[WestG] [AKT] Eric Hobsbawm erhielt am Freitag den III. Bochumer Historikerpreis
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Dez 1 11:45:09 CET 2008
Von: "Forum Geschichtskultur" <forum at geschichtskultur-ruhr.de>
Datum: 01.12.2008, 11:28
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "geschichtskultur ruhr"
AKTUELL
Eric Hobsbawm erhielt am Freitag den III. Bochumer
Historikerpreis
Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird an Historikerinnen und
Historiker vergeben, die mit ihrem Werk vor allem im Bereich der
Sozial- und Wirtschaftsgeschichte besondere Aufmerksamkeit
gefunden haben. Gestiftet wurde der Bochumer Historikerpreis von
der Stadt Bochum, der Ruhr-Universität, der Stiftung der
Sparkasse Bochum und der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets.
Nach dem Jenaer Historiker Lutz Niethammer 2002 und dem Berliner
Geschichtswissenschaftler Jürgen Kocka 2005 wird mit Eric
Hobsbawm 2008 erstmals ein nicht-deutscher Preisträger gekürt,
der wie wenige andere die Geschichtsschreibung über das 19. und
vor allem über das 20. Jahrhundert geprägt hat.
Eric Hobsbawm hat sowohl thematisch als auch methodisch der
Geschichtswissenschaft in zahlreichen Bereichen wichtige Impulse
vermittelt. Seine Forschungen zur Arbeiter- und
Bewegungsgeschichte, seine Anregungen für die Perspektive einer
Sozialgeschichte "von unten" und seine Studien zu Entwicklungen
jenseits des Nationalstaats zeugen nicht nur von der "Breite"
des Blicks von Hobsbawm, sondern auch von der Reichweite seiner
Deutungen. In seinem langen Forscherleben hat der mittlerweile
91-jährige Hobsbawm, der stets ein politisches Leben geführt hat,
die Geschichtswissenschaft außergewöhnlich stark geprägt.
Bilanziert man resümierend Leben und Werk von Eric Hobsbawm, so
fällt neben der engen Verzahnung von persönlichem Engagement und
der Fähigkeit zur reflektierten, synthetisierenden
Geschichtsdarstellung vor allem die Wirkung auf, die Hobsbawm
entfaltete. Eric Hobsbawm war - wie anlässlich der Verleihung
der Wiener Ehrenbürgerwürde an ihn betont wurde - "einer der
großen Anreger für eine Geschichtsforschung, die sich seit den
sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf den Traditionen eines
auf Persönlichkeiten und Ereignisse fokussierten
theoriefeindlichen und theoriefernen Umgangs mit Geschichte
befreite" (Hubert Christian Ehalt, 2008) .
Die Antriebe seiner wissenschaftlichen wie politischen Aktivität
basierten in hohem Maße auf dem Ideal der sozialen
Gerechtigkeit. Hobsbawms Sympathien gehörten stets den
Außenseitern, den Unterdrückten und den Kämpfern für
Gerechtigkeit. Wie Gerhard Botz konstatiert, manifestiert sich
dies bei Hobsbawm neben dem "linkskritischen Engagement" und der
"Verpflichtung zur Geschichtsaufklärung" vor allem in "mehr oder
weniger modernisierungstheoretische und makrohistorische
Orientierungen". Obgleich gerade in den letzten Jahren - vor
allem im Kontext seiner Autobiografie - bei Hobsbawm eine
gewisse politische Resignation durchschimmert, so scheint der
Fortschrittsglaube und die Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit
weiter manifest zu sein. Als unorthodoxer britischer Marxist hat
Hobsbawm mit zahlreichen hellsichtigen Publikationen der
Geschichtswissenschaft wichtige Impulse geliefert.
INFO
Auszug aus: Benjamin Legrand, Jürgen Mittag: Historiografie
zwischen Engagement und Wissenschaft im "Zeitalter der Extreme".
Eric Hobsbawm ist Träger des III. Bochumer Historikerpreises
(2008), in: FORUM Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur,
2/2008, S. 60 f.
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