[WestG] [AKT] Vortrag: Feuerbringer und Rebell, Ein Abend um den Mythos Prometheus, 28.03.2008, Hattingen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 27 09:42:55 CET 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.03.2008, 08:55


AKTUELL

Feuerbringer und Rebell
Ein Abend um den Mythos Prometheus im Hattinger 
LWL-Industriemuseum

Was hat ein Hochofen mit der antiken Mythologie zu tun? Am 
Freitag, 28. März, nimmt Professorin Monika Schmitz-Emans 
Museumsbesucher mit in die Schöpfungsgeschichte der alten 
Griechen. Und die ist untrennbar mit dem Namen "Prometheus" 
verbunden. Ihr Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Hattinger 
Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Mit der Moderne verbindet sich eine Wendung des Menschen vom 
Spirituellen zum Weltlichen. Er begnügt sich nicht mit der 
Anbetung des Schöpfers, er schöpft selbst. Im 19. Jahrhundert 
boomt die Industrie. Mit ihr werden neue Helden geboren und alte 
neu entdeckt. Der Mythos der Industrialisierung schlechthin ist 
die "Prometheus"-Sage.

Prometheus schuf den Menschen, mehr schlecht als recht. Der 
Mensch hörte, aber verstand nichts, er sah, aber erkannte 
nichts. Mit göttlichem Beistand wurde der Mensch Herr über seine 
Sinne und seinen Verstand. Doch nach wie vor war er der Willkür 
der Götter, besser: den Mächten der Natur ausgeliefert.

Prometheus machte dem Menschen das Feuer zum Geschenk, womit er 
nun auch die Macht über die Elemente erhielt. Das ist die kurze 
Version vom guten Prometheus. In der langen Version spielen Lüge,
 Betrug, Diebstahl und Folter eine Rolle. Gekoppelt ist der 
Prometheus-Mythos zudem an die Geschichte seines Bruders 
Epimetheus, der der ersten Frau "Pandora" verfallen war.

Mit ihr kommen Schönheit, Kunst, Geschicklichkeit und Neugier in 
die Welt, aber auch Tod, Krankheit, Not, Verzweiflung und nicht 
zuletzt die Arbeit. Das ist die andere, unschöne Seite von 
Erkenntnis, Kreativität und Herrschaft über die Elemente. Das 
Ende des "goldenen Zeitalters" also, vergleichbar mit der 
christlichen Vertreibung aus dem Paradies.

Was also ist Prometheus? Ein Wohltäter oder ein Brandstifter? 
"Der feuerbringende Titan Prometheus gehört zu den 
ambivalentesten Gestalten des an zwielichtigen Vertretern 
reichen Personals der antiken Mythenwelt. Sein Bild changiert 
seit je her zwischen dem eines positiven Leitbildes und dem 
eines gefährlichen und entsprechend hart bestraften Frevlers", 
erklärt P Schmitz-Emans. "Er ist Rebell gegen Zeus und zugleich 
der Begründer diverser kultureller Techniken, er ist 
Ordnungsstörer und Ordnungsstifter."

Schmitz-Emans ist seit 1995 Professorin für Allgemeine und 
Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität in 
Bochum. Schillernde Gestalten wie eben Prometheus faszinieren 
sie und sie folgt ihnen in die Literatur, die Philosophie, die 
Kunst. Dabei begegnet ihr das Promethische an zunächst 
unvermuteten Stellen.

Immerhin wurde bereits seit der Renaissance in philosophischen, 
literarischen und kulturtheoretischen Schriften an den 
Prometheusmythos angeknüpft. Dabei wurden die verschiedenen 
Rollen des Titanen mit aktuellen Bedeutungen versehen.

"Die Zwielichtigkeit des Prometheus verschärft sich, sobald 
Kultur und Technik selbst ins Zwielicht rücken und ihre 
destruktive und lebensfeindliche Kehrseite entdeckt wird", 
erläutert die Bochumer Professorin, "Mary Wollstonecraft 
Shelleys Roman 'Frankenstein, or the New Prometheus' (1818) 
erzählt von einem Rebellen gegen die göttliche Ordnung. Aber 
nicht nur Victor Frankenstein, der Menschenschöpfer, ist ein 
neuer Prometheus, sondern auch sein Geschöpf ..."

Der Eintritt ist frei.


INFO

LWL-Industriemuseum
Henrichshütte in Hattingen
Werksstraße 31-33
45527 Hattingen
Tel.: 02324 9247-0
Fax: 02324 9247-112
E-Mail: birgit.schulz at lwl.org