[WestG] [AKT] LWL-Ziegeleimuseum beleuchtet die Geschichte der Frauen in den 1950er Jahren, Lage, 31.08.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Aug 27 10:00:05 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 26.08.2008, 11:16
AKTUELL
Im Petticoat am Nierentisch?
LWL-Ziegeleimuseum beleuchtet mit Bildvortrag die Geschichte der
Frauen in den 1950er Jahren
Frauen, Kinder und Alte gaben Flucht und Vertreibung ein
Gesicht: Während die Männer im Krieg oder in
Kriegsgefangenschaft waren, trugen die Frauen die Verantwortung
dafür, dass die Familie überlebte, zusammenblieb und wieder auf
die Beine kam. Aus der Nachkriegszeit sind sie als Trümmerfrauen
im Gedächtnis geblieben. Danach verschwinden sie von der
Bildfläche, bis sie in der Werbung der 50er Jahre im Petticoat
oder am Nierentisch wieder auftauchen. Haben die Frauen wirklich
wieder zu ihrer traditionellen Rolle als Hausfrauen und Mütter
zurückgefunden, während die Männer fest im Berufsleben standen
und ihren Beitrag zum Wirtschaftswunder leisteten? Dieser Frage
geht der Bildvortrag "Frauengeschichten" von Anke Asfur und Anja
Kuhn am kommenden Sonntag, 31. August, nach, zu dem der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) um 14 Uhr in sein
Ziegeleimuseum nach Lage einlädt. Dort ist noch bis 21.
September die Sonderausstellung "Aufbau West. Neubeginn zwischen
Vertreibung und Wirtschaftswunder" zu sehen. Im Mittelpunkt
stehen dabei die Leistungen und Erfahrungen der Flüchtlinge und
Vertriebenen aus dem Osten, die nach 1945 mit Arbeitskraft,
Know-how und Unternehmergeist zum Wiederaufbau hierzulande
beitrugen.
"Flüchtlings- und Vertriebenenfrauen hatten nach Kriegsende eine
doppelte Last zu bewältigen: Den ohnehin schwierigen Neubeginn
im Westen mussten viele von ihnen allein bewältigen," erklärt
Anke Asfur aus dem Ausstellungsteam. Sie hat die Lebenswege von
acht Frauen erforscht, die "Aufbau West" beispielhaft vorstellt.
Darunter ist auch die Geschichte von Erika Netzer, die Anfang
1945 als Sechsjährige mit ihren Eltern aus Pommern floh und dann
einige Jahre in einem Auffanglager in Schleswig-Holstein lebte,
bevor sie nach Dortmund umzog.
"Im Lager hat meine Mutter sofort wieder gearbeitet. Sie war
bereits in Pommern als Köchin beschäftigt und fand auch im
Westen direkt wieder eine Anstellung auf einem nahe gelegenen
Gut", berichtet Erika Netzer. Frauen arbeiteten nach dem Krieg
vor allem in der Landwirtschaft, im Textilgewerbe, in der
Hauswirtschaft und in der Verwaltung. Vorstellungen über den
Wunschberuf traten bei den meisten schnell in den Hintergrund.
"Wichtig war vielmehr, den privaten Aufbau West zu bewältigen
und für die Familie wieder ein sicheres wirtschaftliches wie
soziales Fundament zu schaffen", so Anja Kuhn vom
LWL-Industriemuseum.
INFO
Ausstellung
Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und
Wirtschaftswunder
bis 21.09.2008
LWL-Industriemuseum
Ziegeleimuseum in Lage
Sprikernheide 77
32791 Lage
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr