[WestG] [AKT] Expertenaustausch an der Grabungsstelle: Kulturdezernentin besucht Archaeologen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Aug 20 10:13:06 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.08.2008 15:26
AKTUELL
Expertenaustausch an der Grabungsstelle
LWL-Landesmuseum: Kulturdezernentin besucht Archäologen
Im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
untersuchen Archäologen der Stadt Münster
seit Mitte Mai das Bodendenkmal auf dem Vorplatz des
LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte. Einen Monat
vor dem Ende der Grabungen war LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara
Rüschoff-Thale jetzt am Domplatz zu Besuch, um sich über den
aktuellen Stand der Dinge zu erkundigen.
Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers verschaffte Barbara
Rüschoff-Thale einen Überblick über die bisher gesammelten Funde
und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. "Es ist wirklich
erstaunlich, wie viel die Kollegen hier schon ans Tageslicht
gebracht haben", lautete der erste Eindruck der
LWL-Kulturdezernentin, die selbst eine erfahrene Archäologin
ist.
Zu Beginn der Untersuchungen stießen die Ausgräber zunächst auf
die Grundmauern der van Galenschen Kurie, die zwischen 1664 und
1668 in der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock
entstand. Das Gebäude, das bei einem Bombenangriff im Oktober
1943 zerstört wurde, ist durch Bauzeichnungen und Fotos aus den
letzten Jahren seiner Nutzung bekannt. Auch Mauern des
Vorgängerbaus legten Grabungsleiterin Dr. Andrea Bulla und ihre
sechs Helfer während ihrer Ausgrabungen frei.
Außerdem entdeckten sie die Überreste einer Hofstelle aus dem 9.
oder 10. Jahrhundert, zu der neben einem Speicher und einem
Grubenhaus ein Wohn- und wahrscheinlich mehrere Nebengebäude
gehörten. "Dort lebten im frühen Mittelalter Handwerker, was uns
die Funde deutlich zeigen", sagte Dr. Aurelia Dickers.
Verschiedene Zeugnisse aus der handwerklichen Produktion wiesen
auf die Knochen- und Metallverarbeitung hin. Zudem fanden die
Archäologen Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Handmühlen,
Wetzsteine oder Tongefäße und persönliche Dinge wie kunstvoll
verzierte Gewandnadeln, so genannte Fibeln.
Ein Bruchsteinkeller aus dem Mittelalter ist die neueste
Entdeckung des Forscherteams. Er soll in den kommenden Wochen
weiter untersucht werden. "Das Gebäude, das zeitlich zwischen
der Handwerkerstätte und dem Vorgängerbau der van Galenschen
Kurie einzuordnen ist, taucht auf keinem uns bekannten Plan auf
und ist uns daher völlig unbekannt", so Dickers.
Mit der Vielzahl der Funde am Vorplatz des LWL-Landesmuseums
hatte die Stadtarchäologin selbst nicht gerechnet. Durch den
Neubau des Museums ab Anfang 2009 wird das Bodendenkmal aber
wieder bedeckt und zum Teil zerstört. "Es wäre natürlich schön,
wenn etwas davon erhalten und für die Allgemeinheit sichtbar
bliebe", wünscht sich die LWL-Kulturdezernentin. Gemeinsam mit
Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold will sie nun prüfen, ob der
Blick auf alte Mauerreste erhalten bleiben kann. "Begehbare
Glasbodenfenster im Museumsneubau können Einblicke in die
frühere Besiedlungsgeschichte Münsters geben und so eine
Verknüpfung mit der Gegenwart herstellen", erläuterte
Rüschoff-Thale ihre Vorstellung. In welcher Form das Vorhaben
umsetzbar ist, müssten die Experten des Architekturbüros Staab
Architekten in Berlin und die des LWL-Bau und
Liegenschaftsbetriebs prüfen.
INFO
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
Tel.: 0251 5907-01
E-Mail: landesmuseum at lwl.org
URL: www.landesmuseum-muenster.de