[WestG] [AKT] Denkmal des Monats November: Eduard-Mueller-Krematorium in Hagen-Delstern
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Nov 13 11:43:36 CET 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 12.11.2007, 14:48
AKTUELL
LWL kürt das Eduard-Müller-Krematorium in Hagen-Delstern zum
Denkmal des Monats November
Erste Feuerbestattung in Preußen
In diesem Jahr feiert die Stadt Hagen das 100-jährige Bestehen
des ersten Krematoriums in Preußen. Aus diesem Anlass hat der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) dieses bedeutende
Baudenkmal jetzt als Denkmal des Monats November ausgezeichnet.
Das Krematorium, das der Architekt Peter Behrens 1906/07 entwarf,
war ein in seiner Entstehungszeit gewagter Versuch des Hagener
Vereins für Feuerbestattung, seine Interessen durchzusetzen. Es
trägt den Namen des Vereinsvorsitzenden Dr. Eduard Müller, der
in Hagen Sanitätsrat war. Die Feuerbestattung war in Preußen bis
dahin gesetzlich nicht möglich und nur in wenigen Teilen
Deutschlands eingeführt worden. Es hat fünf Jahre gedauert, bis
schließlich 1912 die erste Feuerbestattung im Hagener
Krematorium durchgeführt wurde, vor allem weil erst zu diesem
Zeitpunkt die Gesetzesgrundlage dafür geschaffen war.
Wie bei vielen anderen Bauvorhaben mit einer breiten
Publikumswirksamkeit, übte auch beim Bau des Krematoriums der
Kunstmäzen und -sammler Karl Ernst Osthaus auf die Wahl des
Architekten seinen Einfluss aus. So entstand ein moderner und
auch noch aus heutiger Sicht ungewöhnlicher Bau. "Behrens wollte
mit seinem Entwurf den Zweck des Gebäudes äußerlich ablesbar
machen. Deshalb wählte er einen tempelartigen Gebäudekubus mit
einer von Pfeilern getragenen Vorhalle als Feierhalle und
seitlich angefügter so genannter Campanile, die einem
Glockenturm ähnelnd die Funktion des Schornsteins übernimmt.
Dabei war vornehme Einfachheit bei möglichst kostengünstigen
Materialien die architektonische Zielsetzung", erklärt
LWL-Denkmalpflegerin Danae Votteler. Die monumentale Wirkung des
Entwurfes lasse sich am besten von der Hangseite erleben. Hier
kulminiere der Bau als Abschluss einer langen Sichtachse
zwischen Gräberreihen die Friedhofsanlage, so die
Denkmalpflegerin weiter.
Ursprünglich waren die Fassaden mit weißen Marmorplatten und
schwarz-grünen Natursteineinlagen versehen. Und unverkennbar war
spätestens hier sein gestalterisches Vorbild, das Behrens in den
Florentiner Kirchen der Renaissance fand. Der äußerlich nicht
mehr erhaltene Schwarz-Weiß-Kontrast lässt sich im Inneren noch
erleben. Geometrische Gestaltungen aus Rechtecken, Kreisen und
antiken Ornamenten überziehen die Wände. Höhepunkt des sakral
wirkenden Innenraums ist das goldgrundige Mosaik in der Apsis.
In der Mitte dieses halbrunden Raumabschlusses befindet sich der
Katafalk. Dieses Trauergerüst nimmt die Särge während der
Trauerfeier auf und transportiert sie danach in den
Technikbereich des Untergeschosses.
"Eine Außenbesichtigung und ein Spaziergang über den Friedhof
lohnen allemal. Hier befindet sich auch das Grab des Hagener
Bürgermeisters Cuno, für den Peter Behrens auf dem Hohenhagen an
der Haßleyer Straße 35 ein ebenfalls bedeutendes Villengebäude
baute, das heute als Kindergarten genutzt wird", empfiehlt
Votteler.