[WestG] [AKT] Salon Frauenbilder: Das Leben der Wittener Frauenrechtlerin Rebecca Hanf, 17.04.2008, Witten-Bommern

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Apr 9 10:08:26 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.04.2008, 14:15


AKTUELL

Das Leben der Wittener Frauenrechtlerin Rebecca Hanf 
Nächster "Salon" im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

Der Frauenrechtlerin Rebecca Hanf ist der nächste "Salon 
Frauenbilder" gewidmet, zu dem der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) am Donnerstag, 17. April, in sein 
Industriemuseum Zeche Nachtigall nach Witten einlädt. Erinnert 
wird an eine Frau, die sich in Witten jahrzehntelang für die 
Stadtgesellschaft engagierte, und die am Ende ihres Lebens Opfer 
der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde.

Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs Witten, 
forscht als Historikerin und Soziologin zu Leben und Werk von 
Rebecca Hanf. Gemeinsam mit Brigitte Koch, die seit vielen 
Jahren als Amateur-Schauspielerin auftritt, wird sie die 
Protagonistin mit Bildern sowie Zitaten aus Briefen und 
Manuskripten vorstellen. Die zweistündige Veranstaltung beginnt 
anders als angekündigt erst um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, 
eine vorherige Anmeldung nicht erforderlich.

Rebecca Hanf

Rebecca Hanf, 1863 in Iserlohn (Märkischer Kreis) geboren, 
stammte aus der jüdischen Familie Löwenstein-Porta. Nach ihrer 
Heirat mit dem Wittener Bankier Moritz Hanf zog sie 1885 nach 
Witten. Sechs Kinder gingen aus der Ehe hervor. Mit dem Umzug 
der Familie in die 1903 errichtete "Villa Hanf" im Johannisweg 
(heute Parkweg) engagierte sie sich zunehmend in der 
ehrenamtlichen Sozialarbeit und in der bürgerlichen 
Frauenbewegung.

Rebecca Hanf war jahrzehntelang Vorsitzende des Jüdischen 
Frauenvereins und Vorstandsmitglied des überkonfessionellen 
"Verein Frauenwohl" in Witten. Dieser hatte 1911 die 
"Auskunftsstelle über Berufswahl und Ausbildungsangelegenheiten 
für Frauen" eröffnet. Gemeinsam mit der Wittener Politikerin und 
Frauenrechtlerin Martha Dönhoff war sie hier einmal wöchentlich 
beratend tätig.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges zählte Rebecca Hanf zum 
patriotischen Flügel der Frauenbewegung, der eine "Stärkung der 
Heimatfront" für den "Sieg der Nation" propagierte. Die 
Schrecken des Krieges und der Tod des eigenen Sohns, der 1918 
als Vizefeldwebel in Frankreich sein Leben ließ, veränderten 
ihre Haltung. Jetzt sah sie die Friedensarbeit als wichtiges 
Aufgabengebiet der Frauen und initiierte nach Kriegsende die 
Nachbarschaftshilfe in Witten, die sich um verarmte 
Kriegshinterbliebene kümmerte.

Als assimilierte deutsche Jüdin zu Beginn des 20. Jahrhunderts 
bewegte sich Rebecca Hanf zwischen Räumen und Zeiten, zwischen 
einer (noch) traditionellen jüdischen Welt und einer zunehmend 
ausgrenzenden "christlichen" Gesellschaft. Auf der Suche nach 
einem eigenen Ort in dieser Gesellschaft verstärkte sie ihr 
kulturelles und bildungsbürgerliches Engagement: Hausmusikabende 
und philosophische Gesprächskreise waren in der "Villa Hanf" 
eine regelmäßige Einrichtung.

Darüber hinaus führte sie als Anhängerin Kants rege 
Korrespondenzen mit namhaften deutschen Philosophen wie Ernst 
Marcus und Salomo Friedländer, den sie auch in der Emigration 
unterstützte.

Emigration, Flucht, KZ-Haft und Tod sind das Familienschicksal 
der Wittener Familie Hanf. Rebecca Hanf, die mit ihrem Mann 1939 
in die Niederlande geflohen war, wurde im Alter von 81 Jahren 
aus dem sogenannten Sammellager Westerbork nach Auschwitz 
deportiert und dort im Januar 1944 ermordet.

Salon Frauenbilder

Die Veranstaltungsreihe des LWL-Industriemuseums ist ein 
spezielles Angebot insbesondere - aber nicht ausschließlich - 
für Besucherinnen. In entspannter Atmosphäre werden Kurzvorträge,
Lesungen, Bilder und Literatur angeboten. Das Gehörte und 
Gesehene soll Anregungen für Gedanken- und Informationsaustausch,
für kritische Diskussionen und Analysen bieten. Damit die Sinne 
nicht zu kurz kommen, wird jeder Salon begleitet von passender 
Musik. Getränke und Gebäck gehören ebenfalls zum Angebot. Die 
Auswahl der Portraits orientiert sich am Themen- und 
Zeitspektrum des Museums.


INFO

LWL-Industriemuseum
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten-Bommern
Tel.: 02302 93664-0
Fax: 02302 93664-22
E-Mail: Zeche-Nachtigall at lwl.org