[WestG] [AKT] Vortrag: Johann Friedrich Moeller aus landeshistorischer Sicht, 29.11.2007, Hagen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Nov 26 11:07:25 CET 2007
Von: "Historisches Centrum Hagen" <info at historisches-centrum.de>
Datum: 23.11.2007, 11:19
AKTUELL
200. Todestag von Johann Friedrich Möller:
Ein Vertreter der Aufklärung in Westfalen.
Donnerstag, 29. November 2007, 18.30 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus:
Johann Friedrich Möller aus landeshistorischer Sicht
Melanchton-Haus,
Kirchplatz 5,
58119 Hagen
Am 2. Dezember 2007 jährt sich der 200. Todestag des Elseyer
Stiftspredigers Johann Friedrich Möller (geb. 1750, gest. 1807).
Der "Pfarrer von Elsey" gehörte um 1800 zu den wichtigsten
Vertretern der Aufklärung und des Geisteslebens in Westfalen. Zu
dieser Zeit beschritt Westfalen den Aufbruch in die Moderne.
Darüber hinaus machte Möller sich einen Namen als einer der
ersten systematisch arbeitenden Landeshistoriker.
Am Donnerstag, 29. November 2007, um 18.30 Uhr, findet im
Gemeindehaus der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Elsey
(Melanchton-Haus, Kirchplatz 5, 58119 Hagen) im historischen
Stiftsbezirk Elsey, die frühere Wirkungsstätte von Johann
Friedrich Möller, aus Anlass seines 200. Todestags eine
gemeinsame Veranstaltung des Historischen Centrums Hagen, der
Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Hohenlimburg und des
Vereins für Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg e.V. statt. Prof.
Dr. Wilfried Reininghaus, Präsident der Landesarchive NRW, wird
einen Vortrag über das Leben und Wirken des Elseyer
Stiftspredigers halten. Reininghaus hat sich in der
Vergangenheit mehrfach und ausführlich mit den historischen
Arbeiten von Johann Friedrich Möller beschäftigt und darüber
publiziert.
Im freiweltlichen adeligen Damenstift Elsey, hervorgegangen aus
einem gegen 1220 durch das Grafenhaus Altena-Isenberg
gegründeten Kloster, beobachtete Johann Friedrich Möller die
politische, soziale, kulturelle und gesellschaftliche
Entwicklung in Westfalen und im Alten Reich. Ihm verdanken wir
unter anderem auch die frühesten Nachrichten über archäologische
Funde in Westfalen. Beispielsweise veröffentlichte Möller 1801
einen Bericht über den Fund von Höhlenbärenknochen, die in der
Nähe der seit einigen Jahren als Fundort der "ältesten
Westfalen" bekannten Blätterhöhle entdeckt wurden. Auch über
mehrere Grabhügel bei Elsey verfasste Möller einen eigenen
Aufsatz. Seine historischen Arbeiten zählen zu den ersten
systematischen Darstellungen zur Landesgeschichte im Raum Hagen.
Allein schon deshalb besitzt Johann Friedrich Möller für Hagen
und Westfalen eine große Bedeutung.
Möller war ein aufgeklärter Mensch. Er befasste sich mit
verschiedenen Themen, publizierte zahlreiche Aufsätze, sichtete
und übersetzte die Urkunden und Dokumente des alten
Stiftsarchivs in Elsey. Vor allem war er in den letzten
Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts auch das Sprachrohr des
Bürgertums in der Grafschaft Mark. Doch aus preußischer
Perspektive gesehen war Möller ein Ausländer, denn er lebte in
der Grafschaft Limburg. Anders als das Territorium der
westfälischen Mark, die seit 1609 zum Königreich Preußen gehörte,
zählte die Grafschaft Limburg zu den zahlreichen Kleinstaaten
im Alten Reich. Das kleine Gebiet stand seit 1592 unter der
Landesherrschaft der Grafen von Bentheim-Tecklenburg. Die
Bentheimer Landesherren achteten sehr genau auf ihre
Souveränität. So war der preußische Adler selbst an der von
Preußen betriebenen Poststation in der Grafschaft nicht erlaubt.
