[WestG] [AUS] Neue Sonderausstellung im LWL-Museum fuer Naturkunde, 22.05.2007-27.04.2008, Muenster
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Mai 25 11:17:50 CEST 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 21.05.2007, 12:29
AUSSTELLUNG
Pflanzenwelten -
Neue Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde in Münster
Pflanzen begegnen uns überall. Bei näherem Hinsehen tun sich um
uns herum erstaunliche kleine und große Welten auf. Ob es die
Welt der Garten- und Parkpflanzen ist, das Grün auf der Wiese
oder der Baum im Wald. Nicht nur auf der Fensterbank oder im
Gemüsebeet zeigt sich die bunte und pralle Vielfalt der Pflanzen,
sondern auch in jeder Pflasterritze. Die neue Sonderausstellung
"Pflanzenwelten - Menschen, Pflanzen, Geschichten", die der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 22. Mai 2007 bis
zum 27. April 2008 in seinem LWL-Museum für Naturkunde auf über
1.000 Quadratmetern zeigt, bietet mit 1.000 Ausstellungsobjekten
die Möglichkeit, die bunte Welt der Pflanzen zu erleben und sie
aus verschiedenen Blickwinkeln eingehend zu betrachten.
Pflanzen haben eine ganz besondere Bedeutung für uns Menschen.
Wir verwenden sie als Nahrung, Werkstoff, Heilmittel, Energie-
und Sauerstofflieferant oder Schmuck. Alltäglich sind wir von
Pflanzen und pflanzlichen Stoffen umgeben und auch abhängig. Sie
sind begehrte Fotomotive und auf zahlreichen Gemälden berühmter
Künstler verewigt. Bei besonderen Anlässen verschönern sie unser
Leben als Blumendekoration. Wir fühlen uns wohl, wenn wir von
Pflanzen umgeben sind - oftmals ohne es überhaupt zu merken.
Die Welt der Pflanzen kennen lernen
Die neue LWL-Sonderausstellung versucht auf über 1.000
Quadratmetern die Bedeutung von Pflanzen für unser tägliches
Leben zu erklären. "Ziel der Ausstellung ist es, mit ihren über
1.000 Objekten einige der unzähligen Aspekte über Pflanzen
anschaulich und leicht verständlich vorzustellen. Wir
ermöglichen Einblicke in die oftmals verborgene Welt der
Pflanzen", sagt Dipl.-Landschaftsökologin Katharina Crazius. Sie
hat zusammen mit Dr. Bernd Tenbergen das Konzept für die
Ausstellung entwickelt. Die Idee zur Ausstellung entstand unter
anderem aus dem Wissen, dass das LWL-Museum für Naturkunde die
größte botanische Sammlung Nordrhein-Westfalens besitzt.
Auf eine tiefgehende, rein wissenschaftliche Darstellung hat das
Team vom Naturkundemuseum jedoch bewusst verzichtet. Statt
dessen betrachtet die Ausstellung die vielfältigen ökologischen
Wechselbeziehungen zwischen Menschen, Tieren und. Crazius:
"Neben biologischen Themen finden kulturgeschichtliche und
regionale Aspekte eine besondere Beachtung. So lässt sich
Wissenswertes über die Welt der Heilpflanzen und wichtigen
Kulturpflanzen erfahren. Abstecher in die Stammesgeschichte der
Pflanzen sowie ein Blick in die Innenwelt einer Pflanzenzelle
ergänzen die Ausstellung." Auch werden Themen wie tierische
Pflanzenfresser und aktuelle Entwicklungen in der Land- und
Forstwirtschaft angesprochen. "Die Gedankenwelt unserer
Vorfahren war reich versehen mit Mythen und Anekdoten. Einblicke
in die Symbolik und Mythologie der Pflanzen runden das
Gesamtbild der Ausstellung ab", ergänzt Tenbergen.
Drei Ausstellungsbereiche zu Menschen, Pflanzen, Geschichten
Dr. Tenbergen erklärt, wie die Ausstellung aufgebaut ist: "Drei
verschiedene Ausstellungsbereiche geben Einblicke in den
Facettenreichtum und die Vielfalt botanischer Themen. Sie
erzählen von den Pflanzen selbst, von den Geschichten um sie
herum und von dem Bezug zum Menschen."
Die Ausstellung beginnt mit der Biologie der Pflanzen.
Sie erklärt den Aufbau und die Fortpflanzung von Pflanzen.
Anhand der Fotosynthese zeigt die Schau, warum ein Leben auf
der Erde ohne Pflanzen nicht möglich ist.
