[WestG] [AKT] Gesungenes Muttertagsgeschenk: Muetter im westfaelischen Lied

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Mai 9 10:48:36 CEST 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.05.2007, 15:36


AKTUELL

"Liebe Mutter, glaube mir, wenn ich groß bin, helf’ ich dir" - 
Gesungenes Muttertagsgeschenk: Mütter im westfälischen Lied

Von Heintjes "Mama" über Abbas "Mamma Mia" bis hin zu Titeln von 
den Spice Girls oder der Teenie-Band US5: Mütter werden in 
Pop-Songs und Schlagern immer wieder gerne - und zumeist 
freundlich - bedacht. "Spezielle Lieder zum Muttertag sind 
jedoch spärlich gesät", so Christiane Cantauw von der 
Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL).

Das Fest, das die US-Bürger bereits 1914 als Staatsfeiertag 
begingen, kam über England, Norwegen und Schweden in den 1920er 
Jahren schließlich nach Deutschland. Hier waren es vor allem der 
Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber und der Bund der 
Kinderreichen, die sich für die Etablierung des Muttertages 
engagierten. Mit Erfolg: 1923 konnte der erste "Deutsche 
Muttertag" proklamiert werden.

Vier Jahre später, genau vor 80 Jahren, wurde in Münster 
offiziell das Westfälische Volksliedarchiv gegründet, das heute 
zur Volkskundlichen Kommission beim LWL gehört. Und natürlich 
ist auch hier die Mutter eine vielbesungene Person: "Ich und 
mein liebes Schwesterlein, wir schmieden manches Kettchen. Das 
Schönste ist für dich, Mama. Bekomme doch ein Küsschen, ja?"
heißt es etwa in einem vor dem ersten Weltkrieg in Herford 
bekannten Kinderreim.

Die Liebe der Kinder zur Mutter drückt sich in vielen Liedern 
aus - besonders rührend und schon fast kitschig ist ein 
Kinderlied aus Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis), das vermutlich aus 
der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt und 1921 in das Archiv 
kam: "Meine Mutter nennt mich immer Herzchen, und ihr Herzchen 
will ich immer sein. Will die Mutter immer herzlich lieben, und 
den Vater nie und nie betrüben, will sie beide auf den Händen 
tragen bis zu ihren späten Lebenstagen, will sie ehren, lieben 
und erfreun, will ihr liebs und guts Herz sein, will ihr liebs 
und guts Herz sein."

Neben Liedern und Reimen von "braven Kindern" für ihre "liebe 
Mama" finden sich aber auch Balladen und andere Volkslieder im 
Archiv für Westfälische Volkskunde, die sich mit weitaus 
ernsteren Themen auseinandersetzen. "Lieder über das Schicksal 
von Soldatenmüttern sind ebenso vertreten wie Beiträge zum 
Umgang von Müttern mit der hohen Kindersterblichkeit", erklärt 
Anne Wolf, Mitarbeiterin am Seminar für Volkskunde/Europäische 
Ethnologie der Universität Münster. "Selbst für vermeintliche 
Tabu-Themen wie Kindesmisshandlung gibt es Belege." So heißt es 
in einem eher harmlosen Beitrag: "Heia, mein Kindchen, ich wiege 
dich. Hätt’ ich ein Stöckchen, ich schlüge dich. Aber du bist 
noch viel zu klein, musst noch ein wenig gewieget sein."

Derzeit liegen die insgesamt rund 9.000 Liedaufzeichnungen 
thematisch geordnet in Mappen vor. Kaum ein Thema bleibt dabei 
unberücksichtigt: Neben Balladen, Liebesliedern, Trink- und 
Brauchliedern zeugen u. a. zahlreiche Stände- und Arbeitslieder 
sowie Kinderlieder von einer lebendigen regionalen Singpraxis in 
Westfalen. Wissenschaftler und andere Interessenten, die nach 
bestimmten Liedern suchen oder etwa mehr über das Liedrepertoire 
eines Ortes erfahren wollen, können sich unter Tel.: 
0251/83-25409 an die Volkskundliche Kommission für Westfalen 
wenden. Um in Zukunft den Zugang zum Archiv zu erleichtern, 
werden die Liederblätter gemeinsam mit dem auf Tonbändern und 
Kassetten vorliegenden Tonarchiv in einem von der Deutschen 
Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt digitalisiert. 
Demnächst sollen sie auf den Internetseiten der Volkskundlichen 
Kommission für Westfalen unter 
"http://www.lwl.org/LWL/Kultur/voko/" recherchierbar sein.