[WestG] [AKT] "Stolpersteine" erinnern an Familie Loewenstein, Dr. John Goldsmith besuchte Bocholt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jan 31 10:48:44 CET 2008
Von: "Stadt Bocholt" <info at presse-service.de>
Datum: 30.01.2008, 13:32
AKTUELL
"Stolpersteine" erinnern an Familie Löwenstein
Dr. John Goldsmith besuchte Bocholt
Die zweite Runde der Verlegung von "Stolpersteinen" in der Stadt
Bocholt am 28. Januar 2008 war auch Anlass für den ehemaligen
Bocholter Mitbürger jüdischen Glaubens, Dr. Henry John Goldsmith
(83), vormals: Hans Goldschmidt, die Heimatstadt seiner
Großmutter, Minna Löwenstein, zu besuchen.
Dr. Goldsmith war bereits Anfang der 90er Jahre in Bocholt
gewesen und hat die jetzige Reise gemeinsam mit seinem Sohn
Jonathan unternommen. Für Jonathan Goldsmith war es der erste
Besuch in Bocholt, und er lernte hier die verschiedenen
Stationen aus der Kindheit seines Vaters kennen.
Im Alter von 7 bis 8 Jahren lebte Dr. Goldsmith gemeinsam mit
seiner Mutter Malli in den Jahren 1932-33 in Bocholt. Nach der
Ermordung seines Stiefvaters Dr. Alfred Meyer, ein Düsseldorfer
Zahnarzt, floh sine Mutter mit ihm nach Amsterdam. Dort besuchte
er eine niederländische Schule und lernte fließend die neue
Sprache. Die Flucht endete schließlich im Jahr 1937 in England,
da seine Mutter dort die Erlaubnis erhielt, als Zahnärztin zu
praktizieren.
Goldsmith studierte in England Medizin und arbeitete sowohl in
Chicago (USA) und London (Großbritannien) bis er als Leiter der
Universitätsklinik in Liverpool in den Ruhestand ging. Als
Facharzt war er an der Entwicklung der künstlichen Niere
beteiligt und stattete deshalb der Dialysestation im Bocholter
St. Agnes-Hospital einen kurzen Besuch ab. "Sie sind dort sehr
gut und modern eingerichtet.", so sein Fazit nach dieser
Stippvisite. Auf dem jüdischen Friedhof in Bocholt besuchte er
das Grab seiner Großmutter und unternahm anschließend einen
Spaziergang in der niederländischen Nachbargemeinde Dinxperlo.
Bereits am Anreisetag wurden die beiden Goldsmith’ von der 1.
stellvertretenden Bürgermeisterin Christel Feldhaar zusammen mit
einigen Vertreterinnen und Vertretern des Koordinierungskreises
Stolpersteine in Bocholt begrüßt. Hier wurden erste Erinnerungen
und Informationen über die Aktion "Stolpersteine" ausgetauscht.
Am Montag, 28. Januar 2008, fand im Beisein von Dr. Goldsmith
die Verlegung von sieben Stolpersteinen für die Familie
Löwenstein am Hause seiner Großmutter durch den Initiator und
Künstler dieser Aktion, Gunter Demnig, am Hemdener Weg statt.
Auch Bürgermeister Peter Nebelo war bei dieser Aktion zugegen
sowie eine Klasse des St. Georg-Gymnasiums, die aktiv dieses
Projekt begleiten.
Vor seinem Heimflug nach Liverpool besuchte Dr. Goldsmith noch
die "Mahn- und Gedenkstätte" in Düsseldorf. Dort konnte er die
dort vorhandenen Informationen über seine Familie ergänzen und
seinem Sohn einen weiteren Einblick in das Leben und die
Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger in Düsseldorf
vermitteln.
"Diese zwei Tage in Bocholt sind mir wie zwei Wochen vorgekommen
- so viel habe ich gesehen.", mit diesen Worten verabschiedete
sich Dr. Goldsmith von seiner Heimatstadt und bedankte sich
nochmals bei allen Beteiligten für die Möglichkeit, dass er und
sein im Rahmen der Aktion "Stolpersteine", ein letztes Mal die
Stadt Bocholt besuchen konnten.