Im zweiten Abschnitt geht es um die Frage: Was machen wir
Menschen aus Pflanzen? Nutzpflanzen, wie etwa Getreide, Obst,
Gemüse und Ölpflanzen oder nachwachsende Rohstoffe und die
medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanzen werden
angesprochen. Die Ausstellung zeigt auch, wie Menschen die
Pflanzen als Holz-, Faser- und Gummilieferant nutzen.
Im dritten Ausstellungsteil dreht sich alles um das Thema:
Pflanzen schreiben Geschichte(n). Weltweit haben Botaniker bis
heute etwa 400.000 Pflanzenarten entdeckt. Alle tragen einen
Namen nach einem von Carl von Linné (1707 * 1778) entwickelten
System. Dieses Jahr ist das 300. Geburtsjahr Linnés. Sein Wirken
hat Spuren in Westfalen hinterlassen. Einige dieser Spuren
finden sich im Herbarium, der botanischen Sammlung des
LWL-Museums für Naturkunde, wieder. In der Ausstellung werden
die Spuren Linnés weiter verfolgt.
Ungewöhnliches - Stiel-Eiche
Als besonderen Höhepunkt der Pflanzenwelten beschreiben Crazius
und Tenbergen einstimmig die Nachbildung der über fünf Meter
hohen und 1,20 Meter dicken Stiel-Eiche. Die Eiche entstand nach
einer Idee von Crazius und ist im oberen, ersten
Ausstellungssaal zu sehen. Der Baum nimmt im Saal die komplette
Raumhöhe von über fünf Metern ein. Erkennbar sind der Stamm und
ein Teil seiner mit über 10.000 Blättern ausgestatteten Krone.
Dass der Baum nicht echt ist, sieht man ihm keineswegs an.
Ausgestattet mit echtem Moos und zahlreichen versteckten Tieren,
scheint er direkt aus dem Boden des Raumes gewachsen zu sein.
Die Original-Eiche steht auf der Kanalinsel in Senden (Kreis
Coesfeld). Der Baum wurde abgegossen und im LWL-Museum in
mühevoller Kleinarbeit innerhalb von rund sechseinhalb Monaten
wieder zum Leben erweckt.
Wertvolles - Xylothek und Artzneyschatz
Die wertvollsten Ausstellungsobjekte sind gleichzeitig auch zwei
Kuriositäten: Die über 80 Bände der "Xylothek" und "Schröders
Artzneyschatz". Bei der Xylothek handelt es sich um eine so
genannte Holzbibliothek, eine Zusammenführung von Holzprobe und
Herbarium, in Form eines aufschlagbaren Buches. Die
Holzbibliothek kommt als Leihgabe aus dem Schloss in Bad
Berleburg (Kreis Siegen) und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es
handelt sich dabei um die einzige Holzbibliothek dieser Art in
Nordrhein-Westfalen. Sie ist erstmals im Naturkundemuseum
Münster in ihrer Vollständigkeit zu sehen. Die Bücher sind mit
ca. 19,4 x 12,8 cm alle gleich groß und baugleich. Jede
Gehölzart hat eine eigene Kassette in Buchform. Auf Moos
gebettet finden sich darin die kennzeichnenden Pflanzenteile wie
Blätter, Früchte, Blüten und ein Sämling sowie Quer- und
Radialschnitte durch einen Ast. Ein Stück Holzkohle, ein Würfel
definierten Gewichts zur Bestimmung der Holzdichte, Blütenstaub
sowie ein Wurzelstück gehören ebenfalls ins Buch.
Johann Schröder (1600*1664), der aus Salzuflen stammt, verfasste
mit dem "Artzneyschatz" das erste Arzneibuch in deutscher
Sprache und schuf damit das wichtigste Standardwerk der
deutschen Medizin des 17. Jahrhunderts. 1641 erschien der
"Artzneyschatz" und war über 100 Jahre mit großem Erfolg in
Gebrauch. Der Artzneyschatz der sich in fünf Bücher gliedert,
umfasst mehr als 1.500 Seiten und enthält 48 Kupfertafeln, davon
44 mit Pflanzendarstellungen. Darin können die unterschiedlichen
Strömungen der Pharmazie der damaligen Zeit festgestellt werden.
So führte Schröder u. a noch 24 Arzneimittel gegen sogenannte
"Zauber-Krankheiten" auf. Das LWL-Naturkundemuseum zeigt in
seiner Ausstellung die sehr seltene Ausgabe von 1709 als
Leihgabe aus dem Medizin- und Apothekenhistorischen Museums
Rhede (Kreis Borken).