Johann Friedrich Möller mischte sich in aktuelle Probleme ein
und bezog zu politischen und sozialen Themen deutlich Stellung.
Er verfasste Aufsätze gegen soziale Mißstände, auch gegen die um
1800 gefürchteten Räuberbanden. In diesem Zusammenhang beklagte
er die Untätigkeit und Unfähigkeit der preußischen
Regierungsstellen. Seine Schriften gelangten auch an den
Königshof und den preußischen König Friedrich Wilhelm III., den
Möller in seiner privaten Korrespondenz hinsichtlich seiner
geistigen Fähigkeiten als etwas einfältig einschätzte.
Für das Bürgertum in Hagen und in der Grafschaft Mark
formulierte er mehrere wichtige Petitionen. So machte er
beispielsweise 1795 auf die katastrophalen wirtschaftlichen und
sozialen Folgen der Revolutionskriege gegen Frankreich
aufmerksam. Als Anfang 1806 das Gerücht die Runde machte, die
Grafschaft Mark sollte von Preußen an Frankreich abgetreten
werden, verfasste Möller im Auftrag der Hagener Kreis- und
Stadtdeputierten im März und Mai des Jahres zwei Eingaben an
König Friedrich Wilhelm III. Die beiden Eingaben machten großen
Eindruck, so dass der König im Juni 1806 den märkischen
"Untertanen" seine Treue versicherte und den Gerüchten eine
Absage erteilte. Doch schon wenige Wochen später, nach der
Schlacht bei Jena und Auerstädt, waren diese Versicherungen
nicht mehr viel wert, denn von nun an bestimmte Napoléon auch in
Preußen die weitere Politik. Im Jahre 1806 wurde die
reichsunmittelbare Grafschaft Limburg souverän. Der Graf Emil
Friedrich von Bentheim-Tecklenburg regierte für knapp zwei Jahre
ein kleines und selbständiges Staatsgebilde. Vor 200 Jahren,
wenige Monate nach Möllers Tod, vollzogen sich in der früheren
Grafschaft Mark und in der benachbarten kleinen Grafschaft
Limburg gravierende Veränderungen: Die beiden Territorien wurden
aufgelöst und im Frühjahr 1808 in das französische Großherzogtum
Berg - ein Modellstaat unter der Landesherrschaft Napoléon
Bonaparte - integriert.
Den Anfang vom Ende der preußischen Herrschaft erlebte Möller
noch, als er am 2. Dezember 1807 in seinem Wohnhaus "Wiedemhof"
in Elsey verstarb. Schon zu seinen Lebzeiten war er zu einem
Patrioten avanciert. Seinen Tod verklärten die Zeitgenossen als
Gram über den Verlust des Vaterlandes Preußen. Nach 1810 wurde
Möller mit der damals verstorbenen preußischen Königin Luise
gleichgesetzt. Auch sie soll aus Schmerz über die französische
Besetzung verstorben sein. Nach dem Zusammenbruch der
französischen Herrschaft in der Region im November 1813 setzten
Hagener und Limburger Bürger dem früheren Stiftsprediger Johann
Friedrich Möller auf dem "Klippchen" ein Denkmal. Bei der
Einweihung im Mai 1814 wurde das Gedenken an Möller mit
patriotischen Gefühlen und die damals noch nicht beendeten
"Befreiungskriege" gegen Napoléon verbunden. Das noch heute auf
einem Felsen hoch über dem Lennetal vorhandene "Möller-Denkmal"
zählt deshalb zu den frühesten Monumenten in Deutschland, die
zur Erinnerung an die französische Herrschaft und die
Befreiungskriege errichtet wurden.
INFO
Donnerstag, 29. November 2007, 18.30 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus:
Johann Friedrich Möller aus landeshistorischer Sicht
Melanchton-Haus,
Kirchplatz 5,
58119 Hagen