[WestG] [TV/R] Dokumentation: '68 an Rhein, Ruhr und Weser, WDR, ab 09.05.2008

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Do Mai 1 15:58:49 CEST 2008


Von: "Lernzeit" <Lernzeit at WDR.DE>
Datum: 30.04.2008, 19:11


TV / RADIO

Freitag, 9. Mai 2008  
Dokumentation
20.15 - 21 Uhr, WDR Fernsehen
'68 an Rhein, Ruhr und Weser (Teil 1) - Revolte im Anzug  

Teil 2: Lange Haare gegen alte Zöpfe, am 16. Mai 2008
ab 20.15 Uhr im WDR Fernsehen.

Ein Zweiteiler blickt mit kritisch-interessiertem Blick zurück auf eine Zeit, ohne die das Land an Rhein, Ruhr und Weser nicht so wäre, wie es heute ist. 

1968 - eine Jahreszahl, die Bilder wachruft von Protesten und Polizeiknüppeln, von Wasserwerfern und Straßenschlachten in Berlin oder Frankfurt. Doch die ersten großen Jugendunruhen finden schon zwei Jahre zuvor in Köln statt: Rund 10.000 Schüler und Studenten demonstrieren im Oktober 1966 drei Tage lang gegen die Fahrpreiserhöhungen der Kölner Verkehrsbetriebe, die Polizei reagiert mit Härte. Für viele der Jugendlichen eine erste Lektion in Zivilcourage - und der Startschuss für das Aufbegehren der jungen Generation an Rhein, Ruhr und Weser gegen die als autoritär und spießig empfundene Gesellschaft der Adenauer-Ära. Eine Jugend, die mit Demokratie ernst machen will, trifft auf Eltern, die froh sind, Nationalsozialismus, Krieg und Hunger hinter sich gelassen zu haben und nun den hart erarbeiteten Wohlstand genießen wollen: Zündstoff, der bald die ganze Gesellschaft erfasst. 

Während sonst oft Berlin oder Frankfurt im Mittelpunkt stehen, erzählt der Zweiteiler von den bewegten Zeiten in Nordrhein-Westfalen. Neben unbekannten Zeitzeugen erinnern sich auch Prominente wie Ulrich Wickert, Günter Wallraff, Kurt Biedenkopf oder Florence Hervé an politische wie private Erlebnisse. Und über den Fernseher kommt die Weltpolitik in die Wohnzimmer an Rhein, Ruhr und Weser: Der Vietnamkrieg, der Tod Benno Ohnesorgs, die Pariser Krawalle , die Reden von "Bürgerschreck" Rudi Dutschke, der schließlich höchstpersönlich zum legendären Streitgespräch mit Johannes Rau in die Stadthalle nach Wattenscheid kommt - eine Begegnung mit überraschendem Ende. 

Ein frischer Wind weht durch alle Bereiche der Gesellschaft: Junge freche Kabarettisten wie die Kölner Gruppe "Floh de Cologne", Dieter Süverkrüp oder Hanns Dieter Hüsch kommentieren den brutalen Krieg der USA in Vietnam, der Künstler Joseph Beuys schockt mit provokanten Aktionen. Und eine lebendige Musikszene holt Weltstars in die Provinz: So geben sich im Herforder "Jaguar Club" Rocklegenden wie The Who, Cream oder Jimi Hendrix die Klinke in die Hand. Die neuen harten Rhythmen werden zum Protestmittel gegen die Erwachsenen, die derweil lieber Heintjes "Mama" lauschen - dem Schlagerhit des Jahres 1968. Musikalisches Highlight: Das "Woodstock in Essen", die Essener Songtage im Herbst 1968. Hier steht auch eine gewisse Uschi Obermaier auf der Bühne und lernt den Studenten Rainer Langhans kennen - die erste Begegnung des legendären Kommunenpärchens. 

Damit einher geht die Forderung nach einem freizügigeren Umgang mit Sexualität, - die Pille macht es möglich. Statt Ehe und Familie werden neue Lebensformen ausprobiert, Wohngemeinschaften und Kommunen . Doch die sexuelle Befreiung gilt erst einmal nur für die Männer, die jetzt keine Angst mehr vor der Familienverantwortung haben müssen - aus Protest gegen die Unterdrückung der Frauen auch in der vermeintlich fortschrittlichen "linken" Bewegung gründen junge Frauen bald in Münster und anderswo erste Frauengruppen und "Weiberräte" - die Wurzeln der Frauenbewegung. 

2-teiliger Film von Carsten Günther

Besuchen Sie auch die Seiten von WDR-dok & Doku am Freitag.


INFO

Schwerpunkt 1968 im WDR: http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=1076173