 
in der Gartenkunst wiederbelebt wurden. Sie setzten sich bewusst 
von der bis dahin verbreiteten landschaftlichen Gestaltung von 
Gärten, Parks und Friedhöfen ab.

Das im Schnittpunkt der Hauptwege gelegene Rondell erhebt sich 
heute in drei kreisförmigen Terrassenstufen aus dem sonst ebenen 
Gelände des Friedhofs und ist mit einem Ring aus Linden umgeben. 
Exakt geschnittene konzentrische Eibenhecken prägen das Rondell, 
in dem sich neben Familiengrabstätten auch eine Ehrenanlage für 
die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs befindet.

Aufwändig gestaltete Familiengrabstätten an den Hauptwegen 
erinnern u.a. an die Begründer der Bocholter Textilindustrie. 
Darüber hinaus dokumentieren beispielsweise die am Rondell 
gelegenen Grabmale der Familien Johann Borgers, Heinrich 
Beckmann oder Max Herding die kunst- und baugeschichtlichen 
Stilrichtungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bemerkenswert sind zudem eine Kreuzi-gungsgruppe am Ende der 
Hauptallee und die im Jahr 1936 errichtete Friedhofskapelle. In 
dem Gebäude sind Elemente des Expressionismus in der 
Ornamentverglasung sowie Art Déco- Motive in der 
Portalgestaltung zu sehen. Die Kapelle dient als Aussegnungs- 
und Leichenhalle sowie als Sitz der Friedhofsverwaltung.

Uwe Siekmann: "Der Hauptfriedhof in Bocholt dokumentiert 
einerseits die Entwicklung in der Gestaltung der Friedhöfe in 
der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts und zeigt andererseits, 
dass die Überlieferung und Erhaltung dieses herausragenden 
Gartendenkmals vor allem der konsequenten Arbeit der Bocholter 
Friedhofsgärtner zu verdanken ist."