Vergrößertes - Blüten-, Blatt- und Zellmodelle
Kleines und teilweise Unscheinbares einmal riesengroß zeigen,
das möchte das LWL-Naturkundemuseum mit seinen Zell-, Blüten-
und Blattmodellen. Die Besucher können durch eine Pflanzenzelle
in 350.000-facher Vergrößerung hindurchgehen. Alle
Zellbestandteile sind beleuchtet. Das von rund einem Zentimeter
auf zweieinhalb Meter vergrößerte Modell einer
Wiesenschaumkrautblüte, zeigt anschaulich den Aufbau der Blüte
einer Samenpflanze. Ein auf rund 1,70 Meter vergrößertes Blatt
gewährt über Lupen Einblicke ins Innere.
Stämmiges - Hölzernes Balkendiagramm
Eine der über 30 ungewöhnlichen Inszenierungen der Ausstellung,
zeigt verschiedene Holzstämme. Nichts besonderes auf den ersten
Blick. Auf den zweiten Blick stellt sich diese Präsentation
jedoch als ein hölzernes Balkendiagramm heraus. Die Wälder in
Westfalen-Lippe setzen sich aus unterschiedlichen Baumarten
zusammen. Die Höhe der ausgestellten einzelnen Baumstämme, wie
Fichte, Buche, Eiche, Kiefer oder Lärche usw. zeigen an, wie
hoch der jeweilige Flächenanteil einer Baumart ist. Die Stämme
stammen aus dem Wolbecker Tiergarten. Mit vier Metern ist der
200 Kilogramm schwere Stamm der Fichte das größte Objekt dieses
Balkendiagramms.
Monumentales * Baumriesen
Wie mächtig oder auch skurril Bäume werden können, zeigen vier
schwarzweiße Großfotos. Die Fotovorlagen sind bereits über 80
Jahre alt. Sie stellen Baumriesen vor, die heute als
Naturdenkmäler geschützt sind. Die Feme-Eiche aus Raesfeld-Erle
(Kreis Borken) zählt mit vermutlich über 1.300 Jahren zu den
ältesten Baumdenkmälern Deutschlands. Die Hexenbuchen in der
Hohen Mark bei Haltern (Kreis Recklinghausen) wachsen besonders
krüppelig. Die Marienlinde aus Telgte (Kreis Warendorf) auf dem
Foto prachtvoll anzusehen, existiert heute nur noch in
Überresten. Und die "Dicke Eiche" aus Hopsten (Kreis Steinfurt)
ist eine der ältesten Bäume des Münsterlandes.
Verrauchtes - Tabak in Westfalen
Die Tabakverarbeitung hat, insbesondere in Westfalen, eine lange
Tradition. Die westfälische Tabakindustrie, mit ihrem
Schwerpunkt in Bünde, hat sich dabei seit langem auf die
Herstellung von Zigarren spezialisiert. Daher zeigt das
LWL-Museum in einem kleinen Ausstellungsteil Tabakpflanzen und
einige handwerkliche Gegenstände zur Herstellung von Zigarren.
Die Leihgaben stammen von der Zigarrenfabrik Schuster aus Bünde
(Kreis Herford).
Versteinertes *Stein gewordene Vorfahren
Die ältesten Objekte der Ausstellung sind versteinerten Pflanzen.
So etwa der Schuppenbaum-Zweig aus Hagen-Vorhalle (Kreis Hagen).
Er stammt aus dem Karbon und ist zwischen 350 und 290 Millionen
Jahre alt. Ein weiteres Beispiel ist der beblätterte Spross eines
Calamophyton aus Lindlar im Rheinland. Der Spross stammt aus dem
Devon und ist zwischen 410 und 350 Millionen Jahre alt.
Das LWL-Museum für Naturkunde, an der Sentruper Str. 285, bietet
zur neuen Sonderausstellung eine Erwachsenenführung für Gruppen
(nach Voranmeldung) an. Außerdem gibt es verschiedene
museumspädagogische Angebote. Die Angebote reichen vom
Vorschulalter bis zur Klasse 10. Informationen zur
Erwachsenenführung und zu den museumspädagogischen Programmen
der Ausstellung gibt es unter Telefon 0251 591-05.
INFO
LWL-Museum für Naturkunde
Sentruperstr. 285
48161 Münster
Tel. (0251) 591 05
E-Mail: naturkundemuseum at lwl.org
Zur Sonderausstellung ist ein gleichnamiges Begleitbuch
(155 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-924590-93-2) erschienen.
Das Buch ist im Museumsshop erhältlich.
Das LWL-Museum für Naturkunde in der Sentruper Str. 285 hat
Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Eintrittspreise:
Erwachsene: 3,50 Euro
Minderjährige: 2,00 Euro
Familientageskarte: 8,00 Euro
Gruppenangebote und sonstige Ermäßigungen auf Anfrage.