[WestG] [AUS] "Mach mich schoen": Frauenportraets der 1930er Jahre, 01.05.-31.10.2007, Detmold

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Mai 2 10:36:06 CEST 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.04.2007, 12:43


AUSSTELLUNG

LWL-Freilichtmuseum Detmold zeigt in der Ausstellung "Mach mich 
schön" faszinierende Frauenporträts der 1930er Jahre

Wenn wir an die Vergangenheit denken - was berührt uns am 
meisten? Der Boom historischer Biographien zeigt es: Es sind die 
Menschen mit ihren persönlichen Schicksalen, die Interesse 
wecken und den Zugang zur Geschichte ermöglichen. Im 
LWL-Freilichtmuseum Detmold begegnen Besucher jetzt 100 
individuellen Frauenporträts aus Westfalen, verewigt auf 
schwarz-weißen Studiofotografien der 1930er Jahre. Der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eröffnet die 
Ausstellung "Mach mich schön. Frauenporträts der 1930er Jahre 
aus dem Fotoatelier in Rietberg/Westfalen" am 1. Mai in seinem 
Freilichtmuseum.

Die Frauen auf den präsentierten Porträts ließen sich in den 
1930er Jahren in einem Tageslichtatelier fotografieren. Damals 
belichteten die Fotografen noch große Glasplatten. 2.200 
Exemplare solcher Glasnegative, wahre Schätze der westfälischen 
Fotografiegeschichte, 'schlummerten' in einer unscheinbaren, 
verstaubten Holzkiste auf dem Dachboden des Fotoateliers Joseph 
Kuper und Nachfolger in Rietberg im Kreis Gütersloh. Entdeckt 
und vor dem Verschwinden bewahrt wurden sie, als das Detmolder 
Freilichtmuseum im Jahr 2000 das Atelier-Gebäude von 1891 
übernahm. Seitdem bereichert dieser Bestand an Glasplatten die 
Fotosammlung des LWL-Museums.

Schon im vergangenen Jahr gewährte das LWL-Freilichtmuseum einen 
Einblick in diesen Fotobestand: Die Ausstellung "Die Braut in 
Schwarz" zeigte historische Aufnahmen von Hochzeitspaaren, die 
die Besucher zu lebhaften Vergleichen mit heutigen Fotos von 
Eheleuten anregten. Der diesjährigen Präsentation ging eine 
sorgfältige Auswahl der schönsten Frauenporträts voraus: Sie 
zeigen Frauen aus Rietberg und Umgebung aus verschiedenen 
sozialen Schichten in unterschiedlichen Lebensphasen * als 
Mädchen mit Zöpfen, als junge oder ältere Frauen oder auch als 
Mütter. Die Vielfalt an fotografischem Können ist groß, denn in 
der betreffenden Entstehungszeit waren mehrere Fotografinnen und 
Fotografen im Rietberger Atelier tätig.

Die Ausstellungsmacher selbst konnten sich dem Bann der Bilder 
nicht mehr entziehen: "Ich habe mich wirklich in diese Porträts 
verliebt", gesteht Museumsleiter Dr. Jan Carstensen. "Die 
natürliche Ausstrahlung und der unverstellte Charakter der 
Frauen machen den besonderen Reiz dieser Bilder aus. Sie sind 
zugleich ein wunderbarer Beleg für den Alltag in den 1930er 
Jahren."

Erklärtes Forschungsziel des Museumsteams war es, den richtigen 
Zugang zu dieser Zeit und zu den Motiven der damaligen Kundinnen 
zu finden. Warum haben sich so viele im Fotoatelier ablichten 
lassen? Das Museum erhielt bei den Recherchen in der Stadt 
Rietberg große Unterstützung von der Stadt und vom Heimatverein. 
Eine der größten Suchaktionen in der Geschichte der Stadt 
begann. Rietberger erkannten ihre Großmutter, Mutter, Tante oder 
sich selbst auf den Fotos und meldeten sich mit 'sachdienlichen 
Hinweisen'. Das Telefon von Manfred Beine, Leiter des Rietberger 
Stadtarchivs, stand kaum still: "Die Fotos wurden zum 
Stadtgespräch. Auf diese Weise konnten wir bis heute 72 der 100 
Porträts aufklären. Die zuvor namenlosen Frauen haben jetzt 
wieder eine Identität - und eine Lebensgeschichte", freut sich 
Carstensen.

Den spannenden Lebensläufen der in jungen Jahren fotografierten 
Frauen gingen Carstensen und die wissenschaftliche Volontärin 
des Museums, Tanja Zobeley, nach. Sie besuchten und befragten 
einige der 27 heute noch lebenden Frauen, deren Bilder in der 
Ausstellung zu sehen sind. Tanja Zobeley beschreibt ihre 
Begegnungen mit den alten Damen aus Rietberg so: "Es war eine 
unglaubliche Erfahrung: Ich kannte die Personen ja zunächst nur 
von dem Porträt aus jungen Jahren und dann stand ich derselben 
Frau beinahe 70 Jahre später gegenüber. Auch nach bewegenden 
Jahren sind die unverwechselbaren Züge und die individuelle 
Schönheit geblieben."

Um Fragen nach Schönheit - einmal abseits vom heutigen Modell- 
und Medienrummel um "Germany’s Next Topmodel" & Co. -, Fragen 
nach dem Anlass des Fotoatelierbesuches und nach der Geschichte 
der Stadt Rietberg im 20. Jahrhundert kreisen auch die bewusst 
sparsam eingesetzten Ausstellungstexte, die die Fotos ergänzen. 
In erster Linie gilt - laut Carstensen: "Die Fotos sprechen eine 
deutliche Sprache. Bei intensiver Betrachtung liest man zum 
einen den unausgesprochenen Wunsch 'Mach mich schön!' von den 
Gesichtern ab, zum anderen verraten die Körperhaltung, Kleidung 
und Frisur viel über die Person und ihre Zeit."

"Wir sehen es als Museum auch als unseren speziellen Auftrag an, 
den Dialog zwischen den Generationen und Menschen zu fördern. 
Das ist in Rietberg, der 'Heimat' der ausgestellten Fotos, 
gelungen und wird sich mit Sicherheit hier in der Ausstellung 
weiter fortsetzen - und 2008 dann in Rietberg selbst, wohin die 
Ausstellung anlässlich der NRW-Landesgartenschau wandert", ist 
Museumsleiter Carstensen überzeugt.


INFO

"Mach mich schön.
Frauenporträts der 1930er Jahre aus dem Fotoatelier in 
Rietberg/Westfalen"
1. Mai bis 31. Oktober 2007,
Di - So von 9-18 Uhr (Einlass bis 17 Uhr)

LWL-Freilichtmuseum Detmold
Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde
Krummes Haus
32760 Detmold

Ausstellungskatalog 
"Mach mich schön. Frauenporträts der 1930er Jahre. Fotografien 
des Ateliers Joseph Kuper und Nachfolger in Rietberg aus der 
Sammlung des LWL-Freilichtmuseums Detmold".
Klartext Verlag, Essen, 2007 (ISBN 978-3-89861-766-6), 
erhältlich im Museumsshop und im Buchhandel (€ 19,90)