[WestG] [AUS] Wanderausstellung zu Ritualen des Feierns, Billerbeck, 20.04.-15.06.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Apr 11 10:36:50 CEST 2008
Von: "Reinhild Mackowiak" <reinhild.mackowiak at kreis-coesfeld.de>
Datum: 10.04.2008, 12:17
AUSSTELLUNG
Festliche Reise um die Welt
Das Schützenfest und andere Rituale
Kolvenburg 20. April bis 15. Juni 2008
Von der pakistanischen Hochzeit zum Schützenfest /
Kolvenburg zeigt Ausstellung zu Ritualen des Feierns
Menschen feiern Feste, überall auf der Welt. Die Kolvenburg in
Billerbeck lädt ihre Besucherinnen und Besucher ein zu einer
"Festlichen Reise um die Welt". Die Wanderausstellung macht vom
20. April bis 15. Juni 2008 Station im Kulturzentrum des Kreises
Coesfeld.
Der Begriff "Ritual" klingt in westfälischen Ohren fremdartig
und will so gar nicht zu dem Begriff "Schützenfest" passen. Und
doch haben der LWL und der Verein Ethnologie in Schule und
Erwachsenenbildung (ESE) ihrer gemeinsamen Wanderausstellung
"Festliche Reise um die Welt" den Untertitel "Das Schützenfest
und andere Rituale" gegeben. Im Mittelpunkt der Ausstellung
stehen vier zunächst unterschiedliche Feste aus vier
Kontinenten: eine Hochzeit in Pakistan, das Festival de l’Air im
nördlichen Niger, das mexikanische Fliegerspiel und eben das
typisch westfälische Schützenfest.
Die Ausstellung ist bewusst als eine Reise um die Welt
inszeniert, deren letzte Station das Schützenfest in Westfalen
ist. So unterschiedlich die vier Feste sind, die die Ausstellung
anhand von Fotos, Festkleidung, einer Fliegerkappe, Schmuck und
natürlich einer Schützenkönigskette sowie einem Schützenvogel
vor Augen führt - haben sie doch viele Gemeinsamkeiten: Die
Feste unterbrechen den Alltag und verkehren ihn in sein
Gegenteil, indem sie ihn durch rauschhafte Formen der
Geselligkeit ersetzen. Die Feste schaffen Gemeinschaft, halten
diese zusammen und festigen damit die Identität als Gruppe.
Dabei geben immer wiederkehrende Riten Ordnung, Struktur und
damit Sicherheit. Welche - oft religiösen - Hintergründe ein
Fest hat, wissen viele der Mitfeiernden überhaupt nicht: Das
Fliegerspiel in Mexiko war ursprünglich eine Zeremonie, mit der
die Feiernden um Regen gebeten haben. Mit der Kolonialisierung
machten es die Spanier zu einem Bestandteil des christlichen
Patronatsfestes, heute ist es in erster Linie eine
Touristenattraktion.
Umgekehrt war es beim noch recht jungen "Festival del l’Air" im
nördlichen Niger: Das Fest wurde 2001 ins Leben gerufen, um
Touristen in die abgelegene Wüstenregion zu locken. Innerhalb
von wenigen Jahren ist daraus unabhängig vom Tourismus ein
Kulturfest von Tuareg für Tuareg mit Kamelrennen, Musik und Tanz
geworden. Auf diese Weise festigt und stärkt das Fest die
ethnische und regionale Identität der Tuareg.
Über das westfälische Schützenfest informierten die
Kulturabteilung und das Archiv des Kreises bereits 2006 mit
einer eigenen Ausstellung. Es wird häufig mit Biergelage und
militärischem Auftreten in Verbindung gebracht, die historischen
Hintergründe kennt kaum jemand. Dass beim Schützenfest viel Bier
getrunken wird, hat nicht in erster Linie mit der Feierlust der
Westfalen zu tun. Bier war ursprünglich das einzig mögliche
Festgetränk, da Wein zu teuer war und das Wasser nicht sauber
und daher Träger vieler Krankheitserreger.
Der militärische Charakter des Schützenfestes geht auf das
Mittelalter und die frühe Neuzeit zurück, als es Aufgabe der
Schützengesellschaften war, die Stadtmauern zu pflegen und zu
verteidigen. Diese Aufgaben fielen zu Beginn des 18.
Jahrhunderts weg, die militärischen Rollen blieben erhalten.
Indem Kaiser Wilhelm II. sich gerne in Phantasieuniformen zeigte,
trug er dazu bei, dass auch die Schützenbrüder uniformiert
feierten.
Der verbreiteten Verehrung und Imitation der Kaiserfamilie hat
das Fest ein heute unabdingbares Element zu verdanken: den
Schützenkönig samt Hofstaat. Und hier kommen die Frauen ins
Spiel, die nicht nur eine "dekorative Funktion" hatten, sondern
für das Fest unentbehrlich wurden.
Solche ausgeprägten Rollen für Männer und Frauen gibt es nicht
nur in Westfalen. In islamisch geprägten Kulturen ist der Mann
beispielsweise für das Repräsentieren der Familien nach außen
verantwortlich, während die Frau für Haushalt und Erziehung
verantwortlich ist. In Pakistan bedeutet dies, dass Männer und
Frauen bei Hochzeiten in getrennten Räumen feiern.
Zur Ausstellung werden Führungen sowie ein Begleitbuch
angeboten. Elf reich bebilderte Beiträge vertiefen die
Ausstellungsinhalte des Buches, das für 12,- Euro an der
Museumskasse erhältlich ist. Am 17.5. findet ein Vortrag mit
anschließender Führung durch Frau Brünenberg statt, auf den noch
gesondert in der Presse hingewiesen wird.
Geöffnet:
dienstags - samstags 13.00 bis 18.00 Uhr, an Sonn- und
Feiertagen 10.00 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17.30 Uhr. Infos
unter 02543-1540.
INFO
Zeit:
Datum: 20.4. - 15.6.2008
Ort:
Kolvenburg
An der Kolvenburg
48727 Billerbeck
Tel.: 02543 1540
Fax: 02543 8211
E-Mail: kultur at kreis-coesfeld.de
URL: http://kolvenburg.baumberge.net/home/index.asp?w=pages