[WestG] [AKT] Kommission soll Klarheit schaffen. Medizinische Fakultaet Muenster kuendigt Aufklaerung an

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Mai 25 10:16:23 CEST 2007


Von: "Pressestelle der Uni Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 24.05.2007, 14:02


AKTUELL

Kommission soll Klarheit schaffen
Medizinische Fakultät Münster kündigt rückhaltlose
Aufklärung an

In welchem Umfang war der 1958 verstorbene münstersche 
Hygieniker Prof. Dr. Karl Wilhelm Jötten in die Rassenpolitik 
der Nationalsozialisten verstrickt? Diese in den letzten Tagen 
in den münsterschen Medien aufgeworfene Frage soll im Auftrag 
der Medizinischen Fakultät der WWU eine Untersuchungskommission 
klären, in der renommierte Mediziner, Historiker und Juristen 
zusammen arbeiten werden. Auch Studierende sollen in dem Gremium 
mitwirken, dessen Gründung derzeit vorbereitet wird.

"Die Hinweise, die bisher zur Biografie Jöttens vorliegen, 
werfen einen Schatten auf die Geschichte unserer Universität. Um 
Klarheit zu bekommen und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen zu 
können, gibt es nur einen angemessenen Umgang mit dem Thema: 
schnelle und rückhaltlose Aufklärung", teilten Rektorin Prof. 
Dr. Ursula Nelles und Dekan Prof. Dr. Volker Arolt in einer 
gemeinsamen Stellungnahme mit. Dass es kein leichtes Unterfangen 
sei, 62 Jahre nach dem Ende der NW-Diktatur und 49 Jahre nach 
dem Tod von Prof. Jöttgen den damaligen Sachverhalt lückenlos 
aufzuklären, liege auf der Hand. In einem ersten Schritt seien 
die verfügbaren Unterlagen zu Jötten gesichtet worden, darunter 
die Personalakte des Wissenschaftlers.

Forscher der Universität Münster haben sich in der Vergangenheit 
immer wieder mit der Rolle von Ärzten und Wissenschaftlern 
anderer Fakultäten im Dritten Reich beschäftigt und zahlreiche 
Untersuchungen veröffentlicht. Das Rektorat der Universität und 
das Dekanat der Medizinischen Fakultät Münster werden diese 
Forschungsarbeiten weiter aktiv begleiten und unterstützten, 
heißt es in der Erklärung. Hilfe erhofft sich die Universität in 
diesem Zusammenhang auch von der amerikanischen Historikerin 
Sheila F. Weiss von der Clarkson University, die international 
als Expertin für die NS-Rassenpolitik gilt, und in wenigen 
Wochen wieder zu einem Forschungsaufenthalt nach Deutschland 
kommt. "Dann werden wir mit ihr auch über Jötten reden", 
kündigte Medizin-Dekan Prof. Arolt